Der FC Basel suchte im Winter einen Stürmer – und ging leer aus. Sportchef Daniel Stucki spricht im Klub-Podcast über den geplatzten Deal mit Michael Gregoritsch, das Interesse an YB-Neuzugang Samuel Essende und warum der FCB seine Budgetstruktur «nicht brechen» wollte.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- FCB-Sportchef Daniel Stucki bezeichnet den Wintertransfermarkt als «dünn» und «schwierig» und betont, dass finanzielle Vorgaben mögliche Stürmertransfers – etwa von Michael Gregoritsch oder Samuel Essende – verhinderten.
- Basel verzichtete bewusst auf teure oder unpassende Verpflichtungen, setzt auf die vier vorhandenen Angreifer und will die Budgetstruktur aus Gründen der finanziellen Nachhaltigkeit nicht gefährden.
- Trotz sportlicher Baisse und schmerzhafter Abgänge hält Stucki an der Strategie fest, sieht Lernpotenzial aus Fehlern und zeigt sich überzeugt, die Saisonziele mit dem aktuellen Kader zu erreichen.
Im vereinseigenen Podcast «Achzädreyenünzig» sprach FCB-Sportchef Daniel Stucki über den Wintertransfermarkt. Dieser sei generell «dünn» und «schwierig».
«Alle Klubs, die einen guten Stürmer haben, wollen diesen nicht abgeben und wenn, dann nur zu horrenden Preisen», macht er klar und ergänzt, dass sie finanziell solche Deals nicht stemmen könnten. Mann habe im Sturm nur etwas machen wollen, wenn es «absolut passt».
«Mit Michael Gregoritsch hatten wir einen guten Kandidaten gefunden, der auch kurz vor der Unterschrift stand», sagt Stucki. Am letzten Tag sei aber Augsburg dazwischengekommen, so habe der Österreicher aus «monetären Gründen» abgesagt. «Gregoritsch wäre schon mit uns ins Trainingslager gekommen», gibt er zu.
Hunziker-Rückkehr im Winter war ein Thema
Natürlich hätten sie diverse andere Kandidaten auf ihrer Liste gehabt. Einerseits habe es da aus finanziellen Gründen nicht geklappt oder der Verein habe keinen Slot gehabt für eine Leihe. Aufgrund des FIFA-Regelwerks seien etwa Leihgeschäfte nicht ganz einfach.
Diverse Klubs wollten ihre Spieler platzieren, aber nur als fixe Transfers. Einer davon war Samuel Essende vom FC Augsburg. «Wir haben ihn natürlich auch auf dem Schirm gehabt», meint Stucki. Doch der Bundesligist habe nur einen Verkauf angestrebt. Am Ende wechselte der 28-jährige Kongolese zu YB.
Ausserdem plane man in der kommenden Spielzeit mit Andrin Hunziker. «Er spielt eine gute Saison und hat sich in Winterthur sehr gut entwickelt», lobt Stucki das FCB-Eigengewächs. Eine Rückkehr im Winter sei diskutiert worden, aber das habe am Ende nicht geklappt – auch weil der FCW seinen besten Torschützen nicht früher als geplant habe abgeben wollen.
Zudem wollte Basel im Hinblick auf den Sommer auch keine Panikeinkäufe tätigen, hält der 44-Jährige fest. «Wir haben vier gute Stürmer im Kader, vor allem die Jungen mit (Giacomo) Koloto und Kaio, die Druck machen und sich in den nächsten Monaten zeigen können.» Dazu kämen noch Albian (Ajeti) und Broschinski (Moritz).
Budgetstruktur an erster Stelle
Über allem stehe «die Budgetstruktur, die wir nicht brechen wollten», erläutert Stucki die Klubpolitik. Die Strategie des Verwaltungsrats unterstütze er vollends. «Finanziell müssen wir uns nachhaltig stabilisieren, wir sind mittendrin im Prozess.»
«Es ist nachhaltig für den Verein, wenn die Finanzen solid sind und der Klub in Basler Händen ist und bleibt.» Die Alternativen seien, Schulden zu machen oder einen Verkauf anzustreben, führt Stucki aus.
Das Ziel? Ein Polster aufbauen, wie es auch YB erfolgreich machte. Dabei lasse man sich bei der Strategie auch nicht von öffentlicher Kritik oder interner sportlicher Einschätzung abbringen. Der passende Stürmer zu unseren finanziellen Möglichkeiten, gepaart mit unserer Strategie, gab es nicht auf dem Markt, unterstreicht der Sportchef.
Den Vorwurf, finanzielle Interessen über sportlichen Erfolg zu stellen, könne er nachvollziehen, räumt Stucki ein. «Das ist auch für mich schwierig», gibt er zu. So habe er etwa nur ungern vor dem Cup-Viertelfinal Abwehrspieler Jonas Adjetey nach Wolfsburg ziehen lassen wollen.
«Das musst du aus finanziellen Gründen einfach machen», betont Stucki, auch wenn es für ihn persönlich oder Stephan Lichtsteiner «eine kleine Tragödie» gewesen sei. Auch der Abgang von Adrian Barisic hat geschmerzt, aber am Ende «geht es nur um das Beste für den Klub».
Abgänge
- Jonas Adjetey (Wolfsburg, 9,5 Millionen Euro)
- Philip Otele (Hamburger SV, Leihe, Leihgebühr: 1 Million Euro)
- Tim Spycher (Thun, Ablöse unbekannt)
- Noah Streit (Montréal, Ablöse unbekannt)
- Juan Carlos Gauto (Platense, Leihe)
- Adrian Leon Barisic (SC Braga, Leihe)
- Junior Zé (Midtjylland, Leihe)
- Emmanuel Essiam (FC Winterthur, Leihe)
- Jeremy Agbonifo (Leihabbruch)
Einige Transfers nicht gezündet
Nichtsdestotrotz habe man nach dem letztjährigen Double-Gewinn einige Fehler gemacht und ein paar Transfers hätten nicht so funktioniert, wie die Klubleitung sich das erhofft habe, so der frühere Polizeibeamte. «Wir wollten mit einer doch recht erfahrenen Mannschaft einen Schritt nach vorn machen», erläutert Stucki die Devise vor der Saison.
Strategiebedingt gebe es «viel Fluktuation» im Team, eine «gute Achse» sei jedoch sehr wichtig. Die Erwartungshaltung sei sehr hoch gewesen, diese könne man naturgemäss nicht immer erfüllen. Dennoch gebe es für den ganzen Klub und auch ihn persönlich «viele Learnings» aus der jüngeren Vergangenheit.
Mit den vier Angreifern könne man «die hohen Saisonziele» erreichen, ist sich Stucki sicher. Er zeigt sich vom Kader sowie vom neuen Cheftrainer Stephan Lichsteiner «absolut überzeugt». Die Qualitäten müsse man nun auf dem Platz sehen, fordert er.
Zugänge
- Becir Omeragic (Montpellier, 2,25 Millionen Euro)
- Julien Duranville (Dortmund, Leihe, Leihgebühr: 250'000 Euro)
- Giacomo Koloto (FC Basel U21)
Die Gründe für die Baisse beim FCB seien vielfältig: Mangelndes Selbstvertrauen oder fehlende Zeit für taktische Anpassungen nach dem Trainerwechsel. Mit interner «Positivität» und «harter Arbeit» könne die Trendwende eingeläutet werden.
Ein erster Schritt aus der sportlichen Krise wäre ein Sieg. Der FC Basel spielt am Sonntag (live ab 16.30 Uhr auf blue Sport) auswärts gegen Luzern.
So 22.02. 15:55 - 19:30 ∙ blue Sport Live ∙ UHD HDR FC Luzern - FC Basel 1893
Event ist beendet