War die Winterpause zu kurz für Weihnachtsspeck? Trainer Ludovic Magnin spricht über Bussen für Übergewicht beim FC Basel, verrät sein Kampfgewicht als Spieler und Trainer und erinnert sich an Ailton. «Nach den Ferien war er nicht mehr der Kugelblitz, sondern nur noch die Kugel.»
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Beim FC Basel gibt es Geldstrafen für Übergewicht nach der Winterpause, doch diesmal kehrte kein Spieler mit Übergewicht zurück – wohl auch wegen der kurzen Pause.
- Jeder Spieler hat ein individuelles Kampfgewicht, das für Leistung und Fitness entscheidend ist. Trainer Ludovic Magnin betont im Gespräch mit blue Sport die Bedeutung von Gewichtskontrolle im modernen Fussball.
- Magnin erinnert sich auch an Ex-Teamkollege Ailton, der oft verspätet und deutlich übergewichtig aus dem Urlaub zurückkehrte.
Ludovic Magnin, gibt's beim FCB einen Strafenkatalog für Übergewicht nach der Weihnachtspause?
Ludovic Magnin: Es gibt Strafen für Übergewicht. Je nach Übergewicht können wir die Höhe der Geldstrafe bestimmen.
Wie viele Spieler mussten nach den Weihnachtsferien zahlen?
Niemand. Keiner ist mit Übergewicht zurückgekehrt. Aber die Pause war auch viel kürzer als sonst. Bei so einer kurzen Pause müsste man es trotz Weihnachten und Neujahr ernsthaft übertreiben, um mit Übergewicht zurückzukommen.
Jeder Spieler hat sein Idealgewicht …
... ja, wir haben von jedem Spieler das ideale Kampfgewicht. Mein Kampfgewicht als Bundesliga-Spieler lag zum Beispiel bei 79 Kilo, am Ende meiner Karriere beim FC Zürich dann bei 82 Kilo. Diese drei Kilo merkst du in der Intensität, bei den Läufen, im Maximalspeed. Von dem her ist das Gewicht schon sehr wichtig. Vor ein paar Jahren hat man Pep Guardiola noch belächelt, weil er so knallhart war, wenn es ums Gewicht der Spieler ging. Nun weiss jeder, warum ihm das so wichtig war.
Wo liegt Ihr Kampfgewicht jetzt als Trainer?
Das willst du nicht wissen! (lacht) Momentan habe ich Angst, auf die Waage zu stehen.
Dann wissen Sie es selbst nicht?
Es ist in einem Bereich, in welchen ich nie kommen wollte. Das ist halt so. Ich habe den Ehrgeiz momentan verloren. Ich muss mehr auf Ernährung schauen und mehr Sport machen. Ich mag Essen und die paar Stunden Padel, die ich pro Woche spiele, kompensieren nicht, was ich esse. Das ist das Problem.
Die Spieler dürften nach zwei Wochen Pause noch auf demselben Fitness-Level eingerückt sein, das sie zuvor hatten?
Ja. Man sagt grundsätzlich, dass du die ersten zwei Wochen in den Ferien nicht viel verlierst und ab der dritten Woche, wenn du nichts machst, beginnt es langsam runterzugehen. Wir hatten eine intensive Zeit gehabt mit 30 Spielen vor Weihnachten. Deswegen haben wir entschieden, dass die mentale Frische sehr wichtig ist und dass wir so wenige obligatorische Einheiten wie möglich über Weihnachten und Neujahr machen. Die erste Woche haben wir deshalb den Spielern komplett freigegeben und dann haben sie während der restlichen Tage drei Einheiten machen müssen – wann, das konnten sie selber wählen. Unser Konditionstrainer war im Kontakt mit ihnen. Hätte er gemerkt, dass ein Spieler gar nichts macht, hätte er ihn angerufen und daran erinnert.
Kein Basler ist mit Übergewicht eingerückt. Sie kennen aus Ihrer Aktivkarriere wohl andere Beispiele. Immerhin spielten Sie bei Werder Bremen auch mit Ailton zusammen. Wie viel musste er jeweils zahlen?
(Lacht) An Ailton musste ich auch sofort denken. Aber erstmal musst du wissen, dass Ailton beim Trainingsstart eigentlich gar nie da gewesen ist. Er hat immer eine Woche oder zwei länger Ferien gemacht. Da hatte er jeweils noch zwei Wochen länger Zeit zum Essen. Als er dann wieder ins Training eingestiegen ist, war er nicht mehr der Kugelblitz, sondern einfach nur noch die Kugel. Irgendwann ist er dann wieder der Kugelblitz geworden. Jeder wusste, dass er lieber eine grosse Strafe bezahlt, weil er in Brasilien glücklich sein wollte. Am Ende haben Spieler, Trainer, Staff und Sportchef von ihm zum Trainingsstart gar nichts erwartet. Wir wussten, er kommt irgendwann im Laufe der Vorbereitung.
Tore hat Ailton dennoch erzielt.
Ich glaube in der Meistersaison waren es 28 Treffer. Und apropos Ernährung: Man muss wissen, dass damals in Bremen auf den Tischen auch Cola oder Fanta gestanden hat. Und natürlich hat Ailton kaum Wasser getrunken. Sagen wir es so: Seine Ernährung war damals sicher nicht zu seinem Vorteil. Aber natürlich war der Fussball noch nicht so intensiv wie heute.