Wer gewinnt die Grand Slams? Wo liegt das Potenzial der Schweizer und welche Jungen könnten die Grossen ärgern? Tennis-Experte Heinz Günthardt wagt für blue Sport einen Blick in die Kristallkugel.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Heinz Günthardt sieht auch 2026 Alcaraz und Sinner als klare Favoriten bei den Grand Slams.
- Einige junge Spieler hätten zwar viel Potenzial, erreichen aber noch nicht das Niveau früherer Ausnahmetalente wie Nadal.
- Den Schweizer Hoffnungsträgern Stricker, Riedi und Kym traut Günthardt viel zu – entscheidend sei jedoch Konstanz, Gesundheit und mehr Spielpraxis auf Top-Niveau.
Heinz Günthardt ist vor dem Start der Australian Open besonders gespannt, ob jemand die Phalanx der beiden Dominatoren Carlos Alcaraz und Jannik Sinner durchbricht. Damit «aus dem Zweikampf ein Dreikampf oder Vierkampf wird», so der Zürcher.
Er erinnert dabei an die Anfänge mit Roger Federer und Rafael Nadal. «Dann konnte sich Novak Djokovic ansaugen und später kam Andy Murray dazu – zwischendurch hat noch Stan gezeigt, dass es auch noch andere Spieler gibt, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen können», meint Günthardt.
Welcher junge Spieler könnte am ehesten die arrivierten Top-Stars zu Fall bringen? «Der Tscheche Jakub Menšík spielt mit seinen 20 Jahren seit einiger Zeit äusserst solid. Aber es fehlt hier oder dort die Athletik. Er ist nicht ganz so geschmeidig», findet Günthardt und ergänzt: «In Basel hat ihn Henry Bernet ja fast geschlagen. Da sieht man, wie eng die Weltspitze ist.»
Wie einst bei Federer und Nadal
Aktuell sehe er aber keinen Youngster, der sofort nach oben komme, wie das damals bei Alcaraz oder Sinner oder früher Nadal der Fall gewesen sei. «Es gibt viele, die Potenzial haben. Etwa der Amerikaner Learner Tien.» Günthardt weiter: «Es wäre schön, wenn es einer von diesen Jungen nach vorn schafft, um auf gleichem Niveau zu spielen wie die beiden.»
Realistisch gesehen werden aber wie im Vorjahr Alcaraz und Sinner die Grand-Slam-Siege unter sich ausmachen, führt der 66-Jährige aus. Es sei wie damals bei Federer und Nadal, als diese fast nach Belieben dominieren konnten, ehe später noch Djokovic dazugestossen sei. «Alcaraz und Sinner sind auf einem ähnlichen Niveau. Ich glaube nicht, dass sich das gross ändern wird dieses Jahr», resümiert er.
Niveau für absolute Weltklasse
Und was traut Günthardt der Schweizer Männer-Fraktion um Leandro Riedi, Dominic Stricker und Jérôme Kym zu? «Wichtig wird sein, dass sie gesund bleiben. Wir hatten extrem viel Verletzungspech. Alle drei haben bewiesen, wie gut sie Tennis spielen können, wenn gewisse Sachen zusammenkommen. Sie haben das Niveau, um in der absoluten Weltklasse spielen zu können», ist sich der Trainer der Schweizer Fed-Cup-Mannschaft sicher.
Dafür müsse man über zwölf Monate die entsprechenden Turniere spielen, um das Ranking nach vorn zu bringen, damit man bei einem grösseren Turnier auch gesetzt sei, erläutert Günthardt. «Bei diesem vielen Verletzungspech ist es schon nicht einfach, immer wieder zurückzukommen, weil die Konkurrenz eben enorm stark ist. Nicht nur in den ersten Top 100, sondern auch zwischen den Rängen 100 und 200», hält der langjährige SRF-Experte fest.