Gut-Behrami über Trainer-Trennung «Es ist ein miserables Gefühl, wenn man alles gewinnt und sich trotzdem so einsam fühlt»

Luca Betschart

25.3.2025

Gut-Behrami deklassiert alle und holt sich historische Super-G-Kugel

Gut-Behrami deklassiert alle und holt sich historische Super-G-Kugel

23.03.2025

In eindrücklicher Manier holt sich Lara Gut-Behrami beim Saisonfinale ihre sechste Super-G-Kugel und schreibt Sportgeschichte. Und das, obwohl ihr eine schmerzhafte Trennung während der ganzen Saison zu schaffen macht.

Luca Betschart

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Lara Gut-Behrami fährt die Konkurrenz im letzten Super-G des Weltcup-Winters am Sonntag in Grund und Boden, fängt so Federica Brignone noch ab und holt sich ihre sechste Super-G-Kugel.
  • Die Tessinerin ist in ihrer Paradedisziplin über die gesamte Saison stets in den Top 5 klassiert – und das, obwohl sie zwischenzeitlich die Freude am Skifahren verliert.
  • Grund dafür ist der Abgang ihres langjährigen Trainers Alejo Hervas, der der Tessinerin länger als gedacht zu schaffen macht. 

Im letzten Super-G des ablaufenden Weltcup-Winters packt Lara Gut-Behrami ihr ganzes Können aus. Mit einem Husarenritt deklassiert sie die Konkurrenz in Sun Valley um mehr als eine Sekunde und holt sich so nicht nur den Tagessieg, sondern auch zum dritten Mal in Folge den Gewinn der Disziplinenwertung.

Mit der insgesamt sechsten Super-G-Kugel kürt sich Gut-Behrami in dieser Disziplin zur erfolgreichsten Athletin der Geschichte. Im laufenden Winter klassiert sie sich in jedem Rennen unter den Top 5 – und das, obwohl ihr eine gebrochene Abmachung über die gesamte Saison Kopfzerbrechen bereitet.

«Im Kopf war ich leer»

«Das Skifahren war schon da. Aber im Kopf war ich leer. Das hatte nichts mit der Motivation zu tun, sondern mit der Freude am Skifahren», gibt die Schweizerin in einem Eurosport-Interview zu. Der Hintergrund: Eigentlich sollte Gut-Behramis langjähriger Konditionstrainers Alejo Hervas die Tessinerin bis zu ihrem Saisonende begleiten. Doch Hervas wechselt zum Ende der letzten Saison überraschend zum Schweizer Männerteam um Marco Odermatt – und erwischt Gut-Behrami auf dem falschen Fuss.

«Es war so schade letztes Jahr. Ich kam nicht darüber weg. Ich war einfach nur traurig und wollte verschwinden, weit weg. Das ist schwierig zu verdauen. Es ist ein miserables Gefühl, wenn man alles gewinnt und sich trotzdem so einsam fühlt», erzählt Gut-Behrami. «Ich wusste, es würde Zeit brauchen. Dass es so lange dauert, hätte ich nicht gedacht.»

Eine wütende Krähe

Zwischenzeitlich stellt sich Gut-Behrami gar die Sinnfrage. «Ich dachte, wenn ich wieder Rennen gewinne und mich so schlecht fühle, warum tue ich mir das an. Das ist mir die ganze Saison im Kopf hinterhergelaufen», so die 33-Jährige. Erst beim Saisonfinale gelingt es endlich, diese Gedanken abzuschütteln: «Ich bin wieder mit Freude gefahren. Das ist das, was mir den ganzen Winter gefehlt hat.»

Ihr Vater Pauli habe ihr gesagt, sie fahre wie ein «Corvo incazzato», eine wütende Krähe. «Ich dachte mir, ich muss langsam damit aufhören, mich über die Situation zu beklagen. Schliesslich habe ich nur noch zwölf Monate Zeit. Ich habe eine wunderbare Familie und es wäre auch nicht richtig, uns die Möglichkeit zu nehmen, Erfolge wie diese zu geniessen und sich stattdessen mit der Vergangenheit zu nerven», erklärt die 47-fache Weltcup-Siegerin.

Wenn das nicht beste Voraussetzungen für den letzten Saisonauftritt sind, den die Super-G-Königin am Dienstag im Riesenslalom absolvieren wird. Los geht es mit dem ersten Lauf um 16.30 Uhr.



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