Rückblick Die spannendsten Meisterrennen der letzten Jahre in der Super League

lemi, sda

1.3.2025 - 15:00

Ermedin Demirovic jubelt mit Trainer Peter Zeidler: St. Gallen war 2019/20 das Überraschungsteam der Super League.
Ermedin Demirovic jubelt mit Trainer Peter Zeidler: St. Gallen war 2019/20 das Überraschungsteam der Super League.
Bild: Keystone

Die ersten acht Teams innerhalb von sechs Punkten: Die Ausgeglichenheit in der höchsten Schweizer Liga ist beispiellos. Das zeigt auch ein Blick auf die letzten Meisterrennen.

Keystone-SDA, lemi, sda

«Das Meisterrennen ist neu lanciert», titelte die Nachrichtenagentur Keystone-SDA nach der 25. Runde der letzten Saison. Soeben hatte Servette die Young Boys auswärts 1:0 besiegt und war bis auf vier Punkte an die Berner herangerückt. Spannung kam in der Folge trotzdem kaum auf. Zu instabil präsentierten sich die Genfer, die am Ende noch von Lugano überholt wurden, während sich YB den Titel ohne zu überzeugen locker sicherte.

Ein Jahr später verspricht die Ausgangslage deutlich mehr Spannung. Kein Team kann sich an der Spitze absetzen, was sich auch in der Punkteausbeute widerspiegelt. 42 Punkte für den Leader respektive das Führungsquartett nach 25 Runden sind der mit Abstand tiefste Wert seit Einführung der Super League im Jahr 2003. Davor waren 48 Punkte (2005, 2014, 2020) die schwächste Ausbeute. Am anderen Ende der Skala stehen 66 Punkte (2017, 2019) als Bestwert.

Das Wort «Meisterrennen» konnte seit 2003 sowieso nur selten verwendet werden. Allein in den letzten zehn Jahren lag der Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten nach 25 Runden sieben Mal zwischen 15 und 21 Punkten. Damit war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, wer Meister werden würde. Ansonsten waren es meist nur zwei Teams, die sich einen Zweikampf an der Spitze lieferten.

Saison 2019/20: Junge St. Galler überraschen

Vor fünf Jahren heisst der Tabellenführer nach 25 Runden für einmal nicht YB, Basel oder Zürich, sondern St. Gallen. Trainer Peter Zeidler und seine jungen Wilden mischen die Liga auf. Mittelfeldspieler Lukas Görtler, auf diese Saison hin zu den Ostschweizern gestossen, gehört mit seinen 25 Jahren zu den älteren Spielern, die regelmässig in der Startaufstellung stehen. Vorne wirbeln Cedric Itten (19 Tore) und Ermedin Demirovic (14), hinten verteidigen Silvan Hefti, Leonidas Stergiou und Miro Muheim. Keiner der fünf Spieler ist zu Saisonbeginn älter als 22 Jahre.

Für den Coup reicht es jedoch nicht. Nach Niederlagen in den Runden 32 und 33 müssen die Ostschweizer die Young Boys ziehen lassen. Die Berner geben sich im Schlussspurt keine Blösse, haben am Ende acht Punkte Vorsprung und feiern ihren dritten Titel in Folge.

Saison 2012/13: Starkes GC unter Forte

Der damalige Serienmeister aus Basel mit Spielern wie Yann Sommer, Fabian Schär, Valentin Stocker, Mohamed Salah, Marco Streller und Alex Frei im Kader sowie Murat Yakin als Trainer wird in der Saison 2012/13 bis zum Schluss gefordert. Die Herausforderer kommen aus Zürich und werden vom damaligen Trainer-Emporkömmling Uli Forte angeführt. Nach 25 Runden liegen die Grasshoppers nur drei Punkte hinter dem als übermächtig geltenden Gegner vom Rheinknie.

Bis zum Ende der Saison bewegen sich die beiden Teams praktisch im Gleichschritt, doch dank des klar besseren Torverhältnisses muss der FCB in der letzten Runde trotz nur drei Punkten Vorsprung nicht mehr zittern. GC hingegen gewinnt den Cupfinal gegen Basel im Penaltyschiessen und holt den einzigen Titel seit 2003. Zu den gefeierten Leistungsträgern gehören Goalie Roman Bürki, Stéphane Grichting, Veroljub Salatic, Steven Zuber, Shkelzen Gashi und Izet Hajrovic.

Saisons 2010/11, 06/07 und 05/06: Die Basel-FCZ-Entscheidungen

Nach 25 Runden der Saison 2010/11 hat der FC Basel einen scheinbar komfortablen Vorsprung von sieben Punkten auf den FC Zürich. Doch der von Urs Fischer trainierte FCZ startet in der Folge eine Aufholjagd, überholt die Basler am 31. Spieltag und behauptet die Tabellenführung zwei Runden später dank eines 2:2 im Direktduell. Ausgerechnet im nächsten Spiel gegen den Stadtrivalen GC stolpern die Zürcher, bei denen Admir Mehmedi und Alexandre Alphonse in dieser Saison je zehn Tore erzielen. Am Ende bleiben sie einen Punkt hinter dem FCB.

Die knappen Entscheidungen von 2007 und 2006 enden aus Zürcher Sicht erfreulicher. 2007 lässt der FCZ in der letzten Runde gegen die Grasshoppers nichts anbrennen, hält mit dem 2:0-Sieg den Vorsprung von einem Punkt auf Basel und feiert den zweiten Meistertitel in Folge.

Der Titelgewinn im Vorjahr bleibt wegen des Platzsturms im St.-Jakob-Park als «Schande von Basel» in Erinnerung. Mit seinem Tor zum 2:1 in der 93. Minute sorgt Iulian Filipescu nicht nur dafür, dass Basel nach 59 ungeschlagenen Spielen erstmals wieder im eigenen Stadion verliert, sondern vor allem dafür, dass Zürich dank des besseren Torverhältnisses den ersten Meistertitel seit 1981 gewinnt.

Saisons 2009/10 und 07/08: Die YB-Basel-Finalissima

Bessere Erfahrungen macht Basel in der Finalissima mit YB. Die Saison 2009/10 bleibt besonders in Erinnerung, weil der FCB nach einem völlig verkorksten Saisonstart nach acht Runden bereits 13 Punkte Rückstand auf die Berner hat. Nach 25 Runden sind es nur noch vier Zähler, in das direkte Duell der letzten Runde gehen die Teams punktgleich. YB scheint dank des Heimspiels im Vorteil, doch Basel gewinnt dank Toren von Valentin Stocker und Scott Chipperfield 2:0 und holt sich den Titel. YB, das seit dem 3. Spieltag insgesamt 31 Runden die Tabelle angeführt hat, geht leer aus. Das Wort «Veryoungboysen» ist in aller Munde.

Denn schon zwei Jahre zuvor verlieren die Berner das direkte Duell in der Schlussrunde. Auch 2008 trifft Stocker und sorgt zusammen mit Marco Streller für den 2:0-Heimsieg der Basler. YB muss bis 2018 auf den Meistertitel warten, holt diesen dann aber in sechs von sieben Saisons und in der Regel mit grossem Abstand auf den ersten Verfolger.

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