US-Amerikaner wohnt noch bei den Eltern Der schnell lernende Tien will auch Zverev eine Lektion erteilen

Syl Battistuzzi

26.1.2026

Learner Tien bodigte im Achtelfinal Daniil Medvedev glatt in drei Sätzen.
Learner Tien bodigte im Achtelfinal Daniil Medvedev glatt in drei Sätzen.
KEYSTONE

Noch wohnt Learner Tien bei den Eltern – doch auf dem Platz zeigt der Kalifornier keine Scheu vor grossen Namen. Nach dem Coup gegen Medvedev steht der 20-Jährige im Viertelfinal, wo er auf Zverev trifft.

Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der 20-jährige US-Amerikaner Learner Tien besiegte überraschend Daniil Medvedev in drei Sätzen und steht nun im Viertelfinal der Australian Open 2026.
  • Tien, der noch bei seinen Eltern lebt und von Ex-Profi Michael Chang trainiert wird, überzeugt auf dem Court mit Spielintelligenz. 
  • Bereits im Vorjahr sorgte der Kalifornier für Aufsehen, besiegte unter anderem auch Alexander Zverev – gegen den er nun erneut antreten wird.

Alexander Zverev reagierte etwas überrascht, als er auf seinen Viertelfinalgegner angesprochen wurde. Eigentlich hatte der Vorjahresfinalist der Australian Open mit einem Duell mit seinem Angstgegner Daniil Medvedev gerechnet. Doch der Russe verlor sang- und klanglos in drei Sätzen gegen Learner Tien.

«Er hat heute einfach zu gut gespielt (...) Ich hatte das Gefühl, dass er wahrscheinlich das Spiel seines Lebens gespielt hat (...) Ich habe es nicht geschafft, mit seinem Niveau mitzuhalten», hält Medvedev fest.

Der US-Boy zeigt in der Tat keine Scheu vor grossen Namen. Medvedev schlug der junge Mann mit vietnamesischen Wurzeln bereits letztes Jahr in Melbourne. Damals erreichte Learner als Qualifikat sensationell das Achtelfinal, wo er gegen Lorenzo Sonego in vier Sätzen verlor. Kurz darauf schlug er in Acapulco einen gewissen Zverev ...

Star-Coach Michael Chang als Plus

Tien hat Ende des vergangenen Jahres die ATP Finals der Nachwuchsspieler gewonnen und sich in der Weltrangliste inzwischen bis auf Platz 29 vorgearbeitet. Der US-Amerikaner hat zwar nicht die Powerschläge wie Jannik Sinner oder Carlos Alvaraz (Tiens Vorbild), spielt aber wie die beiden Tennis-Dominatoren mit vielen Richtungswechseln und Köpfchen. Ausserdem ist er Linkshänder, was nicht allen Gegnern behagt.

Der erst 20-Jährige wird zudem seit kurzem von Michael Chang gecoacht, der ihm ein aggressiveres Spiel verordnete – und auch mental zu beflügeln scheint. Die frühere Weltnummer 2 (gewann 1989 als 17-Jähriger sensationell die French Open) weiss auch, wie man als – für die Tennisbranche – eher kleingewachsener Spieler Erfolge feiern kann. Die Schwäche des 1,80 Meter grossen Tien ist der Aufschlag. So schwankt sein erster Service im Bereich zwischen 160 und 185 Stundenkilometer.

Aber wenn es nach dem Vornamen geht, wird Learner (zu Deutsch Lernender) auch hier rasch Fortschritte machen. Diesen verdankt er übrigens seiner Mutter, die Lehrerin ist. Learners Schwester heisst Justice (Gerechtigkeit) – der Vater ist Anwalt.

Kurios: Tien wohnt aktuell «immer noch zu Hause», wie er an der Pressekonferenz erläutert. «Irgendwann in diesem Jahr werde ich mir wahrscheinlich eine eigene Wohnung suchen. Meine Eltern sind immer noch sehr stark in mein Leben involviert. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Meine Familie ist seit jeher ein wichtiger Teil meines Lebens. Es fällt mir schwer, mir ein Leben ohne sie vorzustellen. Ich bin sehr glücklich. Sie tun immer noch viel für mich», betont der Kalifornier.



Ob sein Märchen auch gegen Zevrev weitergeht, wird man am Dienstag im zweiten Spiel der Tag-Session (3.30 Uhr MEZ) sehen.


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