Kein Kopfsponsor Lara Gut-Behrami: «Oft schaut man nur auf die Nullen im Vertrag»

fon

31.3.2025

Lara Gut-Behrami hat mit dem Gewinn ihrer sechsten Super-G-Kugel Historsiches geschafft.
Lara Gut-Behrami hat mit dem Gewinn ihrer sechsten Super-G-Kugel Historsiches geschafft.
Bild: Keystone

Lara Gut-Behrami blickt in einem Interview auf die gerade zu Ende gegangene Saison zurück, die von historischen Erfolgen, aber auch von persönlichen Herausforderungen und schwierigen Momenten geprägt war.

Nicolò Forni

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  • Lara Gut-Behrami blickt auf eine hervorragende Saison zurück, in der sie unter anderem ihre sechste Super-G-Kugel gewann, trotz anfänglicher Schwierigkeiten und einer Phase der Unsicherheit.
  • Nach einem schwierigen Saisonstart mit vielen Zweifeln hat die Tessinerin ihre Freude am Skisport zurückgewonnen.
  • Obwohl sie grosse Ziele erreicht hat, relativiert die 34-Jährige die Bedeutung von Zahlen und betont, dass Erfolg nicht immer gleichbedeutend ist mit persönlichem Wohlbefinden.

Für Lara Gut-Behrami ging mit dem Riesenslalom-Triumph in Sun Valley am vergangenen Donnerstag eine Saison zu Ende, in der sie historische Meilensteine erreichen konnte. Unter anderem gewann Gut-Behrami ihre sechste Super-G-Kugel, das hatte zuvor noch nie jemand erreicht.

Trotz eines schwierigen Starts in die Saison und der mentalen Schwierigkeiten, die die Tessinerin auf die Probe stellten, konnte sie die Freude zurückgewinnen und stellte ab November fest, dass sie immer noch die Leidenschaft und die Kraft hat, um auf höchstem Niveau zu fahren.

«Es war ein ganz anderer Start in die Saison als sonst. In Sölden habe ich mich immer gut gefühlt, aber zum ersten Mal hatte ich sehr seltsame Gefühle, die ich nicht kannte», erzählt Lara Gut-Behrami im Interview mit «RSI».

«Ich wusste nicht, ob ich weitermachen würde»

Die Tessinerin gibt auch zu, dass sie befürchtete, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, als sie im letzten Sommer nicht zurücktrat. «Das erste Gefühl war, dass es vielleicht ein Fehler war, weiterzumachen. Im Sommer dachte ich, ich hätte noch Lust, aber als es Zeit war, mit den Rennen zu beginnen, ging mir die Lust aus», so Gut-Behrami.

Und weiter: «Das Skifahren ist die eine Sache, aber der Rennsport bringt Spannung, Druck und die Gelassenheit des Lebens hängt jedes Wochenende von ein paar Zehntelsekunden ab. Ich sah absolut keinen Sinn darin, es war eine schwierige Zeit, ich wusste nicht, ob ich weitermachen oder aufhören würde.»

Ende November fand Gut-Behrami in Killington jedoch die richtigen Antworten. Sie realisierte, dass sie immer noch an Rennen teilnehmen wollte, auch dank ihrer wiedergewonnenen Gesundheit.

«Erfolg ist nicht immer gleichbedeutend mit Wohlbefinden»

Dem historischen Rekord von sechs Super-G-Kugeln misst die 33-Jährige nicht allzu viel Bedeutung bei, denn «Zahlen sind etwas, das man relativieren muss. Sie sind dazu da, um übertroffen zu werden, um die Messlatte immer höher zu legen. Vor mir gab es Athleten, die viel mehr gewonnen haben als ich, und es wird auch in Zukunft noch viele geben».

Natürlich seien Rekorde wichtige Ziele, so Gut-Behrami. Aber: «Was mir von diesem Tag am meisten geblieben ist, ist das gute Gefühl, in diesem Moment glücklich zu sein, ohne an gestern oder morgen denken zu müssen. Denn Erfolg ist nicht immer gleichbedeutend mit einem guten Gefühl.»

Ohne Hauptsponsor unterwegs

Die 48-fache Weltcup-Siegerin äussert sich zudem zu Sponsorengeldern. Rund 12 Jahre war die Tessinerin das bekannteste Werbe-Gesicht der Schokoladen-Marke Camille Bloch gewesen, bevor die Zusammenarbeit im letzten Sommer beendet wurde.

«Ich arbeitete seit mehr als einem Jahrzehnt mit Ragusa zusammen. Es war eine unglaubliche Reise, wir haben beide von vielen Dingen profitiert. Der Skisport ist mein Beruf, also verdiene ich meinen Lebensunterhalt auch dank der Sponsoren, aber es ist wichtig zu wissen, zu welchem Preis man diese Dinge tut und warum man sie tut», sagt Gut-Behrami darauf angesprochen. 

Im abgelaufene Weltcup-Winter ist sie ohne Hauptsponsor unterwegs und erklärt nun: «Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich die Frage zu stellen: Warum, wie und mit wem mache ich das? Oft schaut man als Sportler nur auf die Nullen im Vertrag, anstatt sich zu fragen, ob es Sinn macht.»

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