Reto Ziegler (39) spricht offen über den schwierigen Abschied vom Profifussball, seine schönsten Momente und seine nächste grosse Mission.
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- Nach 22 Jahren als Profifussballer ist Reto Ziegler zurückgetreten und beginnt nun eine Trainerkarriere, die ihm zunehmend Erfüllung bringt.
- Besonders prägend waren für ihn Stationen wie Sampdoria Genua sowie emotionale Erlebnisse wie das Derbytor für Fenerbahçe oder der Cupsieg mit dem FC Sion.
- Für seine neue Laufbahn als Trainer will Ziegler Erfahrungen aus seiner aktiven Zeit nutzen, geprägt von Trainern wie Delneri, Hitzfeld und Conte, ohne dabei seine eigene Linie zu verlieren.
14 Vereine hat Reto Ziegler in seiner langen Karriere kennengelernt. Er war unter anderem bei Tottenham, dem HSV, Fenerbahçe, Lok Moskau, Juventus, Dallas – und natürlich in der Schweiz, zuletzt in Sion. Im Alter von 39 Jahren zog der Abwehrspieler im vergangenen Sommer einen Schlussstrich.
Für diesen Schritt habe er Zeit gebraucht, verrät Ziegler im Gespräch mit blue Sport. Nach mehr als zwei Jahrzehnten als Profi war der Rücktritt alles andere als leicht. «Es war nicht einfach, nach 22 Jahren aufzuhören», sagt der ehemalige Nati-Verteidiger. Die ersten Monate seien geprägt gewesen von Hoffnung, Zweifel – und einem Restfunken, es vielleicht doch nochmals zu schaffen. «Ich hatte noch weitertrainiert und hatte innerlich noch die Hoffnung, nochmals irgendwo eine Chance zu bekommen, weil ich mich nach wie vor fit fühle.»
Gleichzeitig drängte sich ein neuer Weg in den Vordergrund: Ziegler wollte eine Trainerkarriere lancieren. «Die Diplome rauben Zeit», erklärt er. Zwischen Weitermachen und Neuorientierung schwankte er lange. Heute weiss er: «Ich bin überzeugt, dass ich mich richtig entschieden habe. Jetzt bin ich glücklich.» Aktuell ist er Co-Trainer in der U21 des FC Sion.
Sampdoria als Heimat – und ein Derby für die Ewigkeit
Am meisten vermisst Ziegler das, was den Profifussball so einzigartig macht: «Das Adrenalin, die Duelle auf dem Platz, die Emotionen. Diese werde ich wohl nie mehr so erleben, auch als Trainer nicht.» Trotzdem überwiegt die Dankbarkeit. «Ich durfte 22 Jahre auf hohem Niveau Fussball spielen. Ich bin glücklich mit dem, was ich erreicht habe.»
Die sportlich prägendste Zeit verbrachte Ziegler in Italien. «Sportlich gesehen war es bei Sampdoria Genua. Da wurde ich zum Profi, zum Linksverteidiger.» Dank dieser Entwicklung schaffte er es 2010 an die WM in Südafrika.
Unvergessen bleibt für ihn auch die Türkei: «Die Derbys in Istanbul waren sehr speziell.» Und ein Moment sticht bis heute heraus: Sein einziges Tor für Fenerbahçe – ausgerechnet im Derby gegen Besiktas. «Viele Fener-Fans melden sich noch heute bei mir, nur wegen meines Tores damals. Die Fans sind sehr leidenschaftlich und emotional.»
Besonders emotional blieb ihm auch der Cupsieg mit dem FC Sion in Erinnerung. «In der Schweiz ist es sicher etwas vom Schönsten, mit Sion einen Cup zu gewinnen. Ich weiss nicht, ob die Emotionen gleich sind, wenn du mit Basel oder YB den Cup holst. Das ist etwas Unglaubliches.»
Prägende Trainer – und ein Mitspieler, der unvergessen bleibt
Wenn Ziegler über besondere Persönlichkeiten spricht, fällt ein Name sofort: Antonio Cassano. «Er war unglaublich stark», sagt er. Charakterlich herausfordernd, als Teamkollege aber «sehr lustig». Und: «Wir haben sehr viel erlebt, das meiste kann ich vor der Kamera aber nicht sagen.»
Grosse Spuren hinterliessen auch seine Trainer. Besonders Luigi Del Neri bei Sampdoria: «Er hat mir die Arbeit eines Verteidigers beigebracht, mir die Details gezeigt, wie man richtig verteidigt. So bekam ich auch richtig Spass an der Sache.» Aber auch Ottmar Hitzfeld habe ihn in der Nationalmannschaft geprägt. Von allen habe er etwas mitgenommen.
Dass Ziegler künftig selbst an der Seitenlinie stehen will, ist kein Geheimnis. Inspiration holt er sich aus seiner eigenen Karriere. «Ich möchte meinen eigenen Weg gehen, aber auch die Dinge mitnehmen, die ich über die Jahre gesehen habe.» Besonders Antonio Conte habe ihn beeindruckt: «Wie viel wir bei Juve in der Saison-Vorbereitung gerannt sind ... das habe ich sonst nirgendwo erlebt.»
Sa 29.11. 17:25 - 20:15 ∙ blue Sport Live ∙ FC Lugano - FC Sion
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