Fairness mit Füssen getreten? Jetzt wehrt sich Shiffrin: «Es ging nicht darum, sich einen Vorteil zu verschaffen»

Jan Arnet

30.12.2025

Mikaela Shiffrin erhielt vor ihren Siegeslauf am Semmering mehr Besichtigungszeit als die anderen Fahrerinnen. 
Mikaela Shiffrin erhielt vor ihren Siegeslauf am Semmering mehr Besichtigungszeit als die anderen Fahrerinnen. 
Keystone

Mikaela Shiffrins Sieg im Slalom am Semmering hatte am Sonntag einen faden Beigeschmack, da sie die Kurssetzung im 2. Lauf länger als die Konkurrenz besichtigen konnte. Swiss-Ski prüfte gar einen Protest gegen die US-Amerikanerin. Jetzt wehrt sich Shiffrin gegen die Vorwürfe.

Jan Arnet

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Beim Damen-Slalom am Semmering 2025 schieden im ersten Lauf ungewöhnlich viele Fahrerinnen aus, was zu einer kurzfristigen Kursänderung vor dem zweiten Lauf führte.
  • Mikaela Shiffrin erhielt zusätzliche Besichtigungszeit und gewann das Rennen, was Kritik an der Fairness auslöste. Swiss-Ski prüfte einen Protest, verzichtete aber nach der Erklärung der Rennleitung.
  • Shiffrin weist die Vorwürfe nun zurück, kritisiert die Pistenbedingungen als unsicher und fordert mehr Zusammenarbeit für fairere und sicherere Rennen.

Das letzte Weltcup-Rennen des Jahres 2025 liefert noch einmal eine Menge an Gesprächsstoff. Als am Sonntag beim Damen-Slalom am Semmering im 1. Lauf gleich 39 von insgesamt 79 Fahrerinnen ausgeschieden waren, reagierte die Rennleitung vor dem 2. Lauf und änderte den Kurs kurzfristig leicht ab, als die meisten Athletinnen die Besichtigung bereits abgeschlossen hatten.

Die Ausnahmen: Dzenifera Germane und Mikaela Shiffrin, die für ihre Besichtigung in der Folge eine Viertelstunde mehr erhielten. «Das hat ihnen einen Vorteil verschafft», stellte der Schweizer Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor nach dem Rennen klar. Shiffrin, nach dem 1. Lauf noch Vierte, gewann das Rennen am Ende auch – neun Hundertstel vor Camille Rast.

Swiss-Ski prüfte sogar einen Protest, die Verantwortlichen hätten ihr Vorgehen aber nachvollziehbar darlegen können, erklärt Tschuor. «Für mich war wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass es so nicht geht und fair sein muss für alle.»

Shiffrin wehrt sich

Mit mehr als 24 Stunden Abstand äussert sich Mikaela Shiffrin in einem ausführlichen Instagram-Post zum Vorwurf der fehlenden Fairness und wehrt sich. «Leider war das Rennen kein gutes Abbild unseres Sports. Eine Kombination aus Entscheidungen und der Vorbereitung der Piste im Laufe der Woche führte zu einer sehr instabilen Strecke», schreibt die 30-Jährige. «Es war sehr schwierig, die Strecke überhaupt zu bewältigen – und für viele Athleten, die später starteten, war es fast schon gefährlich.»

Und weiter: «Ich habe mit mehreren Athletinnen im Ziel gesprochen, die frustriert, erschüttert und sogar verängstigt waren, als sie am Start standen und sahen, was sie vor sich hatten.» Die Sicherheit sei ein grosses Problem gewesen, was die hohe Ausfallquote von fast 50 Prozent auch belegt. «Mir wurde gesagt, dass es die höchste Ausfallquote seit 1999 war», so Shiffrin. 

Offenbar hatte sich vor dem 2. Lauf ausgerechnet die US-Amerikanerin über die später abgeänderte Passage beschwert und die Rennleitung zu einem Umdenken angeregt. In ihrem langen Text fordert Shiffrin, dass die Athletinnen und Athleten, die FIS und die Trainer besser zusammenarbeiten sollten, um die Rennen sicherer und fairer zu machen. «44 Ausfälle in zwei Läufen sind nicht unterhaltsam – es ist brutal und ehrlich gesagt schwer anzusehen.»

Problem hätte früher erkannt werden müssen

Die Anpassung der Strecke im zweiten Durchgang sei ein weiteres Beispiel für eine Situation, in der eher reaktiv als proaktiv gehandelt wurde. Die von der FIS vorgenommene Änderung sei aus Sicherheitsgründen notwendig gewesen, wehrt sich die 106-fache Weltcupsiegerin.

«Aber dies hätte vor der Eröffnung der Inspektion geklärt werden müssen – und nicht während die Athletinnen bereits die Strecke inspizierten –, was zu Verwirrung, Verzögerungen bei der Inspektion und Fragen zur Fairness führte», so Shiffrin. «Dabei ging es nicht darum, sich einen Vorteil zu verschaffen. Es hätte einfach früher erkannt werden müssen, damit alle die gleiche, korrekte Strecke inspizieren konnten.»

Sie werde sich auch weiterhin in Situationen zu Wort melden, in denen die Sicherheit gefährdet ist, kündigt die Seriensiegerin an. «Ich hoffe, dass die folgenden Gespräche zu konstruktiven Verbesserungen führen.»