Als Nachfolger von Sven Hotz erinnert sich Ancillo Canepa an mehr als nur sportliche Gespräche – gemeinsam mit seiner Frau Heliane spricht er in der Sendung «Heimspiel» auf blue Sport über die besondere Beziehung zum verstorbenen Ex-FCZ-Präsidenten.
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- Ancillo und Heliane Canepa erinnern sich im «Heimspiel»-Talk an den langjährigen FCZ-Präsidenten Sven Hotz, der kürzlich verstarb. Sie betonen die enge und freundschaftliche Beziehung zu ihm.
- Hotz prüfte Nachfolge-Kandidat Ancillo Canepa einst gründlich. Hotz beeindruckte Canepa durch sein Gedächtnis und sein chaotisch-ordentliches Büro.
- In einer humorvollen Anekdote schildert Heliane Canepa ihre erste Begegnung mit Hotz – inklusive einer Erklärung eines Spruchs aus einem Liedtext der Zürcher Südkurve, den «man einer Dame nicht erzählen kann.»
Sven Hotz verstarb Anfang Dezember. Er war 1986 zum Präsidenten des FCZ gewählt worden, 20 Jahre später trat er nach dem Meistertitel 2006 zurück. Sein Nachfolger: Ancillo Canepa.
Dieser erinnert sich in der Sendung «Heimspiel» an die erste Begegnung mit Hotz: «Es gab ein Interview in einer Tageszeitung, in dem Hotz sagte, er wolle eine Kapitalerhöhung machen. Er suche neue Aktionäre. Dann haben wir gesagt: ‹Machen wir da mit›. Ohne Hintergedanken. Ich schrieb ihm einen Brief. Ich hörte sicher zwei, drei Monate nichts mehr.»
Später habe ihm Hotz erzählt, warum Canepa nichts mehr hörte. «Hotz stellte eine Untersuchung an und sagte, ich habe keine Leichen im Keller. Plötzlich bekam ich ein Telefon und ich verabredete mich mit ihm im Büro. Sein Büro war sicher hundert Quadratmeter gross. Er hatte ein grosses Pult. Der Rest des Büros war einfach überdeckt mit Papier und Unterlagen, teilweise meterhohe Stapel. So etwas habe ich noch nie gesehen. Das Lustigste war, wenn ich sagte, wir suchen dies oder das. Innerhalb einer Minute hat er die Unterlagen sofort gefunden. Das war wirklich unglaublich», staunt Ancillo Canepa.
Hotz hatte für ihn auch eine spezielle Begrüssung auf Lager: «Wenn er mich sah, sagte er nicht: ‹Hallo, Cillo›. Er sagte immer: ‹Hallo, junger Mann.› Und ich war damals auch schon 53, 54 Jahre alt. Das hat mich immer irritiert. Jetzt, da ich nun auch im vorgeschrittenen Alter bin (72-jährig – Anm.d. Red) kann ich das nachvollziehen. Jemand, der 50 Jahre alt ist, ist für mich auch ein junger Mann.»
«Wir haben miteinander gelebt – darum ist es sehr traurig»
Lustigerweise hätten sie relativ wenig über Fussball gesprochen. Stattdessen habe ihm Hotz seine ganze Lebensgeschichte erzählt. «Es war beeindruckend, wie er noch die vielen Details wusste. Er hat mir wirklich nie die gleiche Geschichte zweimal erzählt. Er wusste immer genau, was er mir schon erzählt hat – unglaublich», betont Canepa und ergänzt: «Wir waren Freunde.»
Heliane wirft ein, dass man auch mit der Familie gut befreundet gewesen sei und auch immer bei den Geburtstagen mitgefeiert habe. «Wir haben miteinander gelebt. Darum ist es sehr traurig. Andererseits sagen alle, er sei erlöst worden. Aber er ist jetzt wirklich nicht mehr hier. Man ist trotzdem traurig», resümiert Heliane Canepa.
Auch sie hat noch ganz lebendige Erinnerung an das erste Treffen mit Hotz – bei einem FCZ-Spiel. «Die Südkurve hat angefangen, ‹Eure Mutter› zu singen. Nachher habe ich nichts mehr verstanden. Dann habe ich ihn gefragt, was sie da singen», so Heliane Canepa. «Das kann ich einer Dame nicht erzählen», habe ihr Hotz gesagt. «Ich fand das irre. Nachher habe ich es natürlich schon herausgebracht», meint die 77-Jährige lachend.