Abgänge als Befreiung FCZ-Coach Hediger: «Jetzt kommt jeder wieder lieber auf den Trainingscampus»

Syl Battistuzzi

18.1.2026

Dennis Hediger will mit dem FCZ wieder positive Nachrichten schreiben. 
Dennis Hediger will mit dem FCZ wieder positive Nachrichten schreiben. 
KEYSTONE

FCZ-Coach Dennis Hediger erläutert, warum die jüngsten personellen Abgänge positiv sind, wie es um sein Verhältnis mit Ex-Sportchef Milos Malenovic steht und was er von den Personalien Mirlind Kryeziu und Ricardo Rodriguez hält.

Syl Battistuzzi

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  • FCZ-Trainer Dennis Hediger sieht die jüngsten Abgänge wie die von Steven Zuber und Mariano Gómez als Chance für den Klub.
  • Ohne abwanderungswillige Spieler im Kader werde die Entwicklung der verbleibenden Spieler gefördert. Hediger betont, intern wolle man weniger «Störfaktoren» haben. 
  • Der 39-Jährige spricht auch über seine Beziehung zu Ex-Sportchef Milos Malenovic. 

Der FC Zürich hat kurz vor Weihnachten das Kapitel Milos Malenovic geschlossen. Nach dem Jahreswechsel wollte sich Führungsspieler Steven Zuber nach eigenen Angaben «anderweitig orientieren». Der abrupte Abgang des 34-jährigen Ex-Nati-Stars, der zufälligerweise vom geschassten FCZ-Sportchef beraten wird, passte dabei ins Bild, welches der Verein in der jüngeren Vergangenheit abgab. 

«Steven hat einen Prozess durchgemacht, in dem für ihn klar war, dass er etwas anderes möchte», meint Trainer Dennis Hediger an der Pressekonferenz vor dem Spiel am Sonntag gegen Servette (um 14 Uhr live auf blue Sport). Als er die Information bekommen hatte, verzichtete Hediger darauf, ihn umzustimmen. «Steven ist sehr intelligent, reflektiert und hat in seiner Karriere viel gesehen. Wenn er zum Schluss kommt und sich so äussert, dass er etwas anderes machen möchte, weil er sich nicht mit der aktuellen Situation identifizieren kann, unterstütze ich das», hält Hediger fest und ergänzt: «Zuber hat trotzdem viel Positives hinterlassen.»



Dem FCZ die Treue halten will dafür Hediger. Der 39-Jährige übernahm im Oktober letzten Jahres ad interim die Verantwortung für die 1. Mannschaft, nachdem Mitchell van der Gaag bereits nach wenigen Wochen als Chefcoach beurlaubt wurde. Am gleichen Tag, als Malenovic gehen musste, wurde Hediger vom Interims- zum Cheftrainer befördert. Sein Vertrag läuft bis Sommer 2027.

Abstand zu Malenovic genommen

Seinem ehemaligen Mentor Malenovic ist er einerseits dankbar: «Milos hatte viele wichtige Momente in meiner Karriere – sei es als Spieler, aber auch auf dem ganzen Trainer-Weg. Er hat mir geholfen und mir viele Impulse gegeben, wir hatten einen guten Austausch.»

Andererseits habe er jeweils den Prozess selbst machen und umsetzen müssen. «Ich kann mich diesem Projekt hier verschreiben. Sehr viele gute Leute sind immer noch da. Darum habe ich keine Sekunde überlegt, ob ich diesen Weg weitergehen möchte», betont Hediger, der dank Malenovic vor zwei Jahren vom FC Basel zum FCZ kam und zuvor im Nachwuchs tätig war.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa verlor den Glauben an Sportchef Milos Malenovic.
FCZ-Präsident Ancillo Canepa verlor den Glauben an Sportchef Milos Malenovic.
sda

Wie steht es aktuell um das Verhältnis? «Es ist bei einer Trennung ganz normal, dass es in gewissen Momenten auch Eiszeit ist. Aber ich denke, wir kennen die Mechanismen des Geschäfts. Zudem sind wir doch schon ein wenig erfahren. Wir können das beide sehr gut einschätzen», resümiert Hediger. 

Mit der Vorbereitung zeigt sich Hediger sehr zufrieden: «Wir haben eine sehr gute Energie in der Mannschaft.» Das grosse Highlight sei der Teamevent auf der Schwägalp gewesen: «Da hat es sehr viel zu lachen gegeben, wir sind zusammengerückt und sind mal aus dem Gebäude herausgekommen», blickt Hediger zurück. 

Obwohl neben Zuber mit Mariano Gómez noch ein zweiter Stammspieler den Verein verliess – und auch Jahnoah Markelo vor dem Absprung ist, verfällt Hediger nicht in Panik. «Ich habe Freude an denjenigen, die da sind. Das sind alles gute Jungs, die unbedingt für den FC Zürich alles geben wollen.»

Hediger weiter: «Für mich gibt es eine ganz einfache Gleichung: ‹Leistung, das ist Potenzial minus Störfaktoren.› Es war wichtig, dass wir einerseits die Störfaktoren abbauen konnten und gleichzeitig Jungs mit sehr viel Potenzial noch da sind. Und die das entsprechend abrufen, sodass wir die Leistung entsprechend positiv gestalten.» Für ihn sei es deshalb wichtig gewesen, dass man abwanderungswillige Spieler habe transferieren können. 

Hediger über Kryeziu und Rodriguez

Die diversen Abgänge hätten auch positive Auswirkungen. «Der eine oder andere, der nicht mehr da ist, ist bei der Entwicklung von gewissen Spielern vielleicht etwas im Weg gestanden. Nun können diese sich ein bisschen mehr ausleben. Ich denke, jetzt kommt jeder wieder lieber hier auf den Trainingscampus.»

Steven Zuber verlässt den FCZ Richtung Griechenland.
Steven Zuber verlässt den FCZ Richtung Griechenland.
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Die «bessere Energie» soll auf dem Platz umgesetzt werden, hofft der Berner, der in Thun seine Blütezeit als Spieler erlebte. Er fordert «Fokus auf das Wesentliche». «Wenn du Störgeräusche oder Nebengeräusche hast, dann ist das immer irgendwo im Hinterkopf, dann nimmst du das auch mit.» Es sei aber nicht fair, wenn der Spieler nicht seine Leistung bringe und danach beurteilt werde, aber man selber dafür mitverantwortlich sei, meint Hediger. 

Das neue Betriebsklima hat sichtlich auch auf ihn selbst abgefärbt. Hediger versprüht an der Pressekonferenz glaubhaften Optimismus, der so schon lange nicht mehr im Klub wahrnehmbar war: «Vielleicht bin ich auch ein wenig anders drauf, weil man sich jetzt ein wenig mehr um die schönen, sprich zwischenmenschlichen Themen kümmern kann. Strukturelle Sachen und bezüglich Rollenklärung haben wir eigentlich alles gemacht.»

So übernimmt Alessandro Mangiarratti den Posten des Technischen Direktors. Zusammen mit Aushilfs-Sportchef Dino Lamberti hat der FCZ Aussenverteidiger Chris Kablan verpflichtet, der einst mit Hediger in Thun zusammen spielte.

Mirlind Kryeziu – der langjährige FCZ-Abwehrspieler ist immer noch vereinslos – ist für Hediger hingegen aufgrund seiner fehlenden Spielpraxis «kurzfristig nicht die ideale Lösung». Und Nati-Star Ricardo Rodriguez, der seine Karriere beim FCZ startete, sei zwar ein «schöner Gedanke», aber es gebe dabei viele Faktoren, die stimmen müssten.