Klare Sympathien McEnroe adelt «Darth Vader» Djokovic: «Wann bekommt er endlich den Respekt?»

Martin Abgottspon

11.7.2024

John McEnroe outet sich als grosser Fan von Novak Djokovic.
John McEnroe outet sich als grosser Fan von Novak Djokovic.
Imago

Novak Djokovic legt sich auch in Wimbledon wieder mal mit den Fans an. Nicht der Fehler des Serben, wie John McEnroe meint. Viel mehr wäre es höchste Zeit, dass man Djokovic endlich die Anerkennung zukommen lässt, die er verdient.

Martin Abgottspon

11.7.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • John McEnroe lobt Novak Djokovic für seine Fähigkeit, mit Kritik umzugehen, und betont, dass Djokovic oft respektlos behandelt wurde.
  • Djokovic kritisierte das Wimbledon-Publikum nach seinem Spiel gegen Holger Rune.
  • Weitere Experten wie Tim Henman glauben, dass Djokovic durch Konfrontation und negative Energie angetrieben wird und erst dadurch seine beste Leistung abrufen kann.

Djokovic und das Publikum. Definitiv keine Liebe auf den ersten Blick. In seiner ganzen Karriere legt sich der Serbe immer mal wieder mit den Fans an. So zuletzt auch nach seinem Sieg gegen Holger Rune im Achtelfinal von Wimbledon.

Beim Siegerinterview nach der Partie beschwert sich der 37-Jährige über langgezogene «Ruuuuune»-Rufe, die sich wie ein «Buuuuh» anhörten – und vielleicht sollten sie das ja auch. Wie du mir, so ich dir, dürfte sich Djokovic gedacht haben: «All denen, die entschieden haben, mich heute nicht zu respektieren, wünsche ich eine guuuute Nacht. Guuuuuute Nacht, sehr guuuuuuute Nacht!»

Weg war er. An der Pressekonferenz später hatte er wenig Lust über die Geschehnisse noch einmal im Detail zu sprechen. «Haben Sie noch andere Fragen ausser über das Publikum? Ich meine, konzentrieren Sie sich nur darauf oder haben Sie Fragen zum Match oder etwas Ähnliches? Oder konzentrieren Sie sich ausschliesslich darauf?»

Ein Reporter versucht sich zu rechtfertigen, indem er darauf hinweisen will, dass Djokovic das Thema nach seinem Match selbst angesprochen habe. Djokovic fällt ihm ins Wort: «Nun, das ist bereits die dritte Frage. Ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte.»

«Wie wäre es, ihm endlich Respekt zu zollen? Er ist bei weitem derjenige, der den schlimmsten Gegenwind abbekommen hat, und deshalb würde ich sagen, dass er der Grösste ist, der je gespielt hat.»

Lob für dieses Verhalten erhält Djokovic nun vom ehemaligen Spitzenspieler und heutigen Experten John McEnroe. In einem Interview mit der BBC sagt er: «Glauben Sie nicht, dass es in den letzten 10 bis 15 Jahren mindestens 100 Matches gab, in denen Djokovic wegen seiner herausragenden Leistungen respektlos behandelt wurde? Was hat er so Schlimmes getan? Nennen Sie etwas. Ist es, weil er gewinnen will? Weil er so hart kämpft wie kaum ein anderer? Liegt es an seinem Aussehen oder seiner Herkunft?»

Djokovic sei wie «Darth Vader im Vergleich zu zwei der elegantesten Spieler, die wir je gesehen haben – Rafael Nadal und Roger Federer. Wer kann sich mit dem messen, was sie geleistet haben? Niemand – und dann kommt Djokovic und stört die Party. Also, wie wäre es, ihm endlich Respekt zu zollen? Er ist bei weitem derjenige, der den schlimmsten Gegenwind abbekommen hat, und deshalb würde ich sagen, dass er der Grösste ist, der je gespielt hat.»

Nie endende Anti-Energie?

Wer Djokovic provozieren möchte, sollte mit Konsequenzen rechnen. Tatsächlich könnte er es sogar wollen. Die Fans auf dem Centre Court, die ihn am Montag absichtlich oder unabsichtlich provozierten, schienen seine unersättliche Gier nach Erfolg nur weiter anzufachen.

«Wenn Leute im Publikum ihn provozieren und wollen, dass Rune gewinnt – das ist das Schlimmste, was man tun kann», sagte der ehemalige Wimbledon-Halbfinalist Tim Henman ebenfalls in einem Interview mit BBC. «Er liebt die Konfrontation. Er lebt von dieser Energie. Und er spielt dann besser. Er hat Rune zerstört. Wenn man Djokovics Leistung beeinträchtigen will, sollte man einfach still sitzen.»

«Mit 37 Jahren und den Erfolgen, die Djokovic erreicht hat, liebe ich diese Leidenschaft, diesen Hunger und den Wunsch zu gewinnen. Das ist brillant», sagte der ehemalige britische Spitzenspieler.

Am Freitag spielt Djokovic seinen Halbfinal gegen Lorenzo Musetti, wo er als klarer Favorit gilt. Umso wahrscheinlicher, wenn sich das Publikum erneut gegen ihn richtet.