Erster öffentlicher Auftritt seit der Knieverletzung: Lara Gut-Behrami zeigt sich in Zürich bei der Premiere ihres Kurzfilms – und spricht über ihr mögliches Karriereende.
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- Lara Gut-Behrami zeigt sich erstmals seit ihrer schweren Knieverletzung wieder öffentlich bei der Premiere des Kurzfilms «Semplicemente Lara.»
- Ursprünglich plante die 35-Jährige, nach der Olympia-Saison zurückzutreten, doch die Verletzung verhinderte eine Abschiedssaison. Ob sie ihr letztes Rennen bereits gefahren ist, lässt sie offen.
- Gut-Behrami betont den prägenden Einfluss ihrer Eltern, die ihr Disziplin und Mut vermittelten, sowie die Bedeutung von Freude am Skifahren.
Sie ist zurück. Nicht auf den Weltcup-Pisten dieser Welt, aber zumindest zurück in der Öffentlichkeit. Zum ersten Mal seit ihrer schweren Knieverletzung zeigt sich Lara Gut-Behrami wieder öffentlich. Anlässlich der Premiere des Kurzfilms «Semplicemente Lara» ist die Hauptdarstellerin im blue Cinema Abaton zu Gast.
Gut-Behrami lächelt in die Kameras, schüttelt Hände, begrüsst bekannte Gesichter. Mit den Medien möchte sie aber bis zum Sommer weiterhin nicht sprechen. Nicht sprechen, das ist auch das Motto des vorgestellten Kurzfilms. Dieser zeigt Gut-Behrami in zuvor unveröffentlichten Aufnahmen aus ihrer Kindheit mit Mutter Gabriella, Vater Pauli und Bruder Ian.
Kommentiert werden die Aufnahmen jedoch nicht. Es ist eher ein Kunstprodukt als eine Dokumentation, in der man wirklich mehr über die 35-Jährige erfährt. Der Film wurde als Hommage an Gut-Behrami erstellt, in Zusammenarbeit mit dem Nahrungsergänzungsmittel KA-EX bei dem Gut-Behrami nicht nur als Werbegesicht, sondern auch als Investorin tätig ist.
Als der Film im blue Cinema Abaton seine Premiere gefeiert hat, bricht Gut-Behrami auf der Bühne ihr Schweigen doch noch: «Die Idee des Filmes war es, mein letztes Rennen zu begleiten. Ich habe mich oft gefragt, wie mein letztes Rennen aussieht.» Gut-Behrami hatte nämlich geplant, nach dieser Olympia-Saison zurückzutreten.
Statt einer Abschiedssaison kam nach dem Saisonauftakt in Sölden (Rang 3) die schwere Verletzung, die sie für den ganzen Winter ausser Gefecht setzte. Die Frage, welche die Ski-Schweiz seither beschäftigt, ob nun der Rücktritt folgt oder nicht, kann Gut-Behrami aber noch nicht beantworten: «Ob ich mein letztes Rennen schon gemacht habe oder nicht, weiss ich wirklich noch nicht.»
Gut-Behrami über ihre Eltern: «Es ist schön, wenn wir leben – und nicht einfach überleben»
Gut-Behrami erzählt ergänzend zum Film zudem, wie wichtig ihre Eltern für sie schon in der Kindheit waren: «Meine Eltern haben nie gesagt: Das kannst du nicht – im Gegenteil. Ich bin nicht mit dem Gefühl von Grenzen aufgewachsen, sondern mit Möglichkeiten.»
Es sei auch mutig gewesen von ihren Eltern, ein Privatteam für sie zu gründen, als sie erst 17 Jahre alt gewesen sei: «Sie wussten ja nicht, ob ich jemals etwas erreichen werde, das war finanziell ein schwieriger Schritt. Wir sind keine Millionäre, sondern eine normale Familie.» Es sei deshalb schön, dass sich ihre Eltern getraut hätten: «Wir leben nur einmal. Es ist schön, wenn wir leben – und nicht einfach überleben.»
Von ihren Eltern habe sie auch früh gelernt, diszipliniert zu sein. «Ich habe nicht viel geschenkt bekommen, man erreicht etwas, wenn man etwas dafür macht.» Das sei schon in der Schule so gewesen: «Vom Auf-dem-Stuhl-Sitzen kriegst du keine Sechs.» Im Sport sei das ähnlich, um zu gewinnen, müsse man an den Start gehen. Eine Idee alleine reiche nicht aus, man müsse täglich etwas dafür tun: «Man verliert heute zu schnell den Mut oder die Hoffnung.»
Dementsprechend sei sie schon immer von Leuten beeindruckt gewesen, die etwas erreichen wollten und nicht wie alle anderen waren. Von solchen Leuten habe sie sich stets inspirieren lassen. Ein Beispiel dafür seien ihre Eltern.
Warum Gut-Behrami Blumen plötzlich hasste
Diese seien auch besonders wichtig gewesen in Phasen, in denen das Skifahren kein Hobby mehr war, sondern ein Job, der zur Last wurde. Irgendwann habe dank ihres Umfeldes der Spass wieder im Vordergrund gestanden: «Es war nicht mehr nur Druck und Stress wie früher, ich hatte wieder Spass.»
Im Film werde genau das gezeigt, was sie immer versucht habe auszudrücken: «Ich liebe Skirennen, aber noch wichtiger: Ich fahre gerne Ski, seit ich ein Kind bin. Es geht nicht nur um Rennen. Irgendwann werde ich nicht mehr Skifahrerin sein, aber ich hoffe, ich kann mit 90 noch Skifahren.»
Eine vielsagende Anekdote erzählt Gut-Behrami dann noch, als ihr nach dem Anlass Blumen überreicht werden: «Als Kind habe ich Blumen geliebt, während der Karriere habe ich dann aber begonnen, sie zu hassen.» Auf dem Podest habe sie immer Blumen erhalten. Aber das sei für die mit vielen negativen Dingen konnotiert gewesen: «Die Blumen waren ja nicht für mich als Mensch, sondern für meine Leistung. Es hat mir nichts mehr bedeutet, Blumen zu erhalten.» Erst durch ihren Mann, Ex-Fussballer Valon Behrami, habe sie sich wieder als Frau gefühlt – als Mensch. Darum steht mittlerweile wieder die Freude im Vordergrund, wenn sie Blumen erhalte.