Seit Mai dreht sich Alain Sutters Welt wieder um zwei Buchstaben, die einst für Erfolg standen: GC. Der Sportchef krempelt den Club um – und macht seine Spieler zu Frühaufstehern.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- GC-Sportchef Alain Sutter hat nach seinem Amtsantritt im Mai tiefgreifende Veränderungen eingeleitet, darunter ein neues Trainerteam, strukturierte Tagesabläufe für Spieler und die Integration von Experten wie einem Sportpsychologen und Ernährungsspezialisten.
- Sutter verfolgt eine klare Linie mit Fokus auf Identität, Disziplin und Nachhaltigkeit, wobei Entscheidungen konsequent getroffen werden und der neue Trainer Gerald Scheiblehner seine Philosophie umsetzen soll.
- Trotz der sportlich schwierigen Lage sieht Sutter den Club auf einem guten Weg und strebt langfristig eine konkurrenzfähige Mannschaft im geplanten neuen Stadion an.
Als Spieler galt er als Feingeist, als besonders empfindsam und feinfühlig. Als Sportchef hat Alain Sutter diesen Ruf längst widerlegt. Sechs Jahre wirkte er beim FC St.Gallen – mit Erfolg, mit Empathie, aber ebenso mit harter Hand, wenn er dies für nötig hielt. Wer seinen Weg nicht mitgehen wollte, musste gehen. Ob im Team oder darum herum.
Mit dieser Haltung trat Sutter im Mai seinen Dienst bei GC an, dem gefallenen Rekordmeister, der nicht nur um sein neues Stadion buhlt, sondern vor allem um eines: sportliche Stabilität. Seit Sutter kam, blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Das Trainerteam wurde komplett getauscht, die Mannschaft wurde erneuert, und auch das Personal neben dem Platz veränderte sein Gesicht. So holte Sutter zum Beispiel den früheren St.Galler Teammanager Ramin Pandji als Stellvertreter. Er engagierte einen Sportpsychologen und einen Naturheilpraktiker, der die Spieler in Ernährungsfragen berät. Zudem ergänzt sein Sohn Taya inzwischen das Scouting der Hoppers.
Wer Sutter will, bekommt ihn – mit aller Konsequenz. Das streitet der Sportchef selbst auch nicht ab, wie er im Fussball-Talk Heimspiel auf blue sagt: «Was das Tagesgeschäft betrifft, war von Anfang klar, dass die Besitzer vom Los Angeles FC jemanden wollen, der die Verantwortung vor Ort trägt. Und wer das tut, muss auch Entscheidungen treffen. Genau das habe ich gesucht.»
«Am Schluss muss einer entscheiden»
Gleichwohl betont er, dass er sich in Fragen wie der Verpflichtung von Gerald Scheiblehner als Trainer mit den Besitzern abspreche. «Ohnehin ist es keine One-Man-Show, einen Club zu führen. Es geht immer um ein ganzes Team, das eine Reise antritt. Aber am Schluss muss einer entscheiden», sagt Sutter. Und das ist auf dem GC-Campus er.
Für Sutter war es im Mai die Rückkehr zu jenem Club, dessen Farben er von 1985 bis 1993 trug – unter Welttrainern wie Ottmar Hitzfeld oder Leo Beenhakker. Was eint das GC von damals mit dem GC von heute? Sutter lacht und sagt: «Der Name.» Dann schiebt er nach: «Es geht nicht darum, die Vergangenheit zu negieren. Die ist ja auch ein Asset. Die Historie, die Erfolge. Das ist super und soll so bleiben. Aber für uns im Tagesgeschäft darf das keine Rolle spielen.»
GC – das war bis Anfang der Nullerjahre der Nobelclub, der sich leisten konnte, was er wollte. Fast vergessene Zeiten. Sutter sagt: «GC konnte die besten Schweizer Spieler zu sich holen. Und darum hatte man eine unglaubliche Qualität. Von dem Punkt sind wir wirtschaftlich weit entfernt. Das muss ich auch nach aussen transportieren.»
Sutters Befehl an den Trainer
Reizvoll ist die Aufgabe für Sutter dennoch, wie er sagt. Dabei sei er nach Amtsantritt mehrfach gefragt worden, wieso er sich den Job antue, gerade im privaten Umfeld. «Der schlichte Grund ist, dass ich sehr gute Gespräche mit den Verantwortlichen hatte. Ihre Strategie passt 1:1 zu dem, was ich spannend finde. Es geht darum, dass man etwas Nachhaltiges auf die Beine stellen will.»
Bereits um 8 Uhr müssen die Spieler auf dem Campus sein – und bis 17 Uhr bleiben. «Ich wollte, dass die Spieler eine Tagesstruktur haben. Ich finde es falsch, wenn die Jungs mal um 10 Uhr kommen, um halb 11 trainieren und dann um 13 Uhr wieder gehen und dann am Gamen sind oder sonst was tun. Wir wollen die Zeit nutzen, mit den Jungs zu arbeiten und sie weiterzubringen.» Das habe er auch Gerald Scheiblehner im ersten Gespräch gesagt: «Das war meine Vorgabe an den neuen Trainer.»
Scheiblehner soll auch einen nachhaltigen sportlichen Stil pflegen: «Wichtig ist, dass wir eine klare Identität haben und alle Spieler wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie zu GC kommen. Eine Identität kannst du in einem Fussballverein nur entwickeln über die Art und Weise, wie du Fussball spielst», sagt Sutter. Das helfe auch beim Scouting. Klare Profile hälfen bei der Suche. «Zudem fassen die Spieler dann auch schneller Fuss.»
Nur nicht langweilen!
Was Sutter sagt, tönt nach Plan, nach Strategie. Von Visionen mag der 62-fache Internationale aber nicht sprechen. «Es hat mal einer gesagt: Wenn du Visionen hast, sollst du Medikamente nehmen», sagt er und lacht. Und: «Wer meine Arbeit in St.Gallen verfolgt hat, weiss, dass ich eine klare Idee vom Fussball habe. Es geht immer ums Resultat, klar. Aber wir sind ein Teil der Unterhaltungsindustrie.»
Es gehe auch darum, den Leuten Freude zu machen, die ins Stadion kämen, betont Sutter. «Wenn nichts läuft und nur hintenherum gespielt wird, schaue ich auch nicht gerne Fussball. Und wenn ich auch noch verantwortlich bin und ins Stadion gehe, will ich mich nicht langweilen. Fehler können immer mal passieren. Aber es geht um eine hohe Intensität.» Und er sehe GC auf einem guten Weg, obwohl das Team auf jenem Rang liegt, den es in den letzten beiden Jahren zum Schluss belegte: dem Barrageplatz. «Ich bin zuversichtlich, weil ich sehe, wie gearbeitet wird.»
Sutters Fernziel? Eine schlagkräftige Mannschaft im neuen Stadion hinzukriegen. «Im Gesamtkontext hat das Stadion eine enorme Bedeutung. Solange das nicht steht, ist es auch wirtschaftlich extrem schwierig, vernünftig zu haushalten. Wir dürfen das Stadion sportlich aber nicht als Ausrede nehmen, sondern müssen schauen, dass wir an einem guten Punkt sind, wenn das Stadion mal steht.» Schwierig genug.
Sa 29.11. 17:25 - 20:15 ∙ blue Sport Live ∙ UHD HDR FC Zürich - Grasshopper Club Zürich
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