Federer: «Die Schlagzeilen müssen heute Novak gehören»

Luca Betschart

20.8.2018

Federer würdigt Djokovics Leistung.  
Bild: Getty Images

Roger Federer verliert bei der achten Finalteilnahme in Cincinnati zum ersten Mal. Gegen den wieder auferstandenen Novak Djokovic unterliegt der Schweizer nach einer dürftigen Leistung mit 4:6, 4:6. Für den Maestro trotzdem eine «gute Woche» kurz vor dem Start der US Open.

«Roger, danke, dass du mich hier einmal gewinnen lässt. Es war offensichtlich ein schwieriges Spiel für ihn, er konnte wohl nicht sein Bestes zeigen.» Mit diesen Worten eröffnete Cincinnati-Champion 2018 Novak Djokvoic seine Rede bei der Siegerehrung direkt nach dem Spiel und hatte nicht Unrecht damit, wie Federer selbst kurz danach an der Pressekonferenz bestätigte.

Die Niederlage kam für den Maestro auch nicht komplett überraschend. Vor allem im Returnspiel hatte er bereits im Halbfinal gegen David Goffin unbekannte Schwächen offenbart und konnte dies im gestrigen Endspiel nicht korrigieren. «Das war ein schwacher Final von mir. Meine Returns waren ein Horror, aber damit hatte ich schon die ganze Woche Mühe.»

In Zahlen ausgedrückt: Federer brachte nur knapp mehr als die Hälfte aller Aufschläge (57%) seines Kontrahenten zurück und gewann, wenn der Serbe über den 2. Aufschlag musste, nur zu 22 Prozent den Punkt. Im Vergleich dazu gewann Djokovic bei 2. Aufschlag Federer mit 53 Prozent mehr als die Hälfte der gespielten Punkte. Gerade gegen Djokovic, der nicht unbedingt für herausragende Aufschlagsqualitäten bekannt ist, ist das tödlich. 

Auch dass er nach 100 gewonnenen Aufschlagspielen in Folge in Cincinnati im gestrigen Endspiel gleich dreimal gebreakt wurde, dürfte dem Maestro Anlass zur Sorge machen, doch Zweifel sind beim 37-Jährigen nicht auszumachen: «Ich denke, es passierte einfach. Novak verdient es völlig, das war zu wenig gut von mir. Aber es ist okay, eine gute Woche.» 

Viel Lob für Djokovic

Novak Djokovic komplettiert mit dem Titel in Cincinnati sein Palmarès und hat nun neben allen vier Grand-Slam Turnieren als erste Spieler der Geschichte auch jedes ATP-1000-Turnier gewonnen, womit er den sogenannten «Career Golden Masters» vollendet. «Novak hat heute Geschichte geschrieben. Ihr könnt mich fragen, was immer ihr wollt. Die Schlagzeilen müssen heute aber ihm gehören» stellt Federer an der Pressekonferenz klar.

Der Schweizer betont, wie schwierig ein Turniersieg auf dieser Stufe ist. «Die besten Spieler nehmen teil und du spielst schon früh gegen schwere Gegner. Du hast also nicht viel Zeit, deinen Rhytmus zu finden. Novak hat das wohl besser gemacht als alle anderen.» Dies zeigt ein Blick auf den Weg zum Turniersieg des Serben: Mit Dimitrov, Raonic, Cilic und Federer bezwang er vier Topspieler nacheinander. 

Den Blick nach vorne gerichtet

«Es war eine gute Woche. Trotzdem bin ich froh, dass sie vorbei ist. Ich muss mich erholen», richtet Federer seinen Blick gleich wieder nach vorne. Er hat nun noch eine Woche Zeit, die optimale Form für das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres in New York zu finden. Die Vorfreude steigt: «Ich muss in New York mit viel Energie auftreten, dann habe ich hoffentlich die Chance, nach zehn Jahren wieder etwas Spezielles zu erreichen.»

Nachdem Federer zwischen 2004 und 2008 fünf Titel am US Open in Folge feiern konnte, erreichte er seitdem für seine Verhältnisse nur noch bescheidene zwei Endspiele, in denen er gegen Del Potro und Djokovic jeweils den Kürzeren zog. Zehn Jahre Warten sind genug für den Maestro!

Ein einfaches Unterfangen wird es defintiv nicht. Die Ausgangslage ist spannend wie selten zuvor und je nach Auslosung kann es schon in frühen Phasen des Turniers zu hohen Hürden auf einem steinigen Weg in Richtung US-Open-Titel Nummer 6 kommen. Federer: «Ich denke, die Auslosung wird hochspannend und ich kann es kaum erwarten, in New York zu spielen.» 

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