Weltcup statt Weihnachtsgeschenke Für diese zwei Schweizer Ski-Talente wurde in St. Moritz ein Kindheitstraum wahr

Sandro Zappella aus St. Moritz

15.12.2025

Alina Willi (links) und Daria Zurlinden haben am Sonntag in St. Moritz ihr Weltcup-Debüt gegeben.
Alina Willi (links) und Daria Zurlinden haben am Sonntag in St. Moritz ihr Weltcup-Debüt gegeben.

Das Verletzungspech im Schweizer Frauen-Skiteam bringt auch Chancen für neue Gesichter. Mit Alina Willi und Daria Zurlinden haben zwei junge Talente ihr überraschendes Weltcup-Debüt gefeiert – und erfüllten sich damit einen Kindheitstraum.

Sandro Zappella aus St. Moritz

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  • Verletzungen wichtiger Fahrerinnen wie Lara Gut-Behrami, Corinne Suter und Michelle Gisin führten zu personellen Engpässen im Schweizer Ski-Speed-Team.
  • Dadurch feierten die jungen Athletinnen Alina Willi (19) und Daria Zurlinden (21) überraschend ihr Weltcup-Debüt im Super-G von St. Moritz.
  • Für beide wurde ein Kindheitstraum wahr, nachdem sie kurzfristig nominiert wurden und erstmals auf der grossen Bühne gegen Stars wie Shiffrin oder Vonn antreten durften.

Die Schweizer Ski-Frauen machen in diesem Winter viel durch. Erst fiel Lara Gut-Behrami mit einer schweren Verletzung für die ganze Saison aus, dann erwischte es Corinne Suter und am Donnerstag im Training in St. Moritz erwischte es auch noch Michelle Gisin. Die vielen Abwesenheiten im Speed-Team eröffnen aber auch Möglichkeiten für Fahrerinnen, die bisher auf höchster Stufe noch keine Rolle spielten.

Am Sonntag kamen beim Super-G in St. Moritz deshalb gleich zwei junge Schweizer Talente zu ihrem unverhofften Debüt im Weltcup: Alina Willi und Daria Zurlinden. Zwei Geschichten von Kindheitsträumen, die am Sonntag in Erfüllung gingen.

Alina Willi: «Es ist ein Kindheitstraum, gegen Shiffrin oder Vonn zu fahren»

Alina Willi ist 19 Jahre alt und hat am Samstagmorgen einen Anruf in Abwesenheit, welchen sie so nicht erwartet hat. Ihr Trainer Roland Platzer wollte sie anrufen, aber Willi schlief noch. «Er hat mir noch geschrieben, ich soll ihn doch zurückrufen. Ich habe mich gefragt, was er will, aber habe natürlich zurückgerufen.»

Roland Platzer: «Bist du fit und gesund?»
Alina Willi: «Ja, warum?»
Roland Platzer: «Gut. Du fährst nämlich morgen im Weltcup?»
Alina Willi: «Meinst du das Ernst?!»

Am Samstagmorgen erfährt Willi also, dass völlig unverhofft ihr Debüt im Weltcup ansteht. Doch die kurze Zeit reicht, um noch Familie und Freunde aufzubieten: «Die haben noch schnell etwas organisiert», erklärt Willi.

Weit war der Weg schliesslich nicht. Denn Willi stammt aus Mels, bloss 1,5 Autostunden von St. Moritz entfernt. Aus Mels, daher kommt auch die 24-jährige Janine Schmitt, die sich im Weltcup bereits etabliert hat, die beiden trainierten bereits im Sommer zusammen und Willi sagt: «Es ist toll, wenn du jemanden im Team hast, zu dem du aufschauen kannst.»

Aufschauen kann Willi auch zu anderen Fahrerinnen. «Ich habe heute vor dem Rennen Mikaela Shiffrin gesehen, da wurde mir bewusst: Ich fahre heute gegen sie und Lindsey Vonn – damit ging ein Kindheitstraum in Erfüllung.»

Daria Zurlinden: «Ach nein, jetzt kann ich heute nicht mal wie geplant meine Weihnachtsgeschenke einkaufen»

Alina Willi ist 21 Jahre alt und auch sie hat am Samstagmorgen einen Telefonanruf erhalten, welchen sie nicht hat sehen kommen. Einen, der dazu führen sollte, dass sie ihre Homepage schon bald anpassen muss. Dort steht nämlich geschrieben: «Mein langfristiges Ziel ist es, eines Tages ein Weltcuprennen zu bestreiten.»

Auch sie wurde am Samstagmorgen, kurz nachdem sie aufgewacht ist, von ihrem Trainer Cristian Locher angerufen. Auch sie bekommt die Chance, im Weltcup zu debütieren, auch für sie ist es ein Kindheitstraum, der sich erfüllen sollte. Der Anruf kam unerwartet, die Freude sei dafür umso grösser gewesen. 

So richtig realisieren konnte sie das vorerst nicht, ihr erster Gedanke sei nämlich gewesen: «Ach nein, jetzt kann ich heute nicht mal wie geplant meine Weihnachtsgeschenke einkaufen». Natürlich lehne man die Möglichkeit, im Weltcup zu starten, aber nicht ab. 

Als Erstes habe sie dann ihrer Mutter gesagt, sie müsse noch heute nach St. Moritz. Die habe sie nur ungläubig angeschaut und gesagt: «Aber sicher nicht?!»

Zurlinden ist nicht gerade um die Ecke von St. Moritz zu Hause. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Bauernhaus in Niederbipp im Kanton Bern: «Weil alles so spontan war, dachte ich erst, dass wohl niemand aus meinem Umfeld schauen kommt.» Viele sind aber dennoch gekommen und machen sich auf der Tribüne immer wieder mit Daria-Rufen bemerkbar. «Ich glaube, die haben sogar noch einen Car organisiert», lacht Zurlinden.

Zusammen mit Willi war Zurlinden am Donnerstag und Freitag noch an FIS-Rennen (dritthöchste Stufe) in Davos. Der Unterschied zum Weltcup könnte kaum grösser sein: «Ich glaube, ich war heute auch etwa zehnmal nervöser als am Freitag», sagt Zurlinden. 

Die Woche sei aber sowieso komplett surreal gewesen und Zurlinden hält fest: «Ich glaube, ich realisiere erst heute Abend, was genau abgelaufen ist.»

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