Mitgefühl für Federer: «Es fällt mir schwer, diese Zeilen zu schreiben»

18.7.2019 - 21:15, lbe

Toni Nadal zeigt nach dem verlorenen Wimbledon-Final viel Mitgefühl für Roger Federer.
Bild: Getty

Toni Nadal, der Onkel von Rafael, schwärmt in seiner Kolumne vom denkwürdigen Wimbledon-Endspiel am vergangenen Sonntag – und zeigt ungewöhnlich viel Mitgefühl für den Verlierer.

Vier Tage sind seit dem dramatischen Endspiel zwischen Roger Federer und Novak Djokovic vergangen – noch immer schmerzt das bittere Ende die Schweizer Tennisherzen. Mit seinem 16. Triumph lanciert Djokovic das Rennen um die meisten Grand-Slam-Titel definitiv neu und hat jetzt noch zwei, respektive vier Titel Rückstand auf Nadal und Federer.



Darüber freut man sich offenbar auch im Lager von Nadal – glaubt man dem langjährigen Coach und Onkel Toni: «Es war besser für Rafa, dass Djokovic gewonnen hat. Jetzt sind die drei ganz eng beisammen», sagte er nach dem Final gegenüber der «Marca». Über das fünfstündige Match meinte er: «Es hatte alles, was ein grosser Final braucht: Federers vergebene Matchbälle, die Länge des Spiels – aber die Daten zeigen, dass der Final 2008 besser war.» Zur Information: Damals besiegte Onkel Tonis Schützling Nadal Rasenkönig Federer ähnlich dramatisch.

Elf Jahre später hält sich seine Vorfreude auf das grosse Finale zwar in Grenzen, doch je länger die Partie am vergangenen Sonntag andauert, desto mehr reisst es auch den Spanier mit: «Bevor das Spiel anfing, wollte ich nicht, dass einer der beiden gewinnt. Ich denke, die Gründe sind klar. Im Verlauf des Matches, vor allem im letzten Game des fünften Satzes, wollte ich nicht mehr, dass einer verliert», schildert Nadal die eigene Gefühlswelt in seiner Kolumne für «El Pais» noch etwas genauer.

Mitleid mit Federer

Denn er wisse genau, wie schmerzhaft solche Niederlagen sind. Nadal schreibt, er habe das mit Rafael mehrmals erlebt und erinnert an die Fünfsatz-Finalniederlagen in Wimbledon (2007) und Melbourne (2012; 2017). «Deshalb tut mir Roger diesmal wirklich leid. Ich weiss, wie er sich fühlen muss, nachdem er zwei Matchbälle bei eigenem Service vergeben hat», zeigt der 58-Jährige Mitgefühl für den Schweizer und fügt an: «Es fällt mir schwer, diese Zeilen zu schreiben, wenn ich an ihn denke.»



Im Rennen um die meisten Major-Titel sei jetzt alles möglich. «Bis vor ein paar Jahren dachten wir noch, es sei sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, Federer einzuholen. Nun ist es extrem eng geworden. Wer einst die Nase vorn haben wird, liegt mehr denn je in der Luft.»

Unabhängig davon haben für Nadal alle drei Rivalen eine enorm hohe Bedeutung in diesem Sport: «Novak, Roger und Rafael haben gemeinsam für ein goldenes Zeitalter im Herrentennis gesorgt, das kaum wiederholt werden kann. Sie haben den Sport auf ein komplett neues Level gehievt.»

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