Letztes Spiel für Ludovic Magnin? Der FC Basel hat viel mehr als ein Trainerproblem

Michael Wegmann

25.1.2026

Kann kaum zusehen: FCB-Trainer Ludovic Magnin beim sackschwachen Auftritt in Salzburg. 
Kann kaum zusehen: FCB-Trainer Ludovic Magnin beim sackschwachen Auftritt in Salzburg. 
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Der Klassiker am Sonntag gegen den FCZ soll für FCB-Trainer Ludovic Magnin zum Entlassiker werden, heisst es. Doch der FCB hat viel mehr als ein Trainerproblem. 5 Gründe für den Tiefflug. Ein Kommentar.

Michael Wegmann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Start ins 2026 ist dem FC Basel missglückt. Remis zuhause gegen Sion, Peinlich-Pleite gegen Salzburg. 
  • Alles deutet daraufhin, dass Ludovic Magnin am Sonntag ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub FCZ einen Sieg braucht, sonst droht die Entlassung. 
  • Alleine Magnin für die enttäuschenden Auftritte verantwortlich zu machen, wäre viel zu einfach, findet Michi Wegmann, Leiter Sport blue News, und nennt fünf Gründe für den FCB-Tiefflug.

Erst das 1:1 gegen Sion, dann der sackschwache Auftritt in der Europa League in Salzburg, wo man von den Österreichern so was von vorgeführt wurde. Der Start ins 2026 ist dem FCB missglückt und Trainer Ludovic Magnin angezählt. Auch von FCB-Sportchef Daniel Stucki, der nach der (Nicht-)Leistung nicht mit Kritik zurückhält.

Der Klassiker am Sonntag beim FC Zürich dürfte nun wegweisend sein für Magnins Zukunft. Ein Sieg Pflicht. «Das FCZ-Spiel wird für Magnin zum Entlassiker», titelt der «Blick».

Sogar FCZ-Trainer Dennis Hediger wird auf die Situation von Magnin angesprochen. Wie sein Verhältnis zu ihm sei und ob er sich bewusst sei, dass er zum Jobkiller werden könnte, wird er gefragt. Hediger bleibt diplomatisch, sagt, dass er es gut mit Ludo habe und er einen anderen Fokus bei der Vorbereitung auf den Klassiker habe. Ganz allgemein seien Entlassungen aber nun mal «Part of the Game» im Trainergeschäft, so Hediger.

Das weiss auch Magnin, dafür ist er lange genug im Business. Nach der Salzburg-Pleite sagt er zu blue Sport: «Wir müssen uns hinterfragen, ich mich selbst auch. Ich halte nichts von Durchhalteparolen, die Entwicklung geht in die falsche Richtung. Wir sind in einer schwierigen Situation, wir sind auf der Rasierklinge – und es kann auf beide Seiten kippen.»

Erfrischend ehrlich, wie immer. Sogar dann, wenn FCZ gegen FCB zu seinem persönlichen Tanz auf der Rasierklinge werden dürfte. Dabei wäre es viel viel zu einfach, Magnin die alleinige Schuld für die FCB-Misere in die Schuhe zu schieben.

Es gibt andere Gründe, weshalb der Doublesieger der letzten Saison nicht auf Touren kommt. blue Sport nennt deren 5.

(Zu) hohe Ansprüche

Letzte Saison holte der FC Basel nach langer titelloser Durststrecke gleich das Double. Und mit den beiden Trophäen kehren sofort auch die hohen Erwartungen ans Rheinknie zurück. Viele im Klub und seiner Anhänger glauben, dass auf einen Schlag die erfolgreichen Zehnerjahre zurück sind. Doch wer die rot-blaue Brille weglegt und einen objektiven Blick aufs FCB-Kader wirft, der sieht: Der FCB ist längst nicht so gut besetzt, wie damals, als er die Liga dominierte. Und derzeit auch nicht besser besetzt, als die Konkurrenz. Zumindest nicht als der FC Lugano oder YB.

Personalie Shaqiri

Als Shaq letzte Saison zu seinem FCB zurückkehrte, brannte er wie eine Fackel. 39 (!) Skorerpunkte in 34 Ligapartien. Meistermacher, Superstar. In dieser Saison ist er noch immer Schlüsselspieler und bester Skorer des Teams, verschoss aber nicht nur 3 (!) Penaltys in Serie, sondern liess auch schon einige hochkarätige Chancen aus – wie zuletzt gegen Sion. Der FCB ist von seiner Klasse abhängig. Doch gehts so weiter, birgt die Personalie Shaqiri eine weitere Gefahr. Denn rennt ein Ausnahmekönner weniger als seine Mitspieler und arbeitet weniger gern nach hinten, wird dies für gewöhnlich nur solange toleriert, wie er Spiele entscheidet. Tut er dies aber nicht, macht er sich mit dieser Spielweise angreifbar. Ein ganz normaler Mechanismus in einer Fussball-Kabine. 

Immer noch kein Mittelstürmer

Albian Ajeti (3) und Moritz Broschinski (1) haben in den bisher 20 Ligaspielen zusammen gerade mal 4 Tore erzielt. Viel zu wenig. Das haben die FCB-Verantwortlichen erkannt und längst schon einen Zuzug angekündigt. Doch passiert ist bis heute noch nichts. Anfang Januar ist man mit Michael Gregoritsch kurz vor Vertragsabschluss gestanden, doch der österreichische Nationalstürmer wurde den Baslern noch von Augsburg weggeschnappt. Das Knipser-Problem ist noch immer nicht behoben.

Metinhos Verletzung

Doch der FCB hat derzeit nicht nur ein Problem im Sturmzentrum, sondern auch ein paar Meter dahinter. Basels Mittelfeldpuncher Metinho, der sich im Trainingslager am Knie verletzte, fehlt an allen Ecken und Enden – und dies voraussichtlich noch bis Ende Februar. Und weil Leon Avdullahu – einer der Überflieger der letztjährigen Meistermannschaft – im Sommer in die Bundesliga weitergezogen und nicht adäquat ersetzt worden ist, sind im Zentrum nun der erst 18-jährige Andrej Bacanin und Léo Leroy gesetzt.

Dreifachbelastung

Noch immer ist der FCB als einziges Team der Schweiz in allen drei Wettbewerben vertreten. Meisterschaft, Cup, Europa League. Für die grosse Mehrheit der Spieler eine neue Situation. Spagat und Dreifachbelastung sind zumindest gewöhnungsbedürftig.

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