Letzter Rettungsversuch am Dienstag «Arbeiten an tragfähiger und guter Lösung» – jetzt meldet sich Hüppi zu Wort

Tobias Benz

26.5.2026

Wie lange ist Matthias Hüppi noch Präsident des FC St.Gallen?
Wie lange ist Matthias Hüppi noch Präsident des FC St.Gallen?
KEYSTONE

Beim FC St.Gallen eskaliert wenige Tage nach dem Cupsieg ein Machtkampf in der Vereinsspitze. Präsident Matthias Hüppi äussert sich am Dienstag öffentlich, für Mittwoch wurde zudem eine Pressekonferenz angekündigt. Auch die St.Galler Regierung und die SVP beziehen Stellung.

Tobias Benz

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Beim FC St.Gallen droht wenige Tage nach dem Cupsieg der nächste Knall: In einer Medienmitteilung des Vereins meldet sich Präsident Matthias Hüppi zu Wort.
  • Hintergrund sind Spannungen zwischen Aktionariat und Verwaltungsrat, der offenbar neu aufgestellt werden soll. Als möglicher Nachfolger wird Stefan Kölliker gehandelt.
  • Die St.Galler Regierung zeigt sich besorgt über die internen Konflikte und stärkt Hüppi sowie der aktuellen Clubführung in einem Communiqué den Rücken.

Chaos total beim Cupsieger in St.Gallen: Knappe 48 Stunden nach dem grossen Triumph im Berner Wankdorf droht ein kompletter Führungswechsel. Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet, unternahm Präsident Matthias Hüppi am Dienstagmorgen einen «letzten Rettungsversuch», um den Verwaltungsrat in seiner alten Besetzung zusammenzuhalten.

Am Abend folgt die Medienmitteilung des Vereins. Darin meldet sich auch Hüppi zu Wort: «Wir arbeiten gemeinsam mit dem Aktionariat mit Hochdruck an einer tragfähigen und guten Lösung für unseren FC St.Gallen 1879. Ich werde alles daransetzen, dass wir unseren Weg in einem konstruktiven Geist und Klima sowie mit einem Höchstmass an gegenseitigem Vertrauen fortsetzen können.»

Mehr Informationen will der Verein in einer Pressekonferenz am Mittwoch (11.00 Uhr) bekanntgeben. An der Medienkonferenz werden Verwaltungsratspräsident Matthias Hüppi sowie die Aktionäre Philipp Bienz und Reto Preisig anwesend sein.

Fans starten Online-Petition

Hintergrund sind Spannungen zwischen Aktionariat und Verwaltungsrat. Letzterer soll rund um den ehemaligen SVP-Nationalrat Stefan Kölliker neu aufgestellt werden. Ex-Profi Marwin Hitz, Juristin Martina Wüthrich und Treuhänder Urs Baumer sollen hinzustossen. Die bisherigen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth scheiden per 30. Juni ausserordentlich aus dem Verwaltungsrat des FC St.Gallen aus.

Lediglich Patrick Thoma soll im VR bleiben – der Grossaktionär wurde vom Aktionariat bereits im vergangenen Herbst in den Verwaltungsrat eingesetzt, was schon damals für Spannungen sorgte.

Nun ist ein regelrechter Machtkampf entbrannt. Ob dieser bereits entschieden ist, wird sich zeigen. Wie das «Tagblatt» weiter berichtet, könnte Matthias Hüppi sein Präsidentenamt zeitnahe ablegen, sollte sein Rettungsversuch am Dienstag scheitern.

Die Unterstützung der Fans ist dem 68-Jährigen gewiss. In einer Online-Petition, die den Verbleib des aktuellen Verwaltungsrats fordert, sind innert weniger Stunden bereits über 30'000 Unterschriften zusammengekommen. Berichten zufolge planen auch mehrere Sponsoren den Aufstand, sollten die Pläne des Aktionariats umgesetzt werden. 

St.Galler Regierung schaltet sich ein

Sollte Hüppi tatsächlich zurücktreten, würde Kölliker wohl das Präsidentenamt übernehmen. Gegenüber «SRF» deutete der 55-Jährige an: «Wir sind in einer heiklen Situation. Irgendwann kommt die Ablösung des Präsidenten.» Er selbst sei sich sicher, dass er dem FC St.Gallen «viel Gutes» tun könne.

Unter Matthias Hüppi gewann der FC St.Gallen am Sonntag den Schweizer Cup.
Unter Matthias Hüppi gewann der FC St.Gallen am Sonntag den Schweizer Cup.
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Mittlerweile hat auch die St.Galler Regierung Stellung bezogen. In einem Communiqué nach dem erfolgreichen Cupfinal heisst es: «Die Regierung gratuliert herzlich zu dieser hervorragenden Leistung. Gleichzeitig nimmt sie die Berichte über interne Spannungen mit Besorgnis zur Kenntnis. Sie bittet alle Akteure, der gesellschaftlichen Verantwortung des Clubs Sorge zu tragen und im Sinne des grossen Ganzen zu handeln.»

Der FCSG sei weit mehr als ein Fussballverein. Er sei ein gesellschaftliches Bindeglied, das Menschen unterschiedlichster Herkunft, Generationen und Überzeugungen vereine.

Weiter wird Präsident Hüppi der Rücken gestärkt: «Dieser Erfolg wäre nicht möglich gewesen ohne die strategische Weitsicht, die Stabilität und das Engagement, welche die aktuelle Clubführung und der amtierende Verwaltungsrat über die vergangenen Jahre geleistet haben. Die unter Präsident Matthias Hüppi und seinem Verwaltungsrat aufgebauten Strukturen – sportlich, kulturell und institutionell – bilden das Fundament, auf dem dieser historische Titelgewinn entstanden ist.»

Auch die SVP meldet sich zu Wort

Weil mehrere Personen des vom Aktionariat geplanten Umbruchs der SVP nahestehen, sah sich die Parteileitung der St.Galler SVP am Dienstag ebenfalls zu einer Stellungnahme veranlasst.

Man bedauere, dass die Feierlichkeiten rund um den Cupsieg durch Diskussionen über interne Veränderungen beim FC St.Gallen überschattet würden. Gleichzeitig betont die Partei, dass keiner ihrer aktiven Exponenten über die Pläne der Grossaktionäre informiert oder daran beteiligt gewesen sei.

Ist der ehemalige Regierungsrat Stefan Kölliker bald Präsident des FC St.Gallen?
Ist der ehemalige Regierungsrat Stefan Kölliker bald Präsident des FC St.Gallen?
KEYSTONE

Eine politische Verbindung weist die SVP deshalb zurück und unterstreicht: «Für die SVP des Kantons St.Gallen ist die Unabhängigkeit des Sports und der Clubs von grösster Bedeutung. Sport ist Sport – Politik ist Politik.»

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