Marco Odermatt spricht offen über seinen Respekt vor den Kamelbuckeln – und legt auf der schwierigen Saslong trotzdem die klare Bestzeit hin. Andere Fahrer stürzten hingegen teilweise schwer.
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- Bereits vor dem ersten offiziellen Training in Gröden kam es zu Stürzen, es verletzten sich zwei italienische Vorfahrer. Im Training selbst zog sich der Österreicher Stefan Eichberger einen Kreuzbandriss zu und muss die Saison beenden.
- Besonders gefährlich ist die Schlüsselstelle «Kamelbuckel», die laut Marco Odermatt als schwierigste Passage im Weltcup gilt und bei mehreren Fahrern zu Stürzen führte.
- Trotz schlechter Sichtverhältnisse fuhr Odermatt die klare Trainingsbestzeit, während Franjo von Allmen nach Verletzungspause ein vorsichtiges, aber positives Comeback gab; das zweite Training wurde wetterbedingt abgesagt.
Die Saslong in Gröden fordert am Dienstag schon ihre ersten Opfer, bevor das erste Training überhaupt begonnen hat. Die beiden italienischen Ski-Talente Emanuel Lamp und Pietro Broglio sind als Vorfahrer am Start. Doch beide stürzen und tragen Verletzungen davon. Der 21-jährige Lamp trägt eine Sehnenverletzung am Knie davon, der 20-jährige Broglio musste wegen Schmerzen an Rücken und Nacken gar mit dem Helikopter abtransportiert werden.
In der Folge haben auch die Weltcup-Athleten Mühe mit der schwierigen Piste. Es schneit, zu sehen ist teilweise so gut wie gar nichts. Das wird auch dem Österreicher Stefan Eichberger zum Verhängnis. Bei den Kamelbuckeln hat der 25-Jährige zu wenig Speed, landet im Gegenhang und stürzt. Mit starken Knieschmerzen musste er abschwingen, um wenig später die niederschmetternde Diagnose zu erhalten: Kreuzbandriss, Meniskusriss und Saisonende.
Dass die Kamelbuckel äusserst schwierig zu fahren sind, bestätigt auch Marco Odermatt gegenüber dem «Blick»: «Vor jeder anderen Schlüsselstelle kannst du in einem ersten Training kurz bremsen. Genau das funktioniert hier nicht. Wenn du bei diesem Absprung nicht voll durchziehst, knallts.» Bei den Vorfahrern und Eichberger war offenbar genau dies das Problem. Sie hatten zu wenig Tempo, zu wenig Höhe um auch den zweiten und drittel Buckel zu überspringen und sind dann beim letzten Buckel hängengeblieben.
Odermatt, der letzte Saison in Gröden die Abfahrt gewonnen hat, spricht sogar davon, dass die Kamelbuckel die gefürchtetste Stelle im gesamten Weltcup seien. Und auf das Training am Dienstag angesprochen, gesteht er: «Nach dem Absprung auf dem Kamelbuckel habe ich schier in die Hose geschissen.» Trotzdem lief es Odermatt im Training optimal. Mit über sieben Zehntel Vorsprung auf den Österreicher Daniel Hemetsberger stellt er die deutliche Bestzeit auf.
Von Allmen ist zurück
Weit hinter Marco Odermatt hat sich Franjo von Allmen eingereiht. 6,24 Sekunden verliert der Abfahrts-Weltmeister auf seinen Teamkollegen, doch beunruhigend ist der Rückstand nicht. Von Allmen hat nach seinem heftigen Sturz in Beaver Creek, bei dem er Prellungen am Schienbein erlitten hat, bewusst im unteren Teil der Saslong abgeschwungen: «Ich habe nach dem Sturz in Beaver Creek den Ratschlag von meiner Physio befolgt und eine Woche lang wirklich gar nichts gemacht. Das war offensichtlich die richtige Strategie, mein Schienbein fühlt sich nach dieser Trainingsfahrt erstaunlich gut an», so von Allmen.
Die Schutzschiene, welche er sich extra anfertigen liess, werde er wohl für das Rennen gar nicht gebrauchen: «Nachdem es im Training gut ohne diese Schienen funktioniert hat, werde ich voraussichtlich auch in den Rennen ohne fahren.»
Das Training habe aus seiner Sicht aber ebenfalls unter prekären Bedingungen stattgefunden: «Im obersten Abschnitt habe ich fast gar nichts gesehen. Es ist kein schönes Gefühl, wenn du über die erste Welle fliegst und nicht weisst, wann du landest.»
Einen weiteren Probelauf gibt es in Gröden nicht. Am Mittwoch wurde das zweite Training wegen schlechten Wetters abgesagt. Am Donnerstag steht eine verkürzte Abfahrt als Ersatz für Beaver Creek auf dem Programm, am Freitag soll ein Super-G stattfinden und am Samstag die Original-Abfahrt.
Do 18.12. 11:30 - 13:20 ∙ SRF zwei ∙ 110 Min
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