YB-Boss Spycher hält dagegen Frei: «Die aktuelle YB-Mannschaft ist die schlechteste in den letzten Jahren»

Syl Battistuzzi

22.11.2025

Alex Frei: «Als YB wäre ich nach St. Gallen gefahren und hätte Görtler in den Koffer gepackt»

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20.11.2025

Alex Frei sieht bei YB eine sportliche Krise heraufziehen und vermisst auf dem Platz echte Leader-Figuren. YB-Mitbesitzer Christoph Spycher widerspricht – und erklärt im Heimspiel, warum der Spagat zwischen sportlichem Erfolg und Transfergeschäft zur Gratwanderung wird.

Syl Battistuzzi

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  • Alex Frei kritisiert im Fussball-Talk Heimspiel die aktuelle YB-Mannschaft als die schwächste der letzten Jahre und bemängelt das Fehlen von Führungsspielern.
  • YB-Sportchef Christoph Spycher widerspricht und betont, dass finanzielle Zwänge sowie der Umbruch mit jüngeren Spielern den Aufbau erschweren.
  • Spycher räumt ein, dass zeitweise zu wenig erfahrene Spieler im Kader waren, betont aber gezielte Transfers zur Stabilisierung des Teams.

Die Ausgangslage bei YB sei relativ einfach zu erklären, meint Alex Frei im Fussball-Talk Heimspiel: «Wenn du jahrelang erfolgreich warst und immer eine gute Mannschaft hattest, dann ist die Schwierigkeit, die Qualität auf gleichem Niveau halten zu können.»

Das sei zuletzt nicht gelungen, findet der Nati-Rekordtorschütze. «Die YB-Mannschaft ist die schlechteste in den letzten Jahren», meint Frei und führt aus: «Ein (Chris) Bedia – der die Torschützenliste mit (Alessandro) Vogt anführt – ist für mich nicht ein Nsame. Dann gibt es noch andere Beispiele. Man hat (Filip) Ugrinic verloren. Ich sehe — Stand heute – keinen Ugrinic.» Eine qualitativ gute Truppe zusammenzustellen sei eine Herausforderung, das wisse auch Christoph Spycher. 

Spycher, der bei den Young Boys Mitbesitzer und Verantwortlicher im Sport ist, will nichts davon wissen, die schlechteste Mannschaft seit dem Meisterjahr 2018 zu haben: «Natürlich glauben wir an die Qualität des Kaders.»

Billigere Spieler können am Anfang nicht gleich gut sein

Einerseits sei durch die sehr erfolgreiche Zeit in der jüngeren Vergangenheit eine viel höhere Drucksituation für den Verein und die Spieler entstanden, nur der Titel sei dann gut genug. «Das muss man sich erarbeiten. In dieser Situation sind wir auch mit dieser Erwartungshaltung von aussen konfrontiert. Die Spieler, die heute hier sind, spüren den Druck. Der Druck ist nicht so gross wie in einer Top-5 -Liga, aber der Druck ist grösser als 2016 oder 2017», findet Spycher.

Andererseits versuche man, das Unmögliche möglich zu machen. «Wir versuchen, Spieler für 10 bis 15 Millionen zu verkaufen, auf der anderen Seite kaufen wir Spieler für 1, 2, 3 Millionen ein – in der Hoffnung, dass er wieder den Platz einnehmen kann. Aber dass er nicht gleich gut sein kann, ist ja klar», hält Spycher fest.

YB-Boss Christoph Spycher.
YB-Boss Christoph Spycher.
KEYSTONE

Meistens habe ein solcher Spieler das Potenzial, um sich zu entwickeln, aber das sei mit Arbeit verbunden. «Wenn man sagen könnte, man kann Fabian Rieder für 15 Mio. verkaufen und einen Spieler für 3 Mio. holen, der ihn 1-zu 1 ersetzt, dann müsste man sagen, alle anderen Vereine machen alles falsch», so Spycher und ergänzt: «Stade Rennes hätte ja dann den Spieler holen können, den wir als Rieder-Nachfolger geholt haben.»

Spycher: «Hatten zu wenig arrivierte Spieler mit Qualität»

Für Frei mangelt es in Bern auf dem Platz an Führungsspielern, damit die anderen nebenan schneller wachsen können: «Als YB hätte ich den Koffer ins Auto gepackt und wäre nach St. Gallen gefahren und hätte Görtler geholt. Das ist noch eine der wenigen Figuren in der Schweiz, die zumindest eine Leaderrolle einnehmen kann.» blue Sport Chefredaktor Andreas Böni fragt «Wuschu», ob er beim FCSG-Captain angeklopft hat. «Nein, Lukas Görtler war kein Thema bei uns», meint Spycher.

Spycher erinnert, dass in der erfolgreichen FCB-Zeit der Klub stark von Spielern wie Alex Frei, Beni Huggel oder Marco Streller gelebt habe: «Als ich die Mannschaft als Sportchef übernommen habe, war das bei uns ein Stück weit am Anfang auch der Fall – Steve von Bergen, Guillaume Hoarau, Seékou Sanogo, das war die Achse. Aber es kommt eine neue Generation von Spielern. Es gibt nicht mehr viele Granit Xhakas in den Mannschaften. Die Hierarchien werden viel flacher.»

Sypcher gibt aber zu, dass YB «eine gewisse Zeit lang zu wenig arrivierte Spieler mit Qualität» hatte. Insbesondere auf diese Saison habe man aber probiert, dies zu korrigieren: «Mit Edimilson Fernandes, (Armin) Gigovic, der jetzt nicht extrem alt ist, aber in der Bundesliga spielte und Qualität hat, mit Gregi Wüthrich.» Die Transfers seien gezielt getätigt worden, um ein stabiles Fundament zu bauen und die Achsen zu stärken.

Gleichzeitig weist Sypcher auf die unternehmerische Seite hin, dass jeder Schweizer Verein auch Spieler im Kader benötige, damit man mit Transfer Geld verdienen könne. «Am Schluss gibt es national immer weniger Geld, während es international immer mehr Geld gibt. Als Schweizer Spitzenklub musst du versuchen, diesen Spagat zu machen und dabei erfolgreich zu sein», resümiert Spycher.



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