So viel hat sich Lindsey Vonn vorgenommen. Trotz Kreuzbandriss wollte die US-Amerikanerin in der Olympia-Abfahrt starten und um die Medaillen kämpfen – und dann stürzt sie nach wenigen Fahrsekunden schwer.
Erst seit wenigen Sekunden ist Vonn in der Abfahrt von Cortina d'Ampezzo unterwegs, als sie bei einem Sprung das Gleichgewicht verliert und stürzt. Sofort ist zu hören, wie die 41-Jährige vor Schmerzen schreit. Schnell eilen Helfer und Sanitäter zu Vonn, die schliesslich mit dem Helikopter abtransportiert wird.
Vonn hatte sich just vor den Winterspielen in Crans-Montana einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen, wagte aber dennoch einen Start. Noch am Samstag teilte die US-Amerikanerin mit, dass sie ihr letztes olympisches Rennen bestreiten wird.
«Ich weiss, dass die Chancen aufgrund meines Alters, meines fehlenden Kreuzbandes und meines Titan-Knies gegen mich stehen – aber ich weiss auch, dass ich trotzdem daran glaube», schrieb Vonn auf Instagram. Und: «Normalerweise hole ich gerade dann, wenn die Chancen am schlechtesten für mich stehen, das Beste aus mir heraus.» Es sollte ganz anders kommen.
FIS-Präsident Eliasch: «Es ist eine Tragödie»
Vonn kehrte vor einem Jahr mit einer Teilprothese im rechten Knie in den Ski-Weltcup zurück und träumte an den Olympischen Spielen von einer letzten Krönung ihrer grossen Karriere. Es endet im Albtraum. Zwar ist noch nicht klar, wie schwer sich Vonn verletzt hat. Höchstwahrscheinlich geht an diesem denkwürdigen Sonntag aber eine grosse Karriere zu Ende.
Am Sonntagnachmittag gibt es dann ein erstes Update zum Gesundheitszustand der Amerikanerin. Der US-Trainer Alex Hödlmoser sagt bei SRF: «Wir haben jetzt noch ganz wenige Informationen. Anscheinend sollte es ein Bruch sein im Unterschenkel irgendwo, aber wir wissen noch überhaupt nichts Genaues. Es wird noch untersucht.» Es sei im Moment ganz schwierig, man freue sich über die Goldmedaille von Breezy Johnson und bange zugleich um Lindsey Vonn.
Das US-Skiteam schrieb auf der Plattform X lediglich, dass Vonn verletzt, aber stabil sei und von amerikanischen wie italienischen Ärzten betreut werde. Am Sonntagabend meldet die Nachrichtenagentur «Ansa» unter Berufung auf das italienische Gesundheitsamt Treviso, dass die Amerikanerin bereits operiert worden sei, um einen Bruch in ihrem linken Bein zu stabilisieren.
FIS-Präsident Johan Eliasch sagt gegenüber «OE24»: «Es ist eine Tragödie. Aber so ist eben der Skirennsport. Trotzdem möchte ich mich im Namen der FIS für alles bedanken, was Vonn für den Sport gemacht hat.»
Nach einem langen Unterbruch ging das Rennen weiter. Vonns Landsfrau Breezy Johnson siegte vor der Deutschen Emma Aicher und Lokalmatadorin Sofia Goggia.