YB-Trainer Gerardo Seoane gewährt im Fussball-Talk «Heimspiel» persönliche Einblicke: Der 47-Jährige spricht über den Spagat zwischen Karriere und Familie – und warum dieser oft zulasten seiner Liebsten geht.
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- YB-Trainer Gerardo Seoane betont im Fussball-Talk Heimspiel, dass der Trainerberuf viel Zeit und mentale Energie fordert, wodurch die Familie oft zu kurz komme.
- Trotz hoher Belastung versucht er, zumindest im Alltag präsent zu sein, etwa beim gemeinsamen Nachtessen, auch wenn er gedanklich häufig beim Job bleibt.
- Als Vater und Trainer verfolgt er ähnliche Prinzipien: eine Mischung aus Strenge, klaren Werten sowie Nähe und Unterstützung.
Nach seiner Spielerkarriere wechselt Gerardo Seoane die Seiten und steigt 2013 ins Trainer-Business ein. Zuerst verdient er sich seine Sporen beim FC Luzern im Nachwuchs ab, ehe er 2018 das Amt bei der Fanionmannschaft übernimmt. Ein halbes Jahr beim FCL genügt den YB-Verantwortlichen, um ihn abzuwerben.
Auch in Bern hat er umgehend Erfolg. Nach drei erfolgreichen Jahren wagt er den Sprung ins Ausland. In der Bundesliga trainiert Seoane Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach, ehe er im Sommer zu den Young Boys zurückkehrt.
Wie er den Spagat zwischen seinem anspruchsvollen Job und der Familie schafft? «Die kommt sicher zu kurz, das ist ganz klar in unserem Beruf», meint der 47-Jährige im Fussball-Talk Heimspiel und ergänzt: «Vor allem, wenn du auch noch einen Wohnsitzwechsel hast.»
«Es gibt auch Momente, in denen du bei der Familie bist, aber mental nicht immer anwesend bist. Ein Trainer hat viele Gedanken im Kopf. ‹Wie soll ich am Wochenende entscheiden?›», erläutert der gebürtige Luzerner als Beispiel.
Aber er versuche, rechtzeitig für das Nachtessen mit der Familie Zeit freizuschaufeln, auch wenn er nicht immer den Kopf dafür habe, hält er fest. «Es ist wichtig für die Erziehung der Kinder, dass ein Vater da ist. Auch für die Partnerinnen in der Beziehung», findet er.
«Ich kann sehr streng sein, wenn etwas ist»
Der Luzerner hat insgesamt vier Kinder: zwei mit Partnerin Chantal, zwei weitere Kinder aus erster Ehe. «Die zwei Älteren sind schon ein bisschen anders unterwegs. Die muss ich versuchen, mit dem Lasso einzufangen, dass ich sie überhaupt einmal sehe», schmunzelt Seoane und meint, so sei halt der Lauf der Dinge.
Ob er ein strenger Vater sei? «Ich glaube, so wie mit den Spielern. Ich kann sehr streng sein, wenn etwas ist», sagt Seoane. Es gebe einfach gewisse Sachen, Wertvorstellungen, die ihn auf die Palme bringen. «Wenn ein Spieler etwas nicht macht, was er eigentlich macht, und das Gefühl hat, sich etwas gehen zu lassen, dann kann ich schon intensiver sein», betont er.
«Aber als Trainer musst du mit allem spielen. Die Kinder brauchen Nähe und Liebe. Deine Vaterrolle ist aber auch, gewisse Dinge zu einem gegebenen Zeitpunkt aufzuzeigen», führt er aus. Das gleiche Prinzip gelte auch für die Spieler. «Nicht jede Ansprache oder jede Pausenpredigt macht dir als Trainer Spass, aber es ist manchmal notwendig, zum Wohle der Gruppe», sagt Seoane