Bencic begrüsst WTA-Boykott: «Es wäre inakzeptabel, die Tour nach China zu schicken»

tbz

3.12.2021

China-Spezialist Weber zum Fall Peng Shuai: «Das trifft die WTA mehr als China»

China-Spezialist Weber zum Fall Peng Shuai: «Das trifft die WTA mehr als China»

Prof. Dr. Ralph Weber, China-Experte an der Uni Basel, spricht mit blue Sport über die Auswirkungen des WTA-Rückzugs in China.

02.12.2021

Der Fall Peng Shuai will kein Ende nehmen. Nun hat sich auch Bencic zum China-Boykott der WTA geäussert. Sie unterstützt den Entscheid. Die Männer hingegen wollen weiterhin in China spielen.

tbz

3.12.2021

Nachdem die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai im November sexuelle Übergriffe des ehemaligen chinesischen Vizepremiers Zhang Gaoli publik macht, verschwindet sie für mehrere Wochen spurlos. Seither ist die 35-Jährige zwar wieder aufgetaucht, steht aber mutmasslich unter Hausarrest. Wegen der anhaltenden Unsicherheit über das Wohlergehen Shuais macht die WTA ihre Drohung nun ernst und streicht jegliche Turniere in China und Hongkong aus dem Tennis-Kalender 2022.

Ein Entscheid, der die WTA vor allem selbst schwächt, wie China-Experte Prof. Dr. Ralph Weber gegenüber blue Sport bestätigt. «Wirtschaftlich trifft es China nicht. Die WTA trifft es viel mehr als China», so Weber. Dennoch will der Verband am Entscheid festhalten. Die Schweizer Olympiasiegerin Belinda Bencic freut sich über das klare Statement von WTA-Boss Steve Simon.



Bencic begrüsst Entscheid der WTA

«Super, ich finde es ganz stark von ihm, dass er in diesem Fall eine solche Führung übernimmt», so die 24-Jährige gegenüber dem «Blick». «Damit setzt er ein richtiges Zeichen. Wenn nur eine Spielerin ein Problem hat, wäre es inakzeptabel, die ganze Tour nach China zu schicken.»

Simon besteht darauf, dass die Sache aufgeklärt wird. Solange er ernsthafte Zweifel an der Sicherheit Peng Shuais hege, seien die China-Turniere auf Eis gelegt. «Die WTA wurde auf Grundlage der Gleichberechtigung gegründet, diese würde so einen immensen Rückschlag erleiden», so der WTA-Chef.

Belinda Bencic ist eine von drei Schweizer Olympiasiegerinnen von Tokio, die bei den Frauen zur Wahl stehen
Belinda Bencic krönte sich im Sommer 2021 in Tokio zur Olympiasiegerin.
Bild: Keystone

Männer sollen weiterhin in China antreten

Der Tennisverband der Männer schliesst sich dem Boykott der Frauen nicht an. «Wir sind generell der Meinung, dass wir mit einer globalen Präsenz die besten Chancen haben, Chancen zu schaffen und etwas zu bewirken», sagt ATP-Boss Andrea Gaudenzi am Donnerstag.

Tennis-Star Novak Djokovic hatte den Entscheid der WTA zuvor gelobt. «Ich unterstütze die Position der WTA voll und ganz, weil wir nicht genug Informationen über Shuai Peng haben», so der Serbe.

Der Weltranglisten-Zweite, Daniil Medwedew, sieht das Ganze etwas anders. «In vielen Ländern gibt es Probleme, und doch spielen wir in den meisten von ihnen Tennisturniere», so der Russe, der jdeoch ergänzt: «Wenn nächste Woche ein Turnier in China stattfände, würde sich niemand wohlfühlen.»