Mélanie Meillard steht vor der besten Slalom-Saison ihrer Karriere. Im Interview mit blue Sport spricht die 26-Jährige über jahrelange Knieschmerzen und warum sie an der WM alle möglichen Emotionen erlebte.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Mélanie Meillard hat in dieser Saison den Weg zurück an die erweiterte Weltspitze im Slalom geschafft.
- Oft steht die 26-Jährige noch im Schatten von Camille Rast und Wendy Holdener, die an der WM Gold und Silber geholt haben. Meillard sagt aber: «Ich sehe im Training, dass ich auf dem gleichen Level fahren kann, ich muss es nur noch im Rennen umsetzen.»
- Seit 2018 war Meillard nicht mehr so gut, nach einer schweren Knieverletzung machte sie eine harte Zeit durch: «Ich hatte vier, fünf Jahre lang jeden Tag Knieschmerzen.»
Mélanie Meillard, drei fünfte und drei siebte Ränge als Bestresultate – wie zufrieden bist du mit deiner Saison?
Mélanie Meillard: Ich bin extrem zufrieden mit meiner bisherigen Saison. Es ist extrem schön.
Zum letzten Mal warst du 2018 im Weltcup so stark im Slalom. Ist dir bewusst, dass es deine beste Saison werden könnte?
Es ist schwierig zu vergleichen, denn 2018 war die Zeit, als ich mich verletzt habe, da konnte ich nicht alle Rennen fahren. Aber ich weiss schon, dass es seither meine beste Saison ist. Ich bin froh, dass sich meine Arbeit jetzt ausbezahlt.
Porträt Mélanie Meillard
Geburtsdatum: 23. September 1998
Geburtsort: Neuchâtel
Disziplinen: Riesenslalom und Slalom
Grösste Erfolge: Gold an Jugend-Olympia 2016, 1 Podestplatz im Weltcup 2018, 4 Europacup-Siege, 3 Schweizer Meistertitel.
Damals 2018 hast du dir eine schwere Knieverletzung zugezogen, unter anderem einen Riss des Kreuzbandes. Jetzt bist du wieder in der Form von damals. Warum ging es so lange?
Es ist viel passiert in dieser Zeit, ich musste zweimal operieren, hatte noch das Fussgelenk verletzt und viele kleinere Verletzungen, die nicht alle an die Öffentlichkeit kamen. Von vielem habe nicht alle gewusst. Es hat Zeit gebraucht. Ich hatte vier, fünf Jahre lang jeden Tag Knieschmerzen. So war es auch schwierig, einen guten Weg zu finden, um gut zu trainieren.
Ist es jetzt besser?
In den letzten zwei Jahren ist es – ich würde nicht sagen jeden Tag gut – aber viel besser und ich kann jeden Tag, wenn ich auf den Ski bin, arbeiten. Ich muss nicht mehr so oft an das Knie denken.
Warum ist es mit dem Knie jetzt besser geworden?
Ich denke, es hat einfach Zeit gebraucht. Wir haben im Sommer schon einen guten Weg gefunden. Ich weiss jetzt genau, wie viele Tage ich Skifahren kann, bevor ich stoppen muss. So, dass ich nicht zu viele Läufe habe. Es ist sicher viel Planung. Mit den Jahren haben wir das gut optimiert.
Am 1. Januar 2018 hast du deinen bisher einzigen Podestplatz herausgefahren. Was musst du machen, damit es wieder so weit nach vorne reicht?
Weiter arbeiten. Es war so schön, dieses Podest beim City-Event in Oslo. Aber es ist natürlich nicht das gleiche, wie bei einem Riesenslalom oder Slalom aufs Podest zu fahren. Aber ich weiss, dass ich im Slalom auf einem guten Weg bin. Ich muss einfach zwei gute Läufe ins Ziel bringen, dann denke ich schon, dass das Podest kommen wird.
Für dich lief es an der Ski-WM nicht nach Wunsch, dafür haben deine Teamkolleginnen einen Doppelsieg gefeiert. Wie war das für dich? Frust wegen deines Ausscheidens oder Freude über Gold und Silber für Camille Rast und Wendy Holdener?
Ein bisschen alles. Zuerst war es natürlich die Enttäuschung über mein Rennen, weil ich für mich persönlich fahre. Aber wir sind ein Team und ich bin extrem glücklich für Camille und Wendy, was sie geleistet haben. Das war so schön. Ich hatte so viel Freude diese Tage, aber für mich persönlich ging es nicht auf und ich muss auf mich schauen und nicht die anderen. Deshalb hatte ich in diesen Tagen alle möglichen Emotionen.
Macht es das für dich leichter, wenn die Teamkolleginnen so gut sind wie in dieser Saison?
Nicht unbedingt, aber es ist schön und pusht. Ich sehe in den Trainings, dass ich auf dem gleichen Level fahren kann. Wenn ich sehe, wie es die anderen im Rennen umsetzen, weiss ich, dass es für mich auch möglich ist.
An der WM gab es für dich auch in der Familie Grund zur Freude. Dein Bruder Loïc hat gleich zweimal Gold geholt. Wie habt ihr das gefeiert?
Ich bin am Sonntag noch an der WM geblieben für den Slalom und habe auf der Tribüne geschaut. Am Abend haben wir mit Familie und Fanclub gefeiert. Das hat mir auch geholfen, die Enttäuschung meines Rennens vom Vortag zu verarbeiten. Ich habe zwar mein schlechtes Rennen nicht vergessen, aber es hilft meinem Herzen zu wissen, dass es ihm gut läuft.
Gibt er dir manchmal auch Tipps?
Jaja, das schon. Wir sprechen extrem viel zusammen. Vor den Rennen, nach den Rennen, zwischen den Rennen. Wir haben eigentlich immer Kontakt.
Helfen die Tipps denn auch?
Ja, ich höre auch immer zu. Manchmal lache ich, was er sagt, manchmal weiss ich, dass es richtig ist. Aber grundsätzlich höre ich immer was er sagt und es hilft mir immer.