Renato Steffen trifft beim 3:0-Sieg von Lugano gegen YB erstmals seit über einem Jahr – und spricht danach offen über ein belastendes Jahr voller Zweifel, Verletzungen und Nati-Frust.
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- Renato Steffen erzielt beim 3:0-Sieg von Lugano gegen die Young Boys sein erstes Super-League-Tor seit über einem Jahr.
- Der 34-Jährige spricht nach dem Spiel offen über ein schwieriges Jahr 2025, geprägt von Verletzungen und mentaler Belastung durch sein Aus bei der Nationalmannschaft.
- Trotz Rückschlägen sieht Steffen das späte Erfolgserlebnis als hoffnungsvolles Zeichen für das kommende Jahr 2026.
Renato Steffen trifft bei Lugano 3:0-Sieg gegen die Young Boys in der 16. Minute zum 2:0. Es ist ein spezielles Tor für den 34-Jährigen. Denn es ist sein erster Treffer in der Super League seit über einem Jahr. Zuletzt traf Steffen am 7. Dezember 2024 bei einem 4:1-Sieg gegen Luzern.
Im Interview bei blue Sport nach der Partie sagt er: «Ich habe es erst mitbekommen, als ich es gelesen habe, man nimmt das gar nicht so fest wahr. Aber klar, als Offensivspieler tut es einem natürlich gut, wenn man Tore schiesst.»
Der Flügelspieler erklärt weiter, dass das Jahr 2025 für ihn kein gutes gewesen sei. «Ich war oft geplagt von Verletzungen und auch von Unzufriedenheit von meiner Seite. Wer mich kennt, der weiss, dass ich nur gut Fussballspielen kann, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin.»
Steffen verletzte sich im September 2025 schwer und war sogar in kritischem Zustand. Nach einem Zusammenprall mit Lausanne-Goalie Karlo Letica erlitt Renato Steffen ein Lungentrauma mit Pneumothorax und lag zwei Tage auf der Intensivstation.
Neben den Verletzungen sei er auch im Kopf nicht frei gewesen, darum sei es lustig, dass er das Jahr 2025 dennoch mit einem Tor abschliessen konnte: «Ich nehme das als gutes Omen für das Jahr 2026.»
Die Negativ-Spirale im Jahr 2025
Steffen erklärt dann, was ihn in diesem Jahr konkret so belastet hat: «Es hat angefangen mit der Nati, dass man irgendwann spürt, dass man nicht mehr dabei ist. Wo man vielleicht auch erwartet, dass jemand anruft und dir sagt: ‹Junge, du bist nicht mehr dabei.›»
Es sei für ihn schwierig zu verarbeiten gewesen, weil die Nati für ihn immer ein Highlight gewesen sei und ihn immer stolz gemacht habe: «Für mich war es auch immer der Aufhänger, warum ich diese Leistungen zeige bei Lugano. Dann fällt das plötzlich weg, dann fällt man ein wenig in ein Loch, beginnt zu zweifeln.»
Danach sei es schwer, so unbeschwert aufzuspielen, wie man sich das vielleicht vorstelle, erklärt der 41-fache Schweizer Nationalspieler: «Dann zwickt der Körper plötzlich und man beginnt zu überlegen. Dann kommen die ersten Verletzungen. Das war die Spirale, in der ich mich im 2025 befunden habe.»
Im Studio bei blue Sport sagt Experte Timm Klose, selbst 17-facher Natispieler: «Ich kann das nachvollziehen. Wenn du auf einmal merkst, die Konkurrenz ist nicht am Schlafen und überholt dich. Dann kriegst du das Aufgebot nicht mehr – und das tut am Anfang schon weh.»
Steffen will aber etwas Positives aus der ganzen Sache mitnehmen und hält fest: «Es war nicht einfach, aber ich habe vielleicht auch wieder dazugelernt für mein Leben, um besser damit umgehen zu können. Auch bei harten Entscheidungen, die ich einfach akzeptieren musste.»