Alex Frei plaudert aus dem Nähkästchen

«Okafor hatte früher zu viele Flausen im Kopf – Rieder wäre einer für Bayern»

jar

22.9.2022

Will den FC Basel wieder an die Spitze führen: Alex Frei.
Keystone

Als Spieler eckte Alex Frei oft an. Trotzdem, oder genau deswegen, weiss der FCB-Trainer ganz genau, wie er mit jungen Talenten umgehen muss.

jar

22.9.2022

«Die grosse Herausforderung ist, die Ungeduld der Jungs zu bremsen, aber ihnen nicht die Gier zu nehmen», sagt Alex Frei der «Sport Bild» und führt aus: «Du musst im Umgang mit ihnen eine gute Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche finden.» In dem Interview spricht der Trainer des FC Basel über viele seiner Spieler, unter anderem auch über Jean-Kévin Augustin: «Er weiss, dass der FC Basel wohl die letzte Chance ist, in seiner Karriere nochmal den richtigen Weg zu wählen.»

Der 25-jährige Franzose sei «ein Parade-Beispiel für Probleme, die bei Talenten in grossen Klubs in der heutigen Zeit auftreten», so Frei über Augustin, der mitten im Starensemble von Paris St. Germain ausgebildet wurde und danach unter anderem für Leipzig und Monaco spielte, bevor er in ein Loch fiel.

Frei: «Wenn einer mit 18 bei PSG mit allen Top-Stars herumturnt, plötzlich pro Jahr so viel verdient wie andere während ihres ganzen Berufslebens, mit 20 für eine Millionen-Ablöse nach Leipzig geht – dann habe ich ein gewisses Verständnis dafür, dass er nicht immer auf das Wesentliche fokussiert ist, falsche Prioritäten setzt und das Gefühl hat, es schon geschafft zu haben.»

Der Coach zeigt sich nun aber sehr zufrieden mit dem Engagement des Offensivspielers, «ein Genuss» sei es, mit Augustin zu arbeiten. «Ich bin überzeugt, dass er es nochmal zu einem internationalen Top-Klub schafft.»

Frei hat Okafor die Augen geöffnet

Auf bestem Weg, bald bei einem internationalen Top-Klub zu spielen, ist auch Noah Okafor, der eine wahnsinnige Entwicklung hinter sich hat und heuer mit Salzburg auf der ganz grossen Bühne in der Königsklasse für Furore sorgt. Das war vor ein paar Jahren aber nicht absehbar.

«Ich war beim FC Basel in der U18 sein Trainer. Damals gab es nicht mehr viele Leute, die trotz seines Talents auf Noah gesetzt haben. Er hatte zu viele Flausen im Kopf, hat nicht begriffen, was der Fussball verlangt», erzählt Alex Frei. Er habe damals viel mit Okafor gesprochen und ihm klargemacht, dass er seine Karriere in den Sand setzen werde, wenn er sich nicht professionell verhalte und sich weiter falsch ernähre. «Noah hat es begriffen und umgesetzt», so Frei.

Für den FCB-Coach steht bei Okafor nun aber ein entscheidender und «extrem wichtiger» Schritt für den weiteren Karriereverlauf bevor. «Noah muss einen Klub wählen, der zu seinem Spielstil passt. Beim BVB könnte das durchaus der Fall sein.»

«Rieder wäre bei Bayern gut aufgehoben»

Ein weiteres Schweizer Top-Talent, das bald den nächsten grossen Schritt wagen könnte, spielt noch in der Super League. «Es gibt einen einzigen Spieler in der Schweizer Liga, von dem ich jetzt schon sagen kann, dass er ganz sicher eine grosse sportliche Zukunft vor sich hat. Fabian Rieder wird es packen», schwärmt Alex Frei über den YB-Youngster.

Frei traut dem 20-Jährigen sogar einen Wechsel zu Bayern München zu. «Bei Bayern wäre Rieder gut aufgehoben. In einer solchen Top-Mannschaft hätte er viele Klasse-Spieler um sich herum und könnte neben ihnen wunderbar reifen.»

YBs Fabian Rieder jubelt nach dem Tor zum 3-0, im Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Zuerich, am Samstag 16. Juli 2022 im Stadion Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Der Mann der Zukunft: Fabian Rieder.
Keystone