Tennis-Opa Grandioser Wawrinka dreht das Rad der Zeit zurück – und veralbert den Gegner

S. Battistuzzi

22.1.2026 - 16:20

Stan Wawrinka zu den Fans: «Ich brauche eure Energie»

Stan Wawrinka zu den Fans: «Ich brauche eure Energie»

Nach dem Einzug in die dritte Runde in Melbourne bedankt sich Stan Wawrinka bei den euphorischen Fans.

22.01.2026

Stan Wawrinka fasziniert wie zu seinen besten Zeiten und zieht nach einem viereinhalb stündigen Krimi in die 3. Runde des Australian Open ein – zum ersten Mal seit 2020. 

Keystone-SDA, S. Battistuzzi

Nach gut viereinhalb Stunden Abnützungskampf ist Stan Wawrinka «erschöpft», wie er selber sagt – und zum Scherzen aufgelegt. «Vielleicht hole ich mir jetzt ein Bier. Ich denke, das habe ich mir verdient», meint er im Platzinterview. Und wie er das hatte.

Wawrinka drehte im Melbourne Park noch einmal das Rad der Zeit zurück. Ob er so gut Rückhand gespielt habe wie nie zuvor, wollte Mats Wilander vom 40-jährigen Waadtländer wissen Der lächelte wohlwissend und antwortete: «Leider nicht.» Wawrinka weiss natürlich dass er physisch und tennismässig nicht mehr ganz auf dem Niveau seiner besten Tage ist, als er 2014 das Australian Open und danach zwei weitere Grand-Slam-Turnire gewann und die Nummer 3 der Welt wurde.

Fitter als der junge Gegner

Wo er aber gar nichts eingebüsst hat, ist bei der Leidenschaft für seinen Sport. Das zeigte er am Donnerstag gegen den aufstrebenden Qualifikanten Arthur Gea aus Frankreich. Fünf Sätzen lang lieferten sich die beiden ein Duell auf Messers Schneide. Den vierten Satz gewann Wawrinka mit einem Break zum 7:5 dank einem Rückhand-Passierball, der tatsächlich an seine besten Zeiten erinnerte.

Und im Entscheidungssatz hatte der Oldie am Ende die besseren Beine als der 19 Jahre jüngere Gegner, der von Krämpfen geplagt wurde. Das fällige Match-Tiebreak entschied Wawrinka klar mit 10:3 für sich. Er spielte den 58. Fünfsätzer seiner Karriere (31. Sieg), Gea den ersten.

Gea meinte noch vor dem Spiel: «Meiner Meinung nach muss es mit 40 Jahren schwierig sein, die Beine zu bewegen. Deshalb werde ich versuchen, ihn zu ermüden.» Viereinhalb Stunden später hatte der Franzose Krämpfe. Wawrinka postete in den sozialen Medien ein Emoji von einem alten Mann. 

Der Älteste seit 1978

Lange hatte die Turnierbosse gezögert, ehe sie die letzte Wildcard an den Schweizer vergaben. Mit starken Auftritten am United Cup dürfte dieser sie überzeugt haben, nun werden beide belohnt. Wawrinka begeistert die Fans, erinnert mit dem kleinen Karomuster auf seinem Hemd auch modisch an alte Zeiten, als er mit den berühmt-berüchtigt gewordenen Shorts das French Open 2015 gewonnen hatte. Am Samstag fordert er in der 3. Runde einen grösseren Brocken als Gea heraus – den Weltranglisten-Neunten Taylor Fritz.

Wawrinka ist der älteste Spieler in der 3. Runde seit 1978, als der grosse Ken Rosewall dies am Australian Open mit 44 Jahren schaffte. Und er wird sich im ATP-Ranking mindestens in die Gegend um Platz 110 verbessern. Die Chancen stehen gut, dass er sein Ziel, die Top 100, schon bald wieder erreicht und in Paris und Wimbledon nicht mehr auf eine Wildcard angewiesen sein wird.