Die Young Boys hinken den eigenen Erwartungen in dieser Saison weit hinterher. Selbst ein Trainerwechsel bringt nicht den gewünschten Effekt. Im Heimspiel erklärt Gerardo Seoane, woran es derzeit mangelt.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Ob in der Europa League, im Cup oder in der heimischen Meisterschaft – die Young Boys können die hohen Erwartungen in dieser Saison nicht erfüllen.
- Gerardo Seoane, der das Team Ende Oktober von Giorgio Contini übernimmt, spricht im Fussball-Talk Heimspiel über die grössten Baustellen.
- Die 2:6-Klatsche gegen GC im Dezember bezeichnet Seoane als symptomatisch und macht klar: «Das ist für eine Mannschaft wie YB und eine Mannschaft, die ich als Trainer sehen will, inakzeptabel.»
In der Europa League und im Cup früh ausgeschieden, in der Meisterschaft weit hinter der Tabellenspitze – für die Young Boys verläuft die aktuelle Saison enttäuschend. Auch der Trainerwechsel Ende Oktober von Giorgio Contini zu Gerardo Seoane bringt nicht die erhoffte Wende.
So fällt die Bilanz des YB-Coaches wenig überraschend «durchwachsen» aus. «Wir sind mit den Resultaten überhaupt nicht zufrieden, auch nicht mit der Entwicklung – auch wenn man wusste, dass es im letzten Sommer viele Veränderungen gegeben hat und es keine Einbahnstrasse wird», sagt Seoane.
Der 47-Jährige nimmt dabei auch sich selbst in die Pflicht. «Seit meiner Ankunft haben wir es ganz klar nicht geschafft, die Konstanz hinzubekommen. Wir haben immer wieder gute Leistungen gezeigt und eine gewisse Konstanz gefunden, aber noch nicht so zufriedenstellend, wie wir uns das vorstellen. Da stehen wir als Trainerteam als Erstes in der Verantwortung.»
Fehlende Führungsqualitäten?
Doch woran fehlt es den Bernern derzeit? «Wenn die Entwicklung und die Resultate nicht stimmen, gibt es immer verschiedene Ursachen», weiss Seoane und macht klar: «Den sportlichen Misserfolg an den Führungsspielern festzumachen, das ist mir zu einfach.»
Dennoch sei Leadership in jeder Mannschaft ein zentraler Aspekt, so auch bei YB. «Ich finde wir haben ein gutes Gremium mit Leuten, die sehr engagiert sind, die vielleicht in ihren Karrieren nicht immer in einer solchen Rolle waren. Das braucht auch Zeit, damit sie sich finden und die richtigen Verbindungen entstehen», so Seoane. «Wir haben im Winter begonnen, in diesen Bereich zu investieren und bewusster mit diesen Spielern ins Gespräch zu gehen. Das ist nicht nur der Trainer, das ist auch die sportliche Führung.»
Die symptomatische Klatsche gegen GC
Die Führungsqualität der Spieler ist aber längst nicht die einzige YB-Baustelle. «Wir hatten Mühe mit Rückschlägen in Spielen. Das hat sicher mit der Persönlichkeit der Spieler zu tun, aber natürlich auch mit dem fussballerischen Umgang mit dem Druck, damit du dann die Bestleistung abrufst, wenn es darauf ankommt», erklärt der gebürtige Luzerner.
Und dann wären da noch die Schwächen in der Defensive. «Zum Teil sind das individuelle Fehler, das gehört irgendwie dazu. Aber generell haben wir schon ein Problem, dass wir die Gefahren nicht immer früh genug antizipieren. Unsere Mannschaft ist eher offensiv projektiert.»
Symptomatisch dafür sieht Seoane das Spiel gegen GC, das nach einem frühen Rückstand mit einer Klatsche endet. «Wir verlieren den roten Faden in unserem Spiel. Dann wollen wir zu schnell zu viel und vernachlässigen gewisse Konzepte. Und am Schluss ist das Resultat 2:6. Das ist natürlich für eine Mannschaft wie YB und eine Mannschaft, die ich als Trainer sehen will, inakzeptabel. Aber das ist der Prozess, den wir in dieser Saison durchgehen müssen.»