Basel wird in der nächsten Saison höchstwahrscheinlich nicht europäisch spielen. Die ehemaligen FCB-Spieler Adrian Knup und Atilla Sahin finden bei «Tele Basel» klare Worte zur Krise.
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- Der FCB hat mit der 0:3-Niederlage gegen YB die europäischen Plätze möglicherweise verspielt. Adrian Knup und Atilla Sahin kritisieren bei «TeleBasel» die fehlende Mentalität, Leaderfiguren und Konstanz im Team.
- Knup sieht den grossen Leistungseinbruch nach dem Trainerwechsel zu Stephan Lichtsteiner. Der Zeitpunkt sei falsch gewesen, und Lichtsteiner fehle als Coach noch die nötige Erfahrung für eine solche Krisensituation.
- Beide Ex-Spieler sehen die vielen Trainer- und Spielerwechsel als Hauptproblem des FCB. Ohne Kontinuität könne ein Klub langfristig keinen Erfolg aufbauen.
Mit der 0:3-Pleite gegen YB ist der Traum vom europäischen Geschäft fast ausgeträumt. Attila Sahin fehlte in Bern der Siegeswille, um die Chancen auf europäische Abende wahren zu können. «Diese Saison muss man ein Stück weit auch etwas hart ins Gericht gehen mit dem FCB, mit all dem, was passiert ist», so der 52-Jährige.
So 17.05. 15:55 - 19:30 ∙ blue Sport Live ∙ UHD HDR FC Lugano - FC Basel 1893
Event ist beendet
Für Adrian Knup auffällig ist, wie schlecht der FCB mit Rückschlägen umgehen kann. «Dann fehlt jede kleine Widerstandskraft», meint er und ergänzt: «Es fehlen die Leader, welche die Mannschaft an die Hand nehmen und versuchen, dagegenzuhalten.»
Die schlechte Bilanz im Wankdorf – seit über zehn Jahren kein Sieg für den FCB – will Knup nicht als mentales Problem werten. «Es hat ja so viele Spielerwechsel gegeben in den letzten Jahren – das wissen ja gar nicht alle Spieler, dass das so lang her ist», meint er.
Sahin würde zwar eine Nicht-Teilnahme im Europa-Pokal bedauern, andererseits erhöhe das aufgrund des Vermeidens der Doppelbelastung die Chancen für eine bessere Meisterschaft im nächsten Jahr. Natürlich sei die Doppelbelastung für einen Klub wie den FCB nicht einfach, so Knup. Aber: «Wenn ich jetzt die Vorrunde ansehe, hat man es trotz acht zusätzlicher Spiele relativ gut managen können und ist noch vernünftig dagestanden.»
Doppelbelastung für Knup keine Ausrede
Der frühere Nati-Stürmer weiter: «Der grosse Einbruch vom FCB ist mit dem Trainerwechsel gekommen und in der Rückrunde. Da hat man angefangen, viele Punkte zu verlieren. Knup erwähnt die bisherige Ausbeute von Trainer Stephan Lichtsteiner in der Super League: sechs Mal gewonnen, zwei Mal unentschieden, sieben Mal verloren. Also das ist schon extrem. Und da haben wir aber keine Doppelbelastung mehr.» Auch für Sahin war der Wechsel von Ludovic Magnin zum früheren Nati-Captain «so unnötig».
Der Zeitpunkt für den Wechsel des wichtigsten Angestellten des Klubs sei «völlig falsch gewesen», betont Knup. «Man hat dem Trainer keinen Gefallen getan», so Knups Fingerzeig an die Vereinsführung. Lichtsteiner weise zwar als Spieler viel Erfahrung auf allerhöchstem Niveau auf, aber halt nicht als Coach. «Und wenn du dann in so eine Situation hineinkommst, sofort ganz entscheidende Spiele vor der Brust hast, die verlierst – dann ist es wahnsinnig schwer, dort irgendwie noch einen Weg rauszufinden. Bis jetzt hat er den nicht gefunden mit seiner Mannschaft», resümiert der einstige FCB-Vizepräsident.
Er rät ihm, bei den Basics anzufangen, statt wilde Experimente zu wagen. Erst dann könne man sich höheren Zielen widmen. Doch dafür brauche es neben Arbeit auch viel Zeit. Ob Stephan Lichtsteiner das noch hat in der neuen Saison, da mache ich zumindest zum heutigen Zeitpunkt ein Fragezeichen, sagt Knup.
Die Parallelen zu YB
Mit YB kämpft auch das zweite Liga-Schwergewicht um den Anschluss. Knup sieht in den vielen Trainerwechseln in den letzten Monaten und Jahren Parallelen. Seit der Saison 21/22 hatte der FCB neun Trainer, bei YB sind es acht. Ohne Konstanz sei es in der Regel sehr schwierig, Erfolge zu haben. «Kurzfristig ist es möglich, das hat der FCB auch gezeigt mit dem letzten Meistertitel. Aber mittel- oder langfristig hat man keine Erfolge, wenn keine Kontinuität drin ist», meint Knup.
Das sehe man nun bei den Mannschaften, die in der Liga oben stehen. Die Trainer seien da jeweils schon länger im Amt. «Es wäre sicher wichtig, dass der FCB auf dieser Position einmal eine gewisse Kontinuität hinkriegt. Natürlich müsse man auch bei den Spielern schauen, dass es nicht zu viele Wechsel gebe. Das ist ganz, ganz wichtig, damit irgendwann wieder etwas wachsen kann», betont der 57-Jährige.
Auch Sahin erinnert daran, wie es nach der Übernahme von David Degen im Kader zuerst gefühlt «pro halbes Jahr 10, 15 Wechsel» waren. «Dann haben wir letztes Jahr das erste Mal eine Saison gehabt, wo die Mannschaft einigermassen zusammengeblieben ist, wo Shaqiri dazugekommen ist und wo man auch am Trainer festhielt, als es mal weniger gut lief.» Sahins Fazit: «Das ist einfach ein entscheidender Punkt, dass man auf einen Trainer setzt, der die Spieler mitzieht und sie weiterentwickelt.»