Ski-Legende Bernhard Russi spricht bei blue Sport über die Verletzungen im Weltcup. Dabei erklärt der Abfahrts-Olympiasieger von 1972, dass Odermatt auch schon nah an einer «Katastrophe» dran war.
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- Ski-Experte Bernhard Russi spricht mit blue Sport über die vielen schweren Verletzungen im Ski-Weltcup.
- Der langjährige SRF-Experte sagt, dass die Medien heute sensibler auf Verletzungen reagieren, weil es auch grössere Namen erwischt hat.
- Auch Marco Odermatt war schon nah an einem üblen Sturz. Russi erinnert sich: «Vor drei Jahren in Kitzbühel war er in der Zielschuss-Traverse ganz nah an einer Katastrophe.»
Bernhard Russi spricht mit blue Sport über die vielen Verletzungen im Ski-Weltcup in den letzten Jahren. Eine Hauptursache sieht der ehemalige Abfahrts-Spezialist aber nicht: «Es gibt kein Hauptproblem, ausser, dass man medienmässig jetzt etwas sensibler ist, weil es halt grössere Namen erwischt hat. Sobald es die bekannten Namen trifft, interessiert es die ganze Welt.» Schliesslich seien die Speed-Disziplinen im Skirennsport eine verdammt gefährliche Angelegenheit. Man dürfte nie vergessen, dass jeden Tag das Schlimmste passieren könne.
Russi erklärt, weshalb es immer mal wieder Phasen gibt, in denen die Topfahrer alles ausreizen: «Es gab eine Wellenbewegung, bei der Leute wie Alexander Kilde und im Sog von Kilde auch Odermatt angefangen haben, in den Speed-Disziplinen ans allergrösste Limit zu gehen. Das heisst in Bezug auf Linie, Tempo und Risikobereitschaft.» Das gehe so weit, bis es «klöpft». Erst danach komme wieder so etwas wie Vernunft, so Russi.
In diesem Jahr sei es aber auch Pech gewesen mit den Stürzen, vor allem bei Sarrazin: «Diesen Sturz kann er zehnmal machen und er steht unten auf und geht weiter. Es ist halt auch ein Riesenpech, dass man falsch zu Boden kommt.»
Auch Odermatt schon «nah an der Katastrophe»
Auf die Frage, was einem Fahrer wie Odermatt durch den Kopf geht, wenn er Stürze wie jenen von Sarrazin miterlebt, erklärt Russi: «Wenn er es richtig analysiert, weiss ein Odermatt, dass ihm das nicht passiert. Er würde diese Welle, diesen Gegenhang sehen und würde nicht vollen Druck geben.»
Russi erinnert sich, dass dies auch schon anders war: «Er hat es auch schon gemacht. Bei ihm ging es aber gut.» Russi blickt zurück: «Ich kann mich noch erinnern, vor drei Jahren in Kitzbühel in der Zielschuss-Traverse. Da hat er sich irgendwie noch in das Tor reingezwängt. Das war ganz nah an einer Katastrophe.»
Doch der Olympiasieger von 1972 hält fest: «Das hat er aber danach sicher angeschaut und hat das richtig analysiert. Das hat man auch dieses Jahr gespürt und das gehört eben auch zu einem ganz grossen Champion, dass er in gewissen Moment spürt, hier lohnt es sich nicht, alles zu riskieren, weil ich zu viel verlieren kann.»