Küng: «Manchmal musste ich mich im Kondi-Training übergeben»

pat

19.2.2020 - 18:25

Leonie Küng hat nach der Finalniederlage in Hua Hin ihr Lachen nicht verloren.
Bild: Keystone

2018 konnten wir in Wimbledon vor ihrem Finaleinzug ein Interview mit Leonie Küng führen. Anderthalb Jahre später sorgt sie erstmals auf der Profitour für Furore. Doch ihr Weg nach oben verlief nicht geradlinig.

Den Junioren-Final in Wimbledon verlor Küng 2018 gegen Iga Swiatek klar in zwei Sätzen. Sie deutete aber an, dass da eine grosse Spielerin heranwachsen könnte. Das Interesse an ihrer Person hielt sich damals noch in Grenzen und so konnte «Bluewin» vor ihrem Finaleinzug problemlos ein Gespräch mit der damals 17-Jährigen führen. Sie erzählte, dass sie eine Profi-Karriere anstrebe, ihr grösster Traum sei es, die Weltnummer eins zu werden. Sie wirkte dabei alles andere als abgehoben.

Sie trete immer mit dem Ziel an, das Turnier zu gewinnen. «Ansonsten musst du gar nicht erst antreten. Aber ich bin mir bewusst, dass es ein sehr hochgestecktes Ziel ist.» Es waren Sätze aus dem Munde einer Teenagerin, die weiss, was sie will. Gewinnen allein, das reichte ihr aber nicht. «Ich möchte, dass die Leute meine Art zu spielen mögen. Mein Spiel sollte nicht nur erfolgreich sein, sondern ich möchte die Leute damit auch begeistern», sagte sie 2018 in Wimbledon.

Küng: «Ich bin megastolz, megaglücklich»

Nun, anderthalb Jahre später, hat sie ihr damals gesetztes Ziel erreicht, Küng ist professionelle Tennisspielerin. Dank ihrem Finaleinzug beim WTA-Turnier in Hua Hin hat sie dieser Tage in der Weltrangliste einen Sprung auf Platz 156 gemacht, Ende 2020 war sie noch im 330. Rang klassiert. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagt sie: «Ich bin megastolz, megaglücklich. Es ist ein Traum, der wahr wird. Es ist cool, dass ich so gut ins Jahr starte und dadurch am French Open meine erste Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier bestreiten kann. Darauf kann ich aufbauen.» Sie habe hart dafür gearbeitet. Dass sie ins Finale einziehen würde, damit hatte die als Qualifikantin gestartete Schweizerin aber nicht gerechnet.

Leonie Küng (links) unterlag im Final von Hua Hin Magda Linette (WTA 42) in zwei Sätzen.
Bild: Keystone

So ganz aus heiterem Himmel kam der Erfolg aber nicht. «Ich hatte in den letzten Wochen und Monaten an 250er-Turnieren immer wieder gezeigt, dass ich Top-300-Spielerinnen schlagen kann, auch in zwei Sätzen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich auch Top-100-Spielerinnen schlagen würde. Aber dass es an diesem Turnier nun gerade gegen drei von ihnen reichte, ist schon krass.» Sie hoffe, dass sie weitere Chancen erhalten werde, solche Endspiele zu bestreiten.

Ein Satz, der dem einen oder anderen Tennisfan bekannt vorkommen könnte. Roger Federer ging bei seinem ersten Final als Verlierer vom Platz und erzählte später einmal, dass er bitter enttäuscht gewesen sei, weil er gedacht habe, dass er vielleicht nie mehr eine solche Chance erhalten werde. Bekanntlich stand er in seiner Karriere noch unzählige Male in einem Endspiel …

Nach Wimbledon ging es bald einmal bergab

In ihrer noch jungen Karriere hat die inzwischen 19-jährige Küng auch schon die Schattenseiten kennengelernt. Nach dem Wimbledon-Juniorenfinal wurde sie vom Pfeifferschen Drüsenfieber jäh ausgebremst. Es ist eine Viruserkrankung, die ganz unterschiedliche Verläufe nehmen kann. Küng hatte es heftig erwischt, wie sie im «Tages-Anzeiger» verrät: «Es war happig. Manchmal lag ich drei Tage nur flach im Bett, hatte Fieber, und manchmal schrie ich wirklich vor Schmerzen. Dann konnte es einen Tag gut sein, und am nächsten hatte ich wieder Halsschmerzen und Fieber.»

Es sei ihr in dieser Zeit oft schwergefallen, ruhig und positiv zu bleiben. «Nach Wimbledon lief es mir extrem gut, es war sehr schade, dass es mich gesundheitlich so erwischte. Aber im Nachhinein denke ich, dass es wohl so sein musste, dass ich mental und als Mensch so etwas durchmachen musste. Ich bin dadurch stärker geworden und habe viel gelernt.» Nun sei sie einfach froh, dass sie wieder gesund sei und Tennis spielen könne.

Bei 100 Prozent ist sie aber noch nicht angelangt. Sie sei eindeutig weniger fit als auch schon, weil sie weniger habe machen können. «Ich quälte mich extrem. Manchmal musste ich mich im Kondi-Training übergeben, weil ich mich so verausgabt habe. Ich bin auch noch nicht dort, wo ich sein will, in Sachen Fitness kann ich noch viel herausholen.»

Ihre Ziele für die Saison musste sie dennoch bereits nach oben schrauben: «Wenn man die Nummer 150 ist, kann man nicht sagen, die Nummer 180 sei das Ziel... Nun will ich weiter nach vorne kommen, um irgendwann in den Hauptfeldern der Grand Slams zu stehen.»

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport