Laver Cup vs. French Open: Dieses Spiel darf Federer nicht gewinnen

Luca Betschart

18.3.2020 - 16:37

Der von Federer ins Leben gerufene Laver Cup will den French Open die Stirn bieten.
Bild: Getty

Trotz Überschneidung mit den verschobenen French Open soll der Laver Cup im Herbst wie geplant über die Bühne gehen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Tennisstars bezüglich der Teilnahme richtig entscheiden.

Mit ihrer offenbar klammheimlich ausgemachten Verschiebung des Turniers sorgen die Veranstalter der French Open verständlicherweise für rote Köpfe im Tenniszirkus. Auf Anfrage von «Bluewin» will sich Swiss Tennis zwar nicht weiter zum Thema äussern, bestätigt aber, nichts von den Plänen gewusst zu haben. Ganz anders die Spieler, die sich via Twitter über das komplett ausbleibende Mitspracherecht bei einer solch folgenschweren Angelegenheit beklagen. Betroffene Turnierveranstalter fürchten durch die Terminkollision derweil zurecht ein schwaches Teilnehmerfeld.

Tatsächlich bliebe den Spielern nach dem Endspiel der US Open in New York nach aktuellem Stand bloss eine Woche, um sich bis zum Start der French Open nach Paris zu begeben – nicht zu vergessen die erforderliche Umstellung von Hartplatz auf Sandplatz. Ob die besten Spieler der Welt ein solches Mammutprogramm auf sich nehmen, darf angezweifelt werden.



Gleichzeitig bringt man mit der Verlegung von Roland Garros auf Ende September all jene Events in Schwierigkeiten, die ursprünglich in dieser Zeitperiode auf dem Programm stehen. Dazu gehören die ATP-Turniere in St. Petersburg oder Metz, genau wie die WTA-Turniere in Zhengzhou oder Tokio. Sollten diese zeitgleich wie die French Open stattfinden, dürften die fehlenden Aushängeschilder im Tableau in einem finanziellen Kampf ums Überleben enden. Kein Wunder, wird der Alleingang des französischen Tennisverbandes scharf kritisiert.

Entweder French Open oder Laver Cup

Betroffen ist auch der von Roger Federer und seiner Managementagentur «Team8» ins Leben gerufene Laver Cup, der für seine vierte Austragung ab dem 25. September in Boston gastiert. In einem ersten Statement bieten die Organisatoren den French Open aber die Stirn: «Zu diesem Zeitpunkt wollen wir den Laver Cup 2020 aber wie geplant durchführen.» Mit anderen Worten: Die Topstars der Szene müssen sich entscheiden – entweder die French Open oder der Laver Cup.

Auf diese Frage kann es eigentlich nur eine Antwort geben – von der Laver-Cup-Fraktion um Roger Federer einmal abgesehen. Roland Garros gehört zu den traditionsreichsten Turnieren überhaupt und blickt seit der Erstaustragung 1891 auf eine lange Geschichte zurück. Als einziges Major-Turnier auf Sand ist es nicht mehr aus dem Turnierkalender wegzudenken. Das kann vom Laver Cup nicht behauptet werden, wo es vor allem um Prestige und eine Stange Geld geht. Böse Zungen bezeichnen das Format als «Plauschturnier» – wie etwa der Davoser Spengler Cup im Eishockey. Die Unterhaltung ist zweifelsfrei da, auch die Qualität und das Spektakel, aber letztlich fehlt dann eben doch die Relevanz.

Der Anfang vom Ende?

Man stelle sich vor, die Eishockey-WM muss auf die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verschoben werden, der Spengler Cup müsste sich zweifellos hinten anstellen – wohlgemerkt: Das Turnier in Davos hat im Gegensatz zum Laver Cup bereits eine stolze, seit 1923 währende Geschichte. Dennoch scheint undenkbar, dass sich Spieler deshalb gegen die Teilnahme an der Weltmeisterschaft entscheiden würden.

Sollten die besten Tennisspieler der Welt den Laver Cup nun einem Major-Turnier vorziehen, wäre das fast schon das Ende des Tennissports, wie wir ihn bisher kennen. Deshalb ist klar: Federers Laver Cup kann und darf dieses Spiel nicht gewinnen.

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