Schlimmer Sturz von Schwester Michelle Marc Gisin: «Die letzten 24 Stunden waren der Horror» 

Sandro Zappella aus St. Moritz

12.12.2025

Gisins Sturz im Video

Gisins Sturz im Video

Die Schweiz bangt um Michelle Gisin. Sie stürzt im Abfahrtstraining in St. Moritz schwer.

11.12.2025

Die Ski-Familie Gisin erlebt erneut einen Schockmoment: Michelle verletzt sich bei einem Trainingssturz schwer. Bruder Marc spricht mit blue News über bange Stunden, eine heikle Operation und Glück im Unglück.

Sandro Zappella aus St. Moritz

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Michelle Gisin zog sich bei einem Trainingssturz in St. Moritz unter anderem mehrere kleine Brüche an der Halswirbelsäule zu und wurde erfolgreich operiert, bleibende Schäden sind nicht zu erwarten.
  • Bruder Marc Gisin beschreibt die Situation im Interview mit blue News als «Horror» und sagt: «Sie hatte extrem viel Glück.»
  • Michelle befindet sich derzeit in stabiler Verfassung und habe sogar die heutige Abfahrt im TV geschaut. Sie wartet aber noch auf weitere Untersuchungen am Knie und an den Bändern.

Den schweren Trainingssturz von Michelle Gisin hat auch ihr Bruder Marc mitbekommen. Der 37-Jährige ist als Rennsportchef bei Stöckli tätig und kennt Stürze aus eigener Erfahrung. 2018 verunfallte er in Gröden schwer und lag mehrere Tage im Koma. 2020 trat er als Ski-Profi zurück. 

blue News hat Gisin, der beruflich für Stöckli in St. Moritz ist, auf den Sturz seiner Schwester angesprochen.

Marc Gisin, wie haben Sie die letzten 24 Stunden erlebt?

Das war natürlich Horror, auch für unsere Eltern wieder. Eine Katastrophe, so etwas zu erleben. Das haben sie leider zu oft erleben müssen bei allen dreien (Anm. der Redaktion: auch Schwester Dominique Gisin war Ski-Profi und wurde 2014 Abfahrts-Olympiasiegerin). Eigentlich wollten alle hier hinkommen und das Rennen gemeinsam schauen. Wir haben uns alle gefreut, Michelle war gut in Form.

Wie haben Sie den Sturz von Michelle gestern erlebt?

Das war natürlich unschön, ich war gerade auf der Anreise und habe dann im FIS-Liveticker gesehen, dass DNF (Did not Finish) steht. Das ist nie ein gutes Zeichen. Vor allem, als dann noch stand, dass das Training unterbrochen sei. Wenn es dann relativ lang geht, dann weisst du: Sie ist gestürzt. Zum Glück habe ich von den Trainern schnell Bescheid erhalten. Also wusste ich, dass ich nicht in mein Hotel, sondern direkt in die Klinik abzweigen kann. Dort habe ich sie dann gesehen. 

Marc Gisin ist Rennsportchef bei Ski-Hersteller Stöckli.
Marc Gisin ist Rennsportchef bei Ski-Hersteller Stöckli.
KEYSTONE

Konnten Sie dort mit ihr sprechen?

Sie war gerade in den Untersuchungen und musste eine Computertomografie und Röntgenbilder machen, da konnte ich sie schon ein erstes Mal sehen. Sie war den Umständen entsprechend gut drauf, hat sogar schon wieder Witze gemacht, wie man sie halt kennt. Danach gab es noch eine genauere Untersuchung der Halswirbelsäule – und die war nicht so erfreulich. Das sah nicht gut aus und deshalb musste man sie schnellstmöglich nach Zürich zu einem Spezialisten bringen.

Die Operation sei aber zumindest gut verlaufen?

Die Operation war sehr komplex und dauerte mehrere Stunden. Sie hatte mehrere kleine Brüche, wodurch die Halswirbelsäule instabil war. Nun sind wir froh, dass alles gut verlaufen ist. Michelle muss keine bleibenden Schäden befürchten. Sie hatte extrem viel Glück, das mussten sie auch vor Ort feststellen. Das Knie wird aber erst noch untersucht, das kommt also noch. Wichtig ist jetzt aber mal, dass die Halswirbelsäule gut operiert wurde und die Hand ebenfalls.

Wurden Aufnahmen vom Knie gemacht?

Ja, ein CT und Röntgenbilder. Mit den Knochen ist alles gut.

Und die Bänder?

Das wird noch untersucht. Aber wenn man das Video ihres Sturzes sieht, erkennt man, dass wohl nicht alles gut ist. Nach der Diagnose am Hals war das allerdings zweitrangig.

Wie geht es ihr jetzt?

Sie ist wieder ansprechbar und schaut gerade das Rennen. Sie ist noch ein bisschen beduselt, sonst geht es ihr den Umständen entsprechend gut. Kaum war sie bei Sinnen, hat sie sich schon unendlich oft bedankt und entschuldigt – wie man sie halt kennt. Der Dank gebühre vor allem der Bergrettung vor Ort, die sei bei der Erstversorgung absolut top gewesen.

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