Medvedev: «Hätte man mir das vorher gesagt, wäre ich wohl nicht angetreten»

7.9.2019 - 08:13, Von Luca Betschart, New York

Medvedev eliminiert Dimitrov in drei Sätzen
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Medvedev eliminiert Dimitrov in drei Sätzen

Daniil Medvedev ist in New York auch im Halbfinal von Grigor Dimitrov nicht zu stoppen und zieht erstmals in ein Grand-Slam-Endspiel ein.

07.09.2019

Daniil Medvedev setzt seine Siegesserie auch gegen Grigor Dimitrov fort und erreicht in New York sein erstes Grand-Slam-Endspiel. Nach dem Spiel erklärt der Russe, wieso ihn der Erfolg selbst wohl am meisten überrascht.

Auch für Grigor Dimitrov, der im Viertelfinal gegen Roger Federer brillieren konnte, ist Daniil Medvedev an den US Open eine Nummer zu gross. Obwohl sich der Bulgare im ersten Satz wacker schlägt, sich einen Satzball erarbeitet und eigentlich der bessere Spieler ist – am Ende reicht es dem Bulgaren gegen den entfesselten Russen nicht einmal zu einem Satzgewinn. «Er war da näher am Sieg, aber der Gewinn des ersten Satzes änderte das Momentum komplett«, analysiert Medvedev nach der Partie treffend.

Der 23-Jährige spielt in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinal überhaupt so abgezockt wie zuletzt immer und baut seine Siegesserie auf beeindruckende 12 Spiele aus. Besonders in den Sätzen zwei und drei lässt er Dimitrov verzweifeln und scheint das Geschehen zu jeder Zeit unter Kontrolle zu haben – genau wie die eigenen Emotionen, die er nur ganz selten zeigt.



Alle Emotionen unterdrücken

An der Pressekonferenz erklärt der Russe seinen emotionslosen Auftritt. «Ich habe in meiner Karriere viele Matches verloren, wenn ich verrückt wurde. Du weisst dann nie, ob du verloren hast, weil die Konzentrationen gefehlt hat.» Genau dies wolle er in Zukunft aber ausschliessen können. «Ich will, dass ich nur verliere, weil ich der schlechtere Spieler auf dem Platz bin.»

Dass dabei auch die positiven Gefühlsregungen auf der Strecke bleiben, hat einen einfachen Grund: «Ich habe in dieser Saison über mich gelernt, dass wenn ich die positiven Emotionen unterdrücke, auch die negativen nicht rauskommen.» Allerdings gelingt es Medvedev nicht immer gleich gut, sich so zu kontrollieren – obwohl er neben dem Court gemäss eigener Aussage kaum aus der Ruhe zu bringen ist. «Ich würde sagen, da musst du schon sieben Tage nacheinander um 06:00 Uhr am Morgen an meiner Hoteltür klopfen, damit ich ein wenig wütend werde.»

Eine Erklärung, wieso er auf dem Platz teilweise zur Furie wird, hat er deshalb keine: «Ich habe keine Ahnung, wieso bei mir die Dämonen zum Vorschein kommen, wenn ich Tennis spiele.» Er arbeite allerdings hart daran, dass sich das ändert – auch mit einer Mentaltrainerin.

Medvedev verblüfft sich selbst

Im Moment lässt sich Medvedev aber weder von den eigenen Wutausbrüchen noch von körperlichen Beschwerden aufhalten. Das überrascht ihn selbst wohl am meisten. «Krämpfe in der 2. Runde, der Streit mit dem Publikum in der 3. und 4. Runde, der mein Fehler war, dann mit Stan (Wawrinka) ein dreifacher Grand-Slam-Champion im Viertelfinal», zählte Medvedev auf. «Wenn mir das jemand vorher gesagt hätte, wäre ich wohl gar nicht angetreten.»

Glücklicherweise hat er davon aber nichts geahnt. Denn so wie der Russe in diesen Tagen auftritt, ist er eine riesige Bereicherung für den Tennissport. Selbst der ganz grosse Coup ist ihm nun zuzutrauen, auch wenn im Endspiel mit Rafael Nadal «ein Biest» auf ihn wartet. Aber Medvedev findet vor dem Spiel gleich mehrere Dinge, die ihm für den Sonntag Mumm machen.

Einerseits nehme er die Erfahrungen aus dem Endspiel von Montreal vor knapp vier Wochen mit, als er gegen den Spanier im bisher einzigen Direktduell nur drei Games gewinnen konnte. Und andererseits habe er im Verlauf des Turniers bereits gegen drei andere Linkshänder gespielt, was ihm entgegenkommen werde. «Ich weiss, was mich erwartet und weiss, wie ich mich vorbereiten muss.»

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