Ein durchschnittlicher Tennisprofi kämpft ums finanzielle Überleben

5.12.2018 - 17:54, lbe

Roberto Marcora durchlebt finanziell schwere Zeiten.
Bild: Getty

Tennisprofi Roberto Marcora spielt in diesem Jahr 109 Matches und gewinnt 73 davon. Die finanziellen Ausgaben übersteigen seine Einnahmen trotzdem.

Der Italiener Roberto Marcora ist aktuell die Nummer 284 der ATP-Weltrangliste und trat seit seiner ersten Profisaison im Jahr 2009 deshalb vor allem auf Turnieren der unterklassigen ATP Challenger Tour sowie der ITF Future Tour an. Im April erreichte er mit Position 178 die beste Klassierung in der Weltrangliste und gab 2017 nach überstandener Qualifikation in Genf sein Debüt auf der ATP World Tour.

In diesem Jahr geht er in 109 Spielen ganze 73 Mal als Sieger vom Platz und weist zum Saisonende sowohl im Einzel (67:33) als auch im Doppel (6:3) eine positive Bilanz vor. Das Problem: Seine Siege feiert der 29-Jährige grösstenteils an Turnieren, an denen weder viele Punkte noch hohe finanzielle Entschädigungen zu holen sind. Schafft er den Sprung in das Hauptfeld eines höher dotierten Challenger Turnieres, häufen sich die Niederlagen (Bilanz: 15:14) und Marcora muss die Segel oft in den ersten Runden streichen. So bleibt das Spiel in Genf 2017 bis heute der einzige Auftritt auf höchster Stufe, der übrigens in einer Niederlage endete.

«Dieses Jahr habe ich Geld verloren»

Der mässige sportliche Erfolg wirkt sich in diesen Regionen der Tennis-Weltrangliste brutal aus. In einem Interview mit «Punto de Break» sagt Marcora: «2015 erreichte ich meinen Karrierehöhepunkt mit Rang 178 in der Weltrangliste. In jener Saison deckten die Einnahmen meine Ausgaben mehr oder weniger. In diesem Jahr habe ich Geld verloren.» Verdiente der 1,93-Meter lange Italiener vor drei Jahren mehr als 42'000 Schweizer Franken in einer Saison, beliefen sich die Einnahmen dieses Jahr bloss auf rund 22'000 Franken.

Es helfe zwar, dass den Spielern an Challenger Turnieren jeweils die Unterkunft finanziert wird. «Aber da gibt es den Flug und die Verpflegungskosten. Es ist schwierig, da Geld zu sparen. Gut zu essen ist wichtig, weshalb man sich immer in einem Restaurant verpflegt.» Reist zudem noch ein Trainer mit, verdoppeln sich die Ausgaben.

Vater als einziger Sponsor

Auch die Sponsorensuche gestaltet sich als Weltnummer 285 schwierig. «Weder von Sponsoren, noch vom italienischen Verband erhielt ich Unterstützung», sagt Marcora. Dass er trotzdem noch auf der Tour ist, habe er nur seinem Vater zu verdanken. Dieser habe seine Karriere seit Beginn finanziell unterstützt. «Ich verdiente schon immer weniger, als ich ausgab. Würde ich das nicht für meinen Vater machen, den einzigen Sponsor, hätte ich meine Karriere schon vor einiger Zeit beendet.»

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