Der entscheidende Mann für Thuns Meistermärchen heisst Andres Gerber. Der Präsident, der den Klub 2020 an einem Tiefpunkt übernommen hatte, spricht mit blue Sport über den Weg vom «Scheiss» zum Sensationstitel.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Der FC Thun ist Schweizer Meister 2025/26.
- Andres Gerber hat den Klub 2020 als Präsident übernommen. Mit blue Sport spricht er über schwierige Zeiten und die Entwicklung zum Schweizer Meister.
- Zweifel hatte er auf dem Weg durchaus, allerdings keine Selbstzweifel: «Ich habe gespürt, dass ich der Richtige bin – ohne hochnäsig zu sein.»
«Unbeschreiblich» sei es, sagt Andres Gerber einige Minuten nach dem besiegelten Titelgewinn am Sonntagnachmittag. «Der FC Thun ist Schweizer Meister, das ist einfach surreal und komisch. Auch wenn es sich über die Monate angekündigt hatte.» In den letzten Spielen begann bei den Berner Oberländern kurz vor dem Ziel das Nervenflattern. «Ich bin natürlich unglaublich erleichtert jetzt.»
Der Meistertitel sei «der Lohn für sechs Jahre Challenge League, Aufstieg, Bangen, Kämpfen und Leiden», meint der Klubpräsident. «Schöner geht es gar nicht.» Nach dem Abstieg 2020 war Thun in finanziellen Nöten. «Das war emotional und wirschaftlich unterirdisch. Wir wussten gar nicht, wie wir mit dieser Situation umgehen sollen.»
In der Challenge League lief es dann auch nicht nach Wunsch, jahrelang hagelte es Kritik. «Unter anderem hiess es: ‹Wie könnt ihr nur mit Lustrinelli verlängern›», erinnert sich Gerber. Das war 2024, nachdem die Thuner in der Barrage an GC gescheitert waren und einen weiteren Anlauf in der Challenge League nehmen mussten.
Mit viel Selbstvertrauen wiedererstarkt
Zweifel machten sich breit, auch beim Präsidenten. «Schaffen wir es noch einmal? Wir mussten wieder Optimismus verbreiten, die Leute überzeugen für Saisonabos und Sponsoring. Ich wusste nicht, ob ich diese Kraft und Ausdauer noch habe.»
Gerber hatte beides – er führte den FCT zum Aufstieg und jetzt sogar zum sensationellen Meistertitel. «Das ist fast zu viel des Guten.» An sich selbst gezweifelt habe er in den schwierigen Zeiten aber nie, sagt Gerber. «Ich habe gespürt, dass ich der Richtige bin – ohne hochnäsig zu sein. Ich habe bewiesen, dass es nicht um mich geht, sondern um den Verein. Sonst wäre ich nicht zu dem Zeitpunkt Präsident geworden, als wir im ‹Scheiss› waren.»
Der Traum von der Champions League
Im Jahr 2020 übernahm Gerber das Amt des Präsidenten. Vom «Scheiss» zum historischen Triumph in sechs Jahren, und jetzt kann Thun wieder von der Champions League träumen. Wie 2005, als der kleine Klub aus dem Berner Oberland schon einmal im Konzert der Grossen mitspielen durfte – und Andres Gerber selbst als Spieler noch dabei war.
Wie geht es jetzt mit dem FC Thun weiter? Darüber will sich der 53-Jährige noch keine grossen Gedanken machen. «Es ist so offen, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Auch mit der Kaderplanung», sagt er.
Und weiter: «Es gibt grosse Fragezeichen, aber wir haben ein gefestigtes Fundament mit dem Sportchef und dem Staff, der schon jahrelang dabei ist. Ich habe das Gefühl, dass wir genug solid sind, um auch nächstes Jahr eine gute Rolle zu spielen. Aber ich habe auch viel Respekt, es wird eine riesige Herausforderung.»