Historischer Tiefpunkt Spycher nach nächster YB-Ohrfeige: «Jetzt sind wir am Boden»

Syl Battistuzzi

22.12.2025

Spycher: «Jetzt sind wir am Boden»

Spycher: «Jetzt sind wir am Boden»

21.12.2025

Mit einem 0:3 in Lugano und einem historischen Negativrekord schlittern die Young Boys in die Krise. Führungsspieler und Klubleitung bemühen sich um Aufarbeitung – und um Zuversicht.

Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • YB verliert in Lugano 0:3 und damit zum zweiten Mal in Folge deutlich. Die Berner kassieren in nur zwei Spielen insgesamt neun Gegentore – so viele wie seit 2005 nicht mehr.
  • Klub-Boss Christoph Spycher kritisiert die mangelnde Disziplin, sieht fehlende Stabilität, glaubt aber weiterhin an das Potenzial im Team und Trainer Seoane.
  • Mit elf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Thun droht YB zur Winterpause den Anschluss zu verlieren – ein Comeback wäre historisch.

Am Mittwoch kassiert YB zuhause im Wankdorf gegen den Tabellenvorletzten GC eine 2:6-Schlappe. Am Sonntag setzt es ein 0:3 in Lugano. «Eine bittere Woche», konstatiert Gregory Wüthrich bei blue Sport und ergänzt: «Neun Gegentore in zwei Spielen ist natürlich nicht akzeptabel. Es ist eine ganz schwierige Phase, in der wir uns momentan befinden.»

YB kassierte erstmals seit April 2005 in zwei aufeinanderfolgenden Super-League-Spielen neun Gegentore in Summe – mehr waren es bei den Bernern nie. YB stellt in dieser Saison mit 38 Gegentoren nach Tabellenschlusslicht FC Winterthur (50) die zweitschwächste Defensive.

Wüthrich: «Neun Gegentore in zwei Spielen ist nicht akzeptabel»

Wüthrich: «Neun Gegentore in zwei Spielen ist nicht akzeptabel»

21.12.2025

Auch Christian Fassnacht gesteht: «Wir haben die letzten zwei Spiele ein Gesicht gezeigt, das nicht YB-würdig ist.» Der Routinier weiter: «Wir wollten nach diesem Debakel zuhause eine Reaktion zeigen. Das Gefühl war auch super. Wir haben vor dem Spiel viel miteinander geredet. Ich war wirklich überzeugt, dass wir das Spiel heute gewinnen werden.»

Momentan sei wirklich der Wurm drin. Man habe gefühlt jedes Spiel eine Rote Karte, einen Penalty gegen sich, einen langen Ball, der gleich zu einem Gegentor führe, wundert sich der 32-Jährige.

Spycher: «Jetzt sind wir am Boden»

Nach nicht einmal drei Minuten lag YB zurück, nach knapp einer Viertelstunde kassierten die Gelb-Schwarzen schon das zweite Gegentor. «So in die Pause zu gehen, tut weh», gibt Christoph Spycher zu und erläutert: «Jetzt sind wir am Boden. Aber wir müssen die Sache analysieren und wir werden sicher wieder aufstehen.»

Dem YB-Boss sind auch die «Undiszipliniertheiten» ein Dorn im Auge. «Wir haben ja heute wieder eine rote Karte. Wir strafen uns immer selber und das reicht natürlich nicht», ärgert er sich. Dass es im Tessin Saidy Janko traf, ist kein Zufall. Der 30-jährige Rechtsverteidiger ist der einzige Spieler, der in dieser Super-League-Saison schon das zweite Mal vom Platz flog. Insgesamt war es der sechste Platzverweis für die Berner in dieser Saison – Höchstwert gemeinsam mit Lausanne und GC.

Die Auswärtsschwäche – erstmals in dieser Saison zwei Spiele in der Fremde in Folge verloren –  sowie die harmlose Offensive – Young Boys blieb im 19. Spiel zum 5. Mal torlos – sind weitere Baustellen, die dem Klub zu denken geben müssen.

Maximale Unterstützung für Seoane

Eine Trendwende hat auch Gerardo Seoane bisher nicht einläuten können. Der YB-Hoffnungsträger löste Ende Oktober den glücklosen Giorgio Contini ab. «Gerry hat sicherlich gute Sachen reingebracht. Wir waren in einer sehr schwierigen Phase, in der er uns übernommen hat und die Mannschaft stabilisieren konnte. Aber wir haben zuletzt Energie gelassen und wir haben noch keine Konstanz hinbekommen», meint Spycher.

YB-Captain  Loris Benito erlebt im Cornaredo wieder einmal einen Nachmittag zum Vergessen. 
YB-Captain  Loris Benito erlebt im Cornaredo wieder einmal einen Nachmittag zum Vergessen. 
KEYSTONE

Abgesehen von den letzten zwei Spielen und gegen Servette sei man defensiv besser gestanden, resümiert er. «Aber es ist zu fragil und wir brauchen mehr Zeit», betont Spycher, der seinem wichtigsten Angestellten den Rücken stärkt: «Er klare Ideen. Er ist ein Trainer, der Sachen Schritt für Schritt aufbauen kann. Er hat eine riesige Persönlichkeit, übernimmt eine grosse Verantwortung und das tut uns gut. Wir sind hundertprozentig überzeugt vom Weg mit Gerry. Den werden wir gehen und wir werden ihm die maximale Unterstützung geben.»

Keine Schnellschüsse auf dem Transfermarkt

Helfen würde Seoane & Co. möglicherweise auch neue Spieler. «Wenn es Möglichkeiten gibt, die Mannschaft zu verstärken, schliessen wir das nicht aus», so Spycher. Man werde aber sicher nicht in Panik verfallen und «zehn Spieler neu verpflichten und 10 verabschieden», hält der 47-Jährige fest. Schliesslich habe man bereits in den letzten zwei Transferperioden relativ grosse Veränderungen gehabt. Der Wintertransfermarkt sei generell ein bisschen schwierig. Zudem können einige Spieler in der Rückrunde sicher besser performen als bisher, erläutert Spycher.

Zu den Spielern, die ihr Potenzial noch nicht voll abrufen konnten, zählt sich auch Wüthrich. Der Innenverteidiger kam im Sommer aus Sturm Graz. «Es braucht von jedem mehr. Angefangen bei mir. Ich bin nicht dort, wo ich sein möchte. Oder der Verein möchte, wo ich bin. Da fange ich bei mir an. Ich werde hart an mir arbeiten, um eine ganz andere Leistung abzurufen», unterstreicht der 31-jährige Stadtberner, der auch schon zweimal für die Nati auflief. 

Was ihm Mut macht? «Die Qualität, die wir haben. Die guten Spiele, die wir in dieser Saison schon gezeigt haben. Vor knapp 14 Tagen haben wir Lille zuhause geschlagen. Es steckt so viel in dieser Mannschaft. Ich bin mir sicher, dass wir hier wieder rauskommen», sagt Wüthrich. 

Jetzt gelte es, in der Winterpause die Batterie aufzuladen, einiges aufarbeiten und nach einer kurzen Vorbereitung in der Rückrunde ein «ganz anderes Gesicht» zu zeigen, so Wüthrich. Auch Fassnacht hat klare Ziele: «Wir müssen einfach wieder als Einheit auftreten und einfach wieder zu Null spielen. Sonst wird es unglaublich schwierig.»

Fassnacht: «Die letzten zwei Spiele nicht YB-würdig»

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21.12.2025

In der Tat steht YB vor einer Herkulesaufgabe. Der langjährige Liga-Dominator liegt zur Winterpause 11 Punkte hinter Tabellenführer Thun – einen so grossen Rückstand auf den Leader hat bis jetzt in der Super League einzig der FC Basel wettgemacht (11 Punkte Rückstand in der Saison 2012/13 und sogar 13 in der Saison 2009/10).

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