Marco Odermatt dominiert den Ski-Weltcup auch in diesem Jahr. Doch ausgerechnet der Abfahrtssieg auf der Streif bleibt ihm erneut verwehrt. Laut Marco Büchel hätte ihm das aber ohnehin gefährlich werden können. Büchel hoffte schon vor dem Rennen, dass Odi auch in diesem Jahr in der Hahnenkammabfahrt leer ausgehen würde.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Marco Odermatt dominiert den Ski-Weltcup, doch laut Ex-Rennfahrer Marco Büchel könnte ein Sieg in der Kitzbühel-Abfahrt seine Motivation gefährden.
- Büchel vermutet, dass Odermatt langfristig sein Rennprogramm reduzieren wird, um körperlicher und mentaler Überlastung vorzubeugen.
- Der Kitzbühel-Sieg gilt als Schlüsselmoment, deshalb hoffte Büchel bereits vor dem Rennen auf einen weiteren Aufschub, damit Odermatts Ehrgeiz erhalten bleibt.
Marco Odermatt hat fast alles gewonnen, was es im alpinen Skisport zu gewinnen gibt. Gesamtweltcup, Disziplinenwertungen, WM-Titel, Olympiagold. Nur eines fehlt ihm nach wie vor: der Sieg in der Abfahrt von Kitzbühel. Vor der Saison hat er diesen als grosses Ziel ausgerufen. Nun ist klar: Der 28-jährige geht erneut leer aus.
Der frühere Abfahrts-Crack Marco Büchel liess aber bereits vor dem Rennen auhorchen. «Ich will nicht, dass Odermatt in Kitzbühel gewinnt», sagte der Liechtensteiner dem «Tagesanzeiger».
Nicht, weil er Odermatt den langersehnten Sieg auf der Streif nicht gegönnt hätte, ganz im Gegenteil. Büchel scheint sich aber Sorgen zu machen, dass beim Weltcup-Dominator ein Motivationsverlust einkehren könnte, wenn er auch sein letztes grosses Ziel erreicht hat. «Ich will, dass er dieses grosse Ziel noch länger hat und damit hungrig bleibt!»
Siegeshunger droht verloren zu gehen
Der 54-Jährige erinnert daran, dass Odermatt kürzlich selbst Zweifel angedeutet hat. «Schon zuletzt in Alta Badia sagte er ja, der letzte Siegeshunger habe gefehlt.» Für Büchel ist klar: Noch treibt den Schweizer Superstar vieles an – aber nicht unbegrenzt. «Ich bin sicher, dass Marco entsprechend handeln wird.»
Konkret rechnet Büchel damit, dass Odermatt sein Programm mittelfristig reduzieren wird. Die grossen Rekorde seien zwar erreichbar, doch der Preis dafür hoch. «Bezüglich der Siege wird er Marcel Hirscher (67 Erfolge) einholen, vielleicht sogar Ingemar Stenmark (86). Aber mit der Zeit wird er Rennen auslassen.»
Gesamtweltcup plötzlich nicht mehr wichtig?
Besonders der Gesamtweltcup könnte an Bedeutung verlieren. «Vielleicht wird es ihm egal sein, ob er den Gesamtweltcup zum siebten, achten oder neunten Mal gewinnt.» Stattdessen sei ein klarerer Fokus denkbar – auch auf Kosten einzelner Disziplinen. «Denkbar ist, dass er irgendwann auf Riesenslaloms verzichten wird.»
Der Grund liegt für Büchel auf der Hand: die enorme Belastung. «Sein aktuelles Programm mit drei Disziplinen, mit allen Abfahrtstrainings und sonstigen Terminen – über Jahre hinweg wird er das vermutlich nicht aushalten. Es ist zu intensiv und macht dich kaputt.»
Sportlich gesehen hätte Büchel Odermatt den Streif-Triumph durchaus zugetraut. «Ich würde über tausend Franken darauf wetten. Letztes Jahr hat er es auf der Streif mit dem Risiko etwas übertrieben, er wollte den Sieg quasi ums Verrecken. Daraus hat er garantiert gelernt.»
Leider hätte Büchel diese kostspielige Wette wegen 7 Hundertstel verloren.