Das Tennisjahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Experte Heinz Günthardt analysiert für blue News, wie es um das Schweizer Tennis steht.
blue News fasst für dich zusammen
- Belinda Bencic liefert nach ihrer Babypause auf hohem Niveau ab. Experte Heinz Günthardt traut ihr den Gewinn eines Grand-Slam-Turniers zu.
- Bei den Männern sieht es von aussen betrachtet weniger rosig aus. Kein Schweizer steht in den Top 100 der Weltrangliste.
- Kriselt das Schweizer Männer-Tennis? Die Antworten gibt Günthardt im Video oben.
«Der Erfolg der Schweiz als Tennisnation in den letzten 30 Jahren ist statistisch gesehen eigentlich unmöglich», sagt Heinz Günthardt im Gespräch mit blue News. Was er meint? Jahrelang mischte die Schweiz im Männer-Tennis ganz vorne mit. Roger Federer, aber auch Stan Wawrinka sei Dank. Bei den Frauen war Martina Hingis lange Zeit die ganz grosse Nummer, in den letzten Jahren sorgte dann Belinda Bencic für die grössten Glanzlichter. Und sie tut es noch immer. «Was sie nach ihrer Babypause geleistet hat, ist enorm», sagt Günthardt und meint den Blick auf das kommende Jahr gerichtet: «Ich hoffe, dass es ihr gelingt, ein Grand-Slam zu gewinnen.» Das Rüstzeug dazu habe sie auf alle Fälle, ist sich der Teamchef des Schweizer Fed-Cup-Teams sicher. In diesem Jahr schaffte sie es in Wimbledon bis in den Halbfinal.
Hat das Schweizer Männer-Tennis ein Problem?
Blickt man auf die Weltrangliste, so sieht man, dass bei den Männern kein Schweizer unter den Top 100 figuriert. Der 40-jährige Stan Wawrinka ist als Nummer 157 der bestklassierte Schweizer. Leandro Riedi und Jérôme Kym, die an den US Open als Qualifikanten für Furore sorgten, schaffen den Durchbruch noch nicht. Günthardt meint: «Sie haben unterstrichen, dass sie das Tennis haben, um mit den Besten mitzuspielen an den grössten Turnieren, auf den grössten Plätzen.» Der 23-jährige Riedi ist die Weltnummer 178, der 22-jährige Kym ist 10 Plätze hinter ihm klassiert.
Dominic Strickers Stern leuchtete auch schon heller, der 23-Jährige ist nur noch die Nummer 367 der Welt. Und dann gibt es noch Henry Bernet, der bei den Junioren die Australian Open 2025 gewann und im Oktober bei den Swiss Indoors dank einer Wildcard zu seinem Debüt im Hauptfeld eines ATP-Turniers kam. Ihm traut Günthardt besonders viel zu: «Bernet hat in Basel gezeigt, dass er den Wechsel zu den Profis schneller schaffen kann als andere Junioren.» Aktuell ist der 19-Jährige noch ausserhalb der Top 500 gelistet.
Die grosse Frage bleibt: Warum tun sich die jungen Schweizer so schwer, den letzten Schritt zu machen? Kränkelt das Schweizer Tennis oder ist die Erwartungshaltung hierzulande einfach zu hoch? Die Antworten gibt es im Video am Anfang des Artikels.