Aufsteiger auf einmal Titelfavorit? Thun-Sportchef Albrecht: «Bei uns hat ein Umdenken stattgefunden»

Jan Arnet

18.1.2026

Thun-Sportchef Albrecht: «Wir haben unser Saisonziel nicht korrigiert»

Thun-Sportchef Albrecht: «Wir haben unser Saisonziel nicht korrigiert»

Der FC Thun geht als Leader in die zweite Hälfte der Super-League-Saison. Die Ziele wurden beim Aufsteiger trotz der guten Ausgangslage nicht verändert, sagt Sportchef Dominik Albrecht im Interview mit blue Sport.

13.01.2026

Der FC Thun geht als Leader in die zweite Hälfte der Super-League-Saison. Die Ziele wurden beim Aufsteiger trotz der guten Ausgangslage nicht verändert, sagt Sportchef Dominik Albrecht im Interview mit blue Sport.

Stefan Eggli

Dominik, die Vorbereitung war kurz, es geht schnell wieder los. Ihr seid zu Hause geblieben – warum habt ihr euch gegen ein Trainingslager in der Wärme entschieden?

Das hat zwei Gründe. Ursprünglich war es tatsächlich ein finanzieller Entscheid. In den letzten Jahren haben wir uns aus Kostengründen dagegen entschieden, ins Ausland zu gehen. Mittlerweile ist dieser Aspekt aber zweitrangig geworden. Es ist vielmehr eine Überzeugung: Wir finden hier sehr gute Voraussetzungen vor.

Wir können praktisch jeden Tag in der Arena trainieren, selbst wenn es ein, zwei Tage stark schneit, haben wir mit der Platzräumung gute Möglichkeiten. Zudem findet die Rückrunde in der Schweiz statt – nicht in der Türkei oder in Spanien. Wir bereiten uns also bewusst unter den klimatischen Bedingungen vor, die uns auch in der Meisterschaft erwarten.

Mit Blick auf die sehr gute Ausgangslage: Gibt es in der Vorbereitung einen besonderen sportlichen Fokus oder läuft alles wie gewohnt?

Nein, es läuft grundsätzlich alles wie gehabt. Natürlich ist die sportliche Situation im Moment sehr positiv. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass es viele enge Spiele gab, die wir oft zu unseren Gunsten entscheiden konnten.

Wenn wir jetzt anfangen würden, uns auf Lorbeeren auszuruhen, wären wir nicht erfolgreich. Unser Weg war immer, uns auf die tägliche Arbeit zu konzentrieren. Der Fokus liegt darauf, jeden Tag besser zu werden – mit dem klaren Anspruch von Staff und Spielern, sich nicht mit dem Erreichten zufriedenzugeben. In dieser Hinsicht hat sich in der Vorbereitung auf die Rückrunde nichts verändert im Vergleich zu den letzten Jahren.

Vor der Saison habt ihr kommuniziert, dass ihr die Liga aufmischen wollt. Viele haben das eher belächelt. Hat sich die Zielsetzung nach der Traum-Hinrunde inzwischen verändert?

Überhaupt nicht. Unser Ziel ist es, uns mittelfristig in den Top 6 zu etablieren. Das ist ambitioniert, keine Frage. Unabhängig davon, wo wir aktuell stehen, sind wir im Vergleich zu anderen Klubs – was Wirtschaftlichkeit und Infrastruktur betrifft – noch nicht dort, wo manche andere sind. Das braucht Zeit.



Wenn es uns gelingt, uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und dabei unserer Art treu zu bleiben, dann dürfen wir irgendwann auch berechtigt eine Rolle im Schweizer Spitzenfussball spielen. Ein halbes Jahr mit guten Resultaten ändert an dieser Grundhaltung nichts.

Was ist das Schwierigste, wenn von aussen plötzlich alle vom «M-Wort» sprechen und die Erwartungen steigen?

Da hat bei uns in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Wir haben früher sehr klar kommuniziert, dass unser Ziel der Aufstieg in die Super League innerhalb von drei Jahren ist. Dadurch hat sich ein gewisses Selbstverständnis entwickelt. Heute wäre es der falsche Ansatz, alles von den Spielern fernhalten zu wollen. Wir setzen auf Authentizität. Die Spieler sollen wissen, dass man bei uns etwas erreichen kann – und dass man auch daran glauben darf.

Gleichzeitig ist entscheidend, dass der Fokus auf der täglichen Arbeit bleibt. Wir wollen Euphorie nicht bremsen, aber auch nicht künstlich anheizen. Und wenn wir merken, dass bei jemandem der Fokus nicht mehr stimmt, sind wir erfahren genug, um zu intervenieren.

Hat sich eure tägliche Arbeit durch die gute Ausgangslage verändert – etwa durch Begehrlichkeiten anderer Klubs?

Nicht unbedingt mehr, aber anders. Die Spieler merken selbst, dass sie eine gute Vorrunde gespielt haben, und das weckt Begehrlichkeiten – das ist nachvollziehbar. Als FC Thun haben wir jedoch klare Rahmenbedingungen und müssen unserem Weg treu bleiben. Es melden sich jetzt auch Berater, die sich vorher nicht gemeldet haben, das gehört dazu. Insgesamt sind das aber Herausforderungen, die wir gerne annehmen. Lieber diese Situation, als wenn sich niemand für den FC Thun interessieren würde.

Michael Heule ist einer der Spieler, welche besonders aufgefallen sind. Es gab Gerüchte über das Interesse von den Young Boys. Was gibt es dazu zu sagen?

Ich kann nicht zu jedem einzelnen Gerücht Stellung nehmen. Fakt ist: Von unserer Seite gab es keine Gespräche. Michael hat einen laufenden Vertrag bei uns, und unsere klare Prämisse ist, dass wir in dieser Winterpause keinen Spieler abgeben wollen und auch nicht müssen. Natürlich sind wir nicht naiv – gute Leistungen wecken Interesse. Es gibt neben ihm noch zwei, drei andere Spieler, die sich in den Fokus gespielt haben. Mittelfristig kann das zu nächsten Schritten führen, aber unser Ziel ist klar: Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten.

Thun-Sportchef Albrecht über Transfers: «Wollen keine Spieler abgeben»

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13.01.2026

Kommen wir zu den Neuzugängen: Tim Spycher kommt als Goalie vom FC Basel. Welche Rolle ist für ihn vorgesehen?

Wie kommuniziert, ist er als Nummer zwei eingeplant. Er ist ein junger Torhüter, hat aber für sein Alter bereits viel Erfahrung aus verschiedenen Leihstationen gesammelt. Wir sehen bei ihm grosses Potenzial und wollten ihn deshalb ins Goalie-Team integrieren. Er hat bei uns seinen Profivertrag unterschrieben.

Was zeichnet Adam Ilic aus? Ihr habt dem 17-jährigen Nachwuchsspieler einen Profivertrag gegeben.

Er ist sehr jung, hat aber eine hohe Adaptionsfähigkeit und uns in den Trainings überzeugt. Er bringt ein gutes Gespür mit und hat körperlich noch Entwicklungspotenzial, was in seinem Alter ganz normal ist. Wir geben ihm bewusst Zeit. Er ist nicht als Fixstarter eingeplant, sondern soll sich unter diesen intensiven Bedingungen täglich weiterentwickeln. Wohin sein Weg führt, wird sich zeigen.

Du hast deinen Vertrag bis 2029 verlängert. Warum bleibt der FC Thun für dich der perfekte Ort?

Das hat nichts mit einem einzelnen Ereignis oder der aktuellen sportlichen Situation zu tun. Ich bin ein Mensch, der für Kontinuität steht. Ich kann mir keinen besseren Arbeitgeber vorstellen als den FC Thun. Wir haben in den letzten Jahren viel aufgebaut, und ich sehe weiterhin grosses Potenzial – organisatorisch wie sportlich, nicht nur bei der ersten Mannschaft, sondern in der ganzen Abteilung. Ich habe noch viele Ideen und Visionen und bin dankbar für das Vertrauen, diese in den nächsten Jahren weiter umzusetzen.


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