Roberta Melesi überrascht beim Super-G in Crans-Montana und verpasst das Podest nur knapp. Doch die Italienerin darf nicht an den Olympischen Spielen in ihrer Heimat teilnehmen – SRF-Experte Marc Berthod hat dafür wenig Verständnis.
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- Die Italienerin Roberta Melesi fährt im Super-G von Crans-Montana überraschend auf Rang 4, wurde aber nicht für die Olympischen Winterspiele in Milano/Cortina nominiert.
- SRF-Experte Marc Berthod kritisiert die Entscheidung scharf, da stattdessen sehr junge Athletinnen ohne Weltcup-Punkte nominiert wurden.
- Die Nicht-Nomination sorgt in Italien für Diskussionen und wirft Fragen zur Fairness und Leistungsorientierung der Olympia-Selektion auf.
Beim überraschenden Sieg von Malorie Blanc in Crans-Montana sorgen auch andere Aussenseiterinnen für Aufsehen. So etwa Breezy Johnson, die mit Startnummer 29 noch auf Rang 3 fuhr. Die Amerikanerin stiess damit Roberta Melesi noch vom Podium. Die Italienerin hat mit ihrem am Ende vierten Rang dennoch das deutlich beste Resultat der Saison eingefahren.
Weil die Selektion für die Olympischen Spiele aber schon gemacht wurde, bringt Melesi der 4. Rang nichts mehr – sie wurde vom italienischen Verband nicht für die Spiele aufgeboten. Diese Tatsache sorgte beim SRF-Duo Marco Felder und Experte Marc Berthod schon während des Rennens für Unverständnis.
Felder erklärt im Live-TV: «Melesi wurde nicht für Olympia aufgeboten, weil ihr ganz junge Athletinnen vorgezogen wurden: Das gab schon ziemlich viele Diskussionen in Italien.»
Tatsächlich hat das italienische Olympia-Aufgebot für Aufsehen gesorgt, weil mit Giada d'Antonio (Jahrgang 2009) und Anna Trocker (2008) zwei Fahrerinnen aufgeboten wurden, die zwar als grosse Talente gelten, aber noch ohne Weltcup-Punkte sind.
Berthod hat eine klare Meinung dazu: «Das muss man sich mal vorstellen. Aus meiner Warte ist das nicht korrekt.» Berthod äussert zwar Verständnis, dass Italien im Speed-Bereich eine breitere Mannschaft habe als in den technischen Disziplinen, hält aber fest: «Du hast Athletinnen, die Top-15-Level haben, Weltcup-Punkte vorweisen und dann nominiert man irgendwelche Athletinnen nach – das finde ich speziell.»
Die Angst vor einem zweiten Fall Colturi
Felder versucht derweil Erklärungsansätze für die Entscheidung zu liefern: «Ja man will schauen, gerade im Fall von d'Antonio, dass nicht ein zweiter Fall Lara Colturi droht, dass nicht plötzlich ein Nationenwechsel erfolgt und man ein grosses Talent verliert.» Die heutige Weltklasse-Fahrerin Colturi war ebenfalls ein grosses italienischen Skitalent, fühlte sich zu wenig gefördert und wechselte als Konsequenz zum albanischen Verband.
Weil D'Antonio kolumbianisch-italienische Doppelbürgerin ist, erklärt Felder: «Sie könnte natürlich auch für Kolumbien fahren und man lässt da nichts unversucht, um dieses grosse Talent bei Laune zu halten. Es ist Politik, die da mitspielt.» Berthod entgegnet: «Aber das sind irgendwie die falschen Ansätze.»