Reporter Zappella hofft auf Ski-Götter Ein solches Ende hätte Lara Gut-Behrami sicher nicht verdient

Syl Battistuzzi

21.11.2025

Lara Gut-Behrami vor ungewisser Zukunft.
Lara Gut-Behrami vor ungewisser Zukunft.
sda

Endet die Karriere von Lara Gut-Behrami mit einer schweren Verletzung? Ein Schicksal, welches niemand verdient. Am allerwenigsten unser grösster Skistar.

Sandro Zappella

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Lara Gut-Behrami ist im Training schwer gestürzt und könnte sich schwer am Knie verletzt haben.
  • Die 34-jährige Olympiasiegerin und zweifache Gesamtweltcupsiegerin steht möglicherweise vor dem endgültigen Abschied vom Skisport.
  • blue Sport Reporter Sandro Zappella hofft auf die Ski-Götter, um ihr einen würdigen Abschluss einer einzigartigen Karriere zu ermöglichen.

Lara Gut-Behrami ist gestern im Training in den USA schwer gestürzt. Neben einer Gehirnerschütterung wird ein möglicher Kreuzbandriss und ein Meniskusschaden befürchtet. Falls sich das bestätigt, wäre dies wohl gleichbedeutend mit dem Karriereende der Tessinerin.

Es wäre ein unwürdiges und vor allem unverdientes Ende der erfolgreichsten Schweizer Skifahrerin der Geschichte. Olympiasieg, doppeltes WM-Gold, zwei Gesamtweltcupsiege und 48 Siege im Weltcup – die 34-Jährige hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

An den Olympischen Spielen hätte es ein letztes grosses Hurra geben sollen. In Italien, wo sie seit Jahren lebt, hätte sie der Skiwelt zu gerne ein letztes Mal ihr Können gezeigt.

Glückliche Gut-Behrami vor dem letzten Tanz

Als ich Lara Gut-Behrami im Sommer zu einem Interview treffe, wirkt sie tiefenentspannt, zufrieden und glücklich. Sie macht sich weniger Druck als in den Jahren zuvor. Vielleicht, weil sie ihr Karriereende für nach Milano/Cortina fest eingeplant hat. Gut-Behrami plant als Investorin sogar schon für die Karriere nach der Karriere, betont aber trotzdem immer wieder, dass sie nochmals vollen Fokus auf ihre letzte Saison legen möchte. Gut-Behrami spricht auch offen wie selten zuvor über ihre Familie, Ehemann Valon Behrami und den Wunsch, einst selbst Kinder zu haben.

Lara Gut-Behrami über Zukunftspläne und Familiengründung

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Das war nicht immer so. Lara Gut-Behrami steht seit ihrem 16. Lebensjahr, als sie in St. Moritz sensationell auf Rang 2 fuhr, im Rampenlicht. Sie hat früh gelernt, eine Schutzwand um sich herum aufzubauen. In einer Zeit, als Swiss-Ski nicht mehr an Siege gewohnt war, musste sie direkt von der Skihoffnung zur Erfolgsgarantin werden. Sie tat dafür alles, was es brauchte, traf dafür auch unpopuläre Entscheide. Immer wieder musste sie den höchsten Ansprüchen genügen. Meist musste sie es nicht nur sich selbst beweisen, sondern der ganzen Ski-Schweiz.

Sie tat das mit Bravour, hat immer abgeliefert und dem immensen Druck standgehalten. Und dennoch galt sie oft als launisch, wurde teilweise von Fans und Medien missverstanden. Weil sie einfach tat, was es ihrem Verständnis nach brauchte, um den höchstem Ansprüchen – von Innen und Aussen – gerecht zu werden.

Bleibt Sölden-Podest als schwacher Trost?

Dementsprechend wenig Verständnis zeigte sie gegenüber jungen Athletinnen in einem FIS-Talk zum Saisonstart in Sölden, die sich ihrer Meinung nach zu schnell zufriedengeben würden. Für Gut-Behrami gab es immer nur ein Ziel: Die Beste zu sein, nicht die Beliebteste.

Die Beste zu sein, das hätte sie an Olympia in ihrer Wahlheimat Italien nochmals verdient. Doch nun droht ihr, ein verletzungsbedingtes vorzeitiges Karriere. Damit wäre die Saisoneröffnung in Sölden das letzte Rennen ihrer erfolgreichen Karriere gewesen. Standesgemäss hat sie es auf dem Podest beendet. Es wäre ein schwacher Trost.

Die Hoffnung bleibt, dass die Skigötter Gnade walten lassen und sich ihre Verletzung als nicht so gravierend herausstellen wird. Denn Gut-Behrami hat nur etwas verdient: Einen grossartigen Abschluss einer einzigartigen Karriere. Am besten mit weiteren Olympia-Medaillen.