Lucas Pinheiro Braathen überwindet sein Trauma am Chuenisbärgli und schafft es in Adelboden erstmals in seiner Karriere auf das Riesenslalom-Podest. Nach dem Rennen kämpft der Brasilianer mit den Tränen.
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- Lucas Pinheiro Braathen rast im Adelboden-Riesenslalom auf den starken zweiten Platz und bejubelt diesen im Ziel wie einen Sieg.
- Das hat seinen Grund: Nach einem Sturz vor fünf Jahren hat der Brasilianer enorm mit dem Steilhang am Chuenisbärgli zu kämpfen und bricht 2022 aus Angst gar seinen Lauf ab.
- Das Trauma scheint nun überwunden und Braathen macht klar: «Als Skifahrer ist das ein Erfolg, auf den ich am meisten stolz bin.»
Rückblende: Im Januar 2021 wird Lucas Pinheiro Braathen im Riesenslalom von Adelboden das allerletzte Tor zum Verhängnis. Er stürzt ins Ziel, verletzt sich dabei am linken Knie schwer und muss seine Saison beenden. Und der Sturz hinterlässt Spuren. Ein Jahr darauf bricht er seinen Riesenslalom-Lauf am Chuenisbärgli ab – und erklärt anschliessend: «Ich hatte sehr Angst vor dem letzten Steilhang. Ich dachte auch an letztes Jahr.»
Seither schafft es Braathen im Adelboden-Riesenslalom nie mehr ins Ziel – bis zu diesem Jahr. Nach zwei ganz starken Läufen muss sich der Brasilianer nur Chuenisbärgli-König Odermatt geschlagen geben – und bejubelt seinen zweiten Platz bei schwierigen Bedingungen wie einen Sieg.
Die Angst vor dem Steilhang
«Man hat nichts gesehen. Es hat vom Anfang bis zum Ende geschüttelt. Es war ein echter Test für einen Techniker», sagt Braathen im Zielraum und fügt an: «Als Skifahrer ist das ein Erfolg, auf den ich am meisten stolz bin. Das Chuenisbärgli ist eine der grössten Challenges in unserem Sport.»
Dann wird der 25-Jährige emotional. «Es ist das erste Mal, dass ich die Ziellinie überquere, seit ich mich hier vor Jahren verletzt habe. Ich habe es immer wieder versucht. Ich konnte meine Angst vor diesem letzten Steilhang nicht überwinden», so Braathen, der sich spezifisch für den Riesenslalom im Berner Oberland vorbereitet: «Ich habe so viel Therapie gemacht – speziell für dieses Rennen. Es hat Jahre gedauert, aber jetzt stehe ich hier auf dem Podium. Worte können nicht beschreiben, wie stolz ich bin.»
Allerdings übersteht der Ausnahmeathlet das Chuenisbärgli auch in diesem Jahr nicht ohne Verletzung und taucht mit einem blutenden Finger beim Interview auf. Wo und wann er sich die Schramme zugezogen hat, weiss Brathen allerdings nicht und lacht: «Gerade geht mein Adrenalin durch die Decke. Ich hätte einen Finger verlieren können und würde nichts fühlen.»