Frauen-Cheftrainer Tschuor «Gut-Behramis Unfall wäre vermeidbar gewesen»

Sandro Zappella

11.1.2026

Lara Gut-Behrami fällt nach einer schweren Knieverletzung die ganze Saison aus. (Archivfoto)
Lara Gut-Behrami fällt nach einer schweren Knieverletzung die ganze Saison aus. (Archivfoto)
Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Der Ausfall von Lara Gut-Behrami trifft das Schweizer Frauenteam hart. Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor räumt ein: Der Unfall wäre mit anderen Tor-Flaggen vermeidbar gewesen.

Sandro Zappella

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  • Lara Gut-Behrami fällt nach einem folgenschweren Sturz mit schweren Knieverletzungen für die gesamte Saison aus, was das Schweizer Speed-Team deutlich schwächt.
  • Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor bezeichnet den Unfall als vermeidbar und sieht bei den verwendeten Flaggen Potenzial zur Verletzungsprävention.
  • Österreich-Teamchef Roland Assinger kennt eine Lösung, die sofort umsetzbar wäre: Dreieckflaggen wie beim Snowboard.

Ohne Lara Gut-Behrami fehlt den Schweizer Ski-Frauen das Aushängeschild im Speed-Bereich. Während Holdener und Rast in den technischen Bewerben mit Podestplätzen glänzen, sieht es in Abfahrt und Super-G für die Schweiz derzeit düster aus. Der überraschende Rang 5 von Janine Schmitt gestern in der Abfahrt von Zauchensee war das Bestresultat in diesem Winter von den Speed-Frauen, bei denen Corinne Suter immerhin ihr Comeback nach Verletzung geben konnte.

Der verheerende Sturz von Teamleaderin Lara Gut-Behrami geschah am 20. November in den USA in Copper Mountain. Der «Blick» schreibt, dass damals im Super-G-Training Hektik und Gedränge geherrscht hätten, da viele Teams vor Ort gewesen seien. Die Sicht sei mässig gewesen, das Licht flach und der Schnee aggressiv. Gut-Behrami habe ein Tor zu eng angefahren, blieb mit der Hand hängen und stürzte folgenschwer. Mit Kreuzbandriss, Innenbandriss und einem Meniskusschaden verpasst die 34-Jährige die komplette Olympia-Saison, die eigentlich ihre letzte hätte sein sollen. 

Ob die Tessinerin nochmals als Profi auf die Ski-Pisten zurückkehrt, ist weiterhin unklar. Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor sagt dazu: «Das entscheidet Lara mit ihrem Umfeld. Wenn sie zurückkommt, ist sie sehr willkommen.»

Wäre der Unfall vermeidbar gewesen?

Doch Tschuor lässt mit einer weiteren, einer brisanten Aussage aufhorchen. Bei ORF sagt er über die Verletzung von Lara Gut-Behrami: «Der Unfall wäre vermeidbar gewesen.» Der Trainer erklärt, dass dies mit anderen Flaggen möglich gewesen wäre, und zwar mit solchen, die bei hoher Belastung mittig reissen. Man habe vor Jahren damit experimentiert. Die Sollbruchstelle reduziere Drehstürze, weil das Tor nachgebe. Doch die Flaggen hätten sich nur im Rennen durchgesetzt, so Tschuor.

Zum Unfall von Gut-Behrami nimmt er auch sich selbst und Swiss-Ski in die Pflicht: «Wir müssen kritisch prüfen, ob wir etwas hätten anders machen können. Verletzungsprävention muss Thema sein.» Kritik von der verletzten Gut-Behrami gab es übrigens keine, wie Tschuor festhält:  «Von ihr kam nie ein Vorwurf.»

Dreiecks-Flaggen wie beim Snowboard?

Zu den alternativen Flaggen erklärt Österreich-Teamchef Roland Assinger im «Blick», dass im Training zu viele Flaggen reissen – deshalb bräuchte es mit diesen Flaggen an jedem Tor Personal. Sein Alternativ-Vorschlag: Dreiecks-Flaggen wie beim Snowboard.

Gibt es die Dreieck-Flaggen bald auch im Skisport?
Gibt es die Dreieck-Flaggen bald auch im Skisport?
KEYSTONE

Die derzeit verwendete Flagge beim Skifahren funktioniere bei Abfahrern wie Dominik Paris oder Vincent Kriechmayr, da diese rund 100 Kilogramm wiegen. Bei Frauen mit 65 Kilo allerdings nicht, deshalb wären die Dreiecksflaggen eine «sofort umsetzbare Lösung.»

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