Seoane schlechter als Contini Nur ein Trainerwechsel in der Super League hat sich bisher gelohnt

Syl Battistuzzi

23.1.2026

Fringer zu Trainerwechsel: «Manchmal braucht es das schon»

Fringer zu Trainerwechsel: «Manchmal braucht es das schon»

In der Super League wurden in der laufenden Saison bereits vier Trainer entlassen – bei der Mehrheit blieb der erhoffte Aufschwung unter den Nachfolgern bislang aus. Die Einschätzung von blue Sport Experte Rolf Fringer.

23.01.2026

In der aktuellen Super-League-Saison wurden gleich vier Trainer früh entlassen – doch ein Blick auf die Punkteschnitte zeigt: Die Nachfolger machen es oft nicht besser.

Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In der Super League wurden in der laufenden Saison bereits vier Trainer entlassen – bei der Mehrheit blieb der erhoffte Aufschwung unter den Nachfolgern bislang aus.
  • Besonders bei Servette, YB und dem FCZ liegt der Punkteschnitt der neuen Trainer jeweils deutlich unter dem ihrer Vorgänger.
  • Einzig in Winterthur zeigt sich eine leichte statistische Verbesserung, doch auch hier bleibt der Klassenerhalt ungewiss.

Bereits nach der zweiten Meisterschaftsrunde musste Trainer Thomas Häberli Anfang August bei Servette gehen, obwohl der Luzerner das Team im Vorjahr noch auf Platz 2 geführt hatte. Doch der missglückte Saisonstart mit zwei Pleiten war für die Genfer Verantwortlichen Grund genug, um ihn mit Jocelyn Gourvennec zu ersetzen. 

Häberli fasst die Gemengelage später bei blue Sport in seiner Branche zusammen: «Es spielt keine Rolle, ob du jede Woche mit dem Präsidenten einen Kaffee trinken gehst. Wenn du dreimal, viermal oder fünfmal verlierst, bist du weg.»

Die Gesamtbilanz von Häberli wettbewerbsübergreifend in Genf: In 48 Spielen gab es 20 Siege, 13 Remis und 15 Niederlagen, was einen Punkteschnitt von 1,52 ergibt.

Sein Nachfolger Gourvennec hat in der Liga derweil noch keine Duftmarke setzen können. In 17 Spielen gab es 5 Siege, 5 Remis und 7 Niederlagen. Der Franzose hat mit 1,18 einen Punkteschnitt, der klar schlechter ist als derjenige von Häberli. Das Zwischenresultat: Der zehnte Rang für Servette.

Im Oktober müssen gleich drei Trainer gehen

Während der September ruhig blieb, erwischte es im Oktober gleich drei Trainer. Zuerst musste in Winterthur Uli Forte den Hut nehmen. Auch er hatte in der Vorsaison Erfolge feiern dürfen, doch 2 Zähler aus den ersten neun Super-League-Partien waren dann doch zu mager. Für ihn übernahm Patrick Rahmen das Zepter auf der Schützenwiese.

In seinen bisherigen zehn Liga-Spielen holte der Basler mit dem FCW acht Punkte. Statistisch hat sich das Schlusslicht unter Rahmen im Vergleich zur Ära Forte verbessert, für den Klassenerhalt (oder zumindest die Barrage) muss das Team aber sicher noch mehr punkten.

FCZ: Van der Gaag auf dem Papier besser als Hediger

Nur drei Tage nach Forte servierte der FC Zürich Mitchell van der Gaag ab. Der Holländer durfte sich in der Super League neun Mal zeigen: Mit je vier Siegen und Niederlagen bei einem Remis ist seine Liga-Bilanz ausgeglichen (1,45). Nachfolger Dennis Hediger – zuvor van der Gaags Assistent – hat in den gut zwei Monaten seither nicht besser abschneiden können. So gab es neben je drei Siegen und Remis auch fünf Pleiten – einen Punkteschnitt von 1,09, also zumindest auf dem Papier bis jetzt kein positiver Effekt, auch wenn nun im Klub eine Aufbruchstimmung herrscht. 

Statistisch noch schlechter hat sich der Trainerwechsel in Bern ausgewirkt. Ende Oktober musste Giorgio Contini seinen Spind räumen – und wünschte im Büro von YB-Mitbesitzer Christoph Spycher seinem Nachfolger Gerardo Seonae viel Glück. Bisher hat der langjährige Bundesliga-Coach aber nicht die Trendwende einläuten können. Während Contini in der laufenden Meisterschaft noch im Schnitt 1,64 Punkte einheimste, kommt Seoane in neun Liga-Spielen nur auf einen Wert von 1,22 Punkten.

Vor dem Rauswurf bewahrte dies Contini nicht. Er gab zu, dass die Entlassung bei YB «sehr weh» tat. Er selbst habe beim YB-Kapitel natürlich nach eigenen Fehlern gesucht. Der 52-Jährige kam aber zum Schluss, das Ende sei «nicht selbstverschuldet» gewesen, sondern habe mit Entscheidungen zu tun gehabt, die er nicht direkt habe beeinflussen können.

Häberli gibt ehrlich zu, eine gewisse Genugtuung über die ausbleibenden Resultate nach seinem Servette-Aus sei am Anfang dagewesen: «Wenn der Nachfolger zehn Mal nacheinander gewinnt, wäre ich sicher nicht einfach nur glücklich gewesen, das ist wohl menschlich.»

Trainer in der Super League

  • Mattia Croci-Torti (43) Lugano 
    Amtszeit: 4 Jahre 3 Monate 30 Tage – Punkteschnitt: 1,80 (20 Spiele)
  • Mario Frick (51) Luzern 
    Amtszeit: 4 Jahre 29 Tage – Punkteschnitt: 1,05 (20 Spiele)
  • Mauro Lustrinelli (49) Thun 
    Amtszeit: 3 Jahre 6 Monate 19 Tage – Punkteschnitt: 2,15 (20 Spiele)
  • Didier Tholot (61) Sion 
    Amtszeit: 2 Jahre 6 Monate 19 Tage – Punkteschnitt: 1,55 (20 Spiele)
  • Enrico Maassen (41) St. Gallen 
    Amtszeit: 1 Jahr 6 Monate 19 Tage – Punkteschnitt: 1,95 (19 Spiele)
  • Ludovic Magnin (46) Basel
    Amtszeit: 6 Monate 19 Tage – Punkteschnitt: 1,65 (20 Spiele)
  • Gerald Scheiblehner (48) Grasshoppers 
    Amtszeit: 6 Monate 19 Tage – Punkteschnitt: 0,85 (20 Spiele)
  • Peter Zeidler (63)  Lausanne-Sport
    Amtszeit: 6 Monate 19 Tage– Punkteschnitt: 1,35 (20 Spiele)
  • Jocelyn Gourvennec (53) Servette 
    5 Monate 8 Tage – Punkteschnitt: 1,18 (17 Spiele)
  • Patrick Rahmen (56) Winterthur 
    Amtszeit: 2 Monate 28 Tage – Punktschnitt: 0,80 (10 Spiele)
  • Dennis Hediger (39) FC Zürich 
    Amtszeit: 2 Monate 27 Tage – Punkteschnitt: 1,09 (11 Spiele)
  • Gerardo Seoane (47) Young Boys 
    Amtszeit: 2 Monate 19 Tage – Punkteschnitt: 1,22 (9 Spiele)

Diese Trainer wurden 2025/26 entlassen

  • Giorgio Contini (52) – Entlassen bei den Young Boys
    Amtszeit: 10 Monate 13 Tage – Punkteschnitt: 1,64 (11 Spiele)
  • Mitchell van der Gaag (54) – Entlassen beim FC Zürich
    Amtszeit: 4 Monate 22 Tage – Punkteschnitt: 1,44 (9 Spiele)
  • Uli Forte (51) –  Entlassen bei Winterthur
    Amtszeit: 9 Monate 26 Tage – Punkteschnitt: 0,22 (9 Spiele)
  • Thomas Häberli (51) – Entlassen bei Servette
    Amtszeit: 1 Jahr 1 Monat 4 Tage – Punkteschnitt: 0 (2 Spiele)