Zoff in der Tennis-WG

Zoff in der Tennis-WG: «Dreckschleuder» Nadal ärgert «Saubermann» Federer

Von Syl Battistuzzi

14.4.2020

Geraten sich in der Tennis-WG in die Haare: Rafael Nadal und Roger Federer.
Bild: Getty

In der Tennis-WG herrscht dicke Luft: Rafael Nadal lässt den Abwasch liegen, was Roger Federer auf die Palme bringt. Während Novak Djokovic sich um neue Diäten kümmert, ist Stan Wawrinka wieder nur am Handy.

«Gopfertammi nomol!», ruft Roger Federer zum Erstaunen seiner Mitbewohner laut aus. Schon wieder ist im Abwaschbecken das dreckige Geschirr liegengeblieben. Der Maestro schaut zornig in die altbekannten Gesichter. Seit diesem blöden Lockdown muss er seine grössten Gegner nicht auf der Tour, sondern in der extra von der ATP eingerichteten Tennis-WG sehen. Tagaus und tagein.

Ein verschlafener Rafael Nadal macht sich derweil auf den Weg zum Spülbecken – Federers Wutausbruch hat ihn grad bei seiner Siesta gestört. «Tranquillo viejo», feixt Nadal zum 38-Jährigen. «Ein bisschen Dreck hat noch niemand gestört. Hat nicht schon dein singender Landsmann Chris von Rohr jeweils ‹meh Dräck› gefordert?»

Doch der Ämtliplan ist klar: Der «stolze Stier aus Manacor» muss an diese undankbare Aufgabe ran. Aber wer zwölf Mal Roland Garros gewinnt, will auch diese Hürde meistern. Er zupft sich mit seinen Händen zuerst die engen Hosen zurecht, dann sein pinkes Muskelshirt und fasst sich anschliessend noch an sein Ohr und die Nase. Nach der hektischen Zupferei dreht er noch die beiden Spülflaschen so lange, bis die Etiketten in die gleiche Richtung schauen.

Der Fauxpas von Nadal

«What the hell? Is this a joke?» schnauzt Domi Thiem nun Nadal an. «Du Trottel dep­perta hast vorher kein Desinfektionsmittel benutzt, i hobs gnau gsehn!» Ein erneuter Schock für Saubermann Federer, der mit seinem Putzfimmel schon seit längerem seine Mitbewohner terrorisiert. «WG steht für Wohngemeinschaft, nicht für ‹Wünsch-dir-was-Gesellschaft›», hält Federer klipp und klar für alle fest.

«C'est vraiment génial», schreit Stan Wawrinka begeistert auf. «Dieses Motto lasse ich mir auf meinen Unterarm tätowieren.» Aber der Romand will nichts überstürzen und möchte vorher seinen BFF Benoit Paire konsultieren. Der bärtige Franzose hat wie viele andere seiner Zunft keinen Eintritt in die exklusive WG erhalten, bei der nur Top-20-Profis Aufnahme erhielten – zu Wawrinkas grosser Enttäuschung.

«Kein Wunder, nennt dich meine Frau zu Hause nur ‹Cry Baby›», spottet Federer. Wawrinka verzieht sich schmollend in die Ecke und versucht, sich auf Instagram sein Selbstvertrauen wiederzuholen. Mit nacktem Oberkörper startet er ein Live-Video. «Sorry to tell you mate, but this is not allowed here», stellt ihn Nick Kyrgios in den Senkel. Auch Fabio Fognini ist ausser sich und flucht wie ein Rohrspatz mit Tourette-Syndrom. Zwar hat Wawrinka Respekt vor dem kleinen und grimmig dreinblickenden Italiener, doch fügsam wird er erst bei dessen Landsmann: Als ihm der 1,96 Meter grosse und 95 Kilogramm schwere Matteo Berrettini höflich ein Angebot macht, dass man nicht ablehnen kann, beendet Wawrinka unverzüglich sein «Influencen». 

Die Grosszügigkeit von Federer

Der ganze Trubel hat an Federers Nerven genagt. Zumal erst letzte Woche Stefanos Tsitsipas und Gaël Monfils für Unruhe sorgten, nachdem ihre Haare das Abflusssieb verstopften. «Jetzt habe ich einmal Mirka und die vier Goofen nicht am Hals, dafür muss ich mich mit anderen verzogenen und verwöhnten Lümmeln abplagen», murmelt er vermeintlich leise vor sich hin.

Offenbar zu laut – sein Südamerika-Tournee-Kumpel Alexander Zverev schreit empört: «Ich bin nicht verwöhnt». Der Deutsche steht grimmig vom Küchentisch auf und geht in seinem Louis-Vuitton-Bademantel aufs Klo, um sich dort das neuste Designer-Parfum aufzutragen.

Federer bekommt Angst, dass Zverev wegen dieser Episode gleich seine Management-Agentur «Team 8» verlässt. Der Baselbieter macht sich auf den Weg zum Kühlschrank, um sich zur Entspannung eine Tafel Zürcher Lindt-Schokolade zu holen. Zusammen mit einem Jura-Kaffee sieht die Welt dann ganz anders aus, denkt sich der weltmännische Gentleman, der nie seine bescheidenen Wurzeln vergessen will.

So spendiert er am Abend der Truppe jeweils einen Champagner von Moët & Chandon. Häufig trinken sie aber gar nicht viel, weil Wawrinka immer sein inneres «Animal» rauslassen will und fast die ganze Brause in der Wohnung verspritzt, während er «Olé Saint-Tropez» schreit. Zum Glück trinkt Daniil Medvedev nur Wodka, sonst wäre der Russe (noch) ungemütlicher geworden.

Die Rache von Djokovic führt zum Super-GAU

Doch beim Öffnen des Külschranks gefriert dem sonst so coolen «King Roger» fast das Herz – jemand hat den Inhalt vom Kühlschrank sabotiert! Alle Süssigkeiten sind weg. Dafür stehen dort zig grüne Säfte und Orangen. Grinsend gesteht Novak Djokovic seinen Lausbubenstreich: «Um die Nummer 1 zu werden, müsst ihr euch so ernähren wie ich. Deshalb gibt es jetzt Proteinshakes aus Erbsen.» Dazu gebe es jeweils einen frischgepressten Orangensaft, einen Geheimtipp «seiner alten Freundin Patty Schnyder», so der Serbe lachend.

Federer ist nun stinksauer. Doch auf seinen alten Rivalen losgehen kann er natürlich nicht, das wäre ein grober Verstoss gegen die Hausordnung. Er will sich schnurstracks in die Besenkammer verziehen, um sich dort zu beruhigen. Mit zackigem Schritt marschiert er los, vergisst dabei aber auf den Boden zu schauen. Dort kauern Diego Schwartzman, David Goffin und Kei Nishikori.

Das argentinisch-belgisch-japanische Trio spielt schon stundenlang zusammen UNO, ohne einen Ton von sich zu geben. Weil die drei seit Tagen so ruhig sind, hat man sie in der WG schon fast vergessen. So stolpert der «GWGTAZ» (grösster WG-Tennisspieler aller Zeiten) ausgerechnet über die drei Kleinsten der Tour. Die Folge: Kreuzbandriss im gesunden linken Knie. 

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