Slalom-Star über wichtigste Erkenntnis Rochat: «Es ist in Ordnung, Angst zu haben und darüber zu sprechen»

Sandro Zappella

15.11.2025

Marc Rochat: «Es ist in Ordnung, Angst zu haben und darüber zu sprechen»

Marc Rochat: «Es ist in Ordnung, Angst zu haben und darüber zu sprechen»

03.11.2025

An einer Medienkonferenz vor dem Saisonstart in Levi zeigt sich Marc Rochat so offen wie nie. Der Slalom-Spezialist spricht über mentale Blockaden – und warum es im Skisport viel Mut braucht, über Angst zu reden.

Sandro Zappella

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Slalom-Spezialist Marc Rochat spricht offen über mentale Herausforderungen und betont, wie wichtig es ist, Angst zuzulassen und darüber zu sprechen.
  • Ein Wendepunkt in seiner Karriere war die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen, dem er sich erstmals vollständig anvertrauen konnte.
  • Heute möchte Rochat als Vorbild fungieren und jüngeren Athleten vermitteln, dass psychische Belastungen im Leistungssport normal sind.

Mit 32 Jahren wartet Marc Rochat weiterhin auf sein erstes Weltcup-Podest. Der Slalom-Spezialist fuhr in seiner Karriere bisher zweimal auf den vierten Rang – im letzten Winter war Rang 10 in Wengen sein Bestresultat. Doch an der Ski-WM in Saalbach holte er zusammen mit Stefan Rogentin die Bronze-Medaille in der Team-Kombination. 

Die letzte Saison war für Rochat aber zu Beginn keine leichte. In den ersten vier Rennen schied er im ersten Lauf aus, im fünften Anlauf verpasste er die Top 30. Nach dem Rennen in Wengen fuhr er dann fünf weitere Male in Serie in die Punkte.

Der Slalom gilt generell als Psycho-Disziplin, da die Athleten viel riskieren müssen und bei einem kleinen Fehler sofort das Ausscheiden droht. Rochat selbst erklärt an einer Medienkonferenz von Swiss-Ski, dass er seit fünf Jahren mit dem gleichen Sportpsychologen arbeite: «Es ist ein sehr persönliches Thema, man braucht eine spezielle Verbindung mit dieser Person. Diese habe ich bis dahin nie gefunden», so Rochat.

Rochat erklärt, dass es für Profisportler, speziell für Skifahrer, sehr schwierig sei, sich komplett zu öffnen: «In der Welt, in der wir aufwachsen, ist es sehr schwierig, die Emotionen zu zeigen, zu erklären und sich zu öffnen. Das war wahrscheinlich der wichtigste Schritt in meiner Karriere, dass ich mit jemandem reden konnte.»

Stefan Rogentin und Marc Rochat posieren mit ihren WM-Bronze-Medaillen.
Stefan Rogentin und Marc Rochat posieren mit ihren WM-Bronze-Medaillen.
KEYSTONE

«Das habe ich leider nicht gewusst, bis ich 25 Jahre alt war»

Es habe für ihn den ganzen Unterschied ausgemacht, jemanden zu finden, dem er vertraue und sich komplett öffnen und auch über Zweifel und Ängste sprechen könne. 

Rochat erklärt, dass man schon als Kind darauf konditioniert werde, nicht zu zeigen, ob man Angst habe am Start: «Du baust eine Wand auf und diese Wand habe ich zum Glück mit ihm runtergerissen.» Rochat denkt an sein 12-jähriges Ich zurück und wünscht sich, dass ihm schon damals jemand gesagt hätte, dass es ok ist, Angst zu haben: «Es ist normal, für einen Athleten auf hohem Niveau Angst zu haben. Aber das habe ich nicht gewusst, bis ich 25 Jahre alt war. Leider.»

Nun sieht sich Rochat selbst in der Rolle, den jüngeren Athleten zu helfen: «Es ist fast meine Mission geworden, der jüngeren Generation zu erklären, dass es ok ist, Angst zu haben und darüber zu reden.»

Gelegenheit, diese Rolle zu übernehmen und sich den Ängsten zu stellen, hat Rochat am kommenden Sonntag. Dann startet seine Slalom-Saison im finnischen Levi. 

Das Schweizer Aufgebot für den Weltcup-Slalom in Levi am 15. November

  • Loïc Meillard
    Tanguy Nef
    Daniel Yule
    Ramon Zenhäusern
    Marc Rochat
    Luca Aerni
    Matthias Iten

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