Spanier enthüllt Nadal: «Zu dieser Zeit hatte Federer die Kontrolle über mich»

Syl Battistuzzi

14.3.2025

Rafael Nadal gab Ende 2024 seinen Rücktritt. In einem Podcast spricht der Spanier über seine grandiose Karriere – und verrät, mit welcher Taktik er gegen Roger Federer und Novak Djokovic auf den Platz ging.

Syl Battistuzzi

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  • Mit Rafael Nadal trat Ende 2024 einer der grossen Drei von der Tennis-Weltbühne ab. Nach unter anderem 22 Grand-Slam-Titeln beendete der Spanier mit 38 Jahren seine Karriere.
  • In einem Gespräch mit Andy Roddick sprach Nadal über seine Erfolge. Natürlich wurden auch die beiden langjährigen Rivalen Roger Federer und Novak Djokovic thematisiert. 

«Served with Andy Roddick» heisst der Podcast der früheren Weltnummer 1. Der US-Amerikaner hatte kürzlich einen ganz besonderen Gast: Tennis-Legende Rafael Nadal. Der Spanier sprach dort ausführlich über seine Karriere – und seine langjährigen Rivalen Roger Federer und Novak Djokovic.

Der 22-fache Grand-Slam-Sieger erläutert, warum aus seiner Sicht «die Rivalität mit Roger für die Fans ein wenig attraktiver war als jene mit Novak». Dabei haben Nadal und Djokovic sich öfters duelliert (60 Mal – Nadal vs. Federer gab es nur 40 Matches).

«Die Strategie gegen Roger war klar», erläutert Nadal und ergänzt: «Ich habe versucht, das eine zu tun, er hat versucht, das andere zu tun.» Wie das konkret aussah? «Ich habe die ganze Zeit versucht, seine Rückhand anzuspielen –  selbst wenn ich die Chance hatte, die Linie runterzuspielen. So habe ich mir jeweils gesagt: ‹Okay, wenn ich es Longline spielen muss, dann nur aus zwei Gründen: Entweder gehe ich auf den Winner oder ich will ihn von der anderen Seite wegbringen, um mir wieder mehr Platz zu schaffen.›»

«Er hat versucht, das zu vermeiden. Er hat versucht, aggressiver zu spielen. Wenn er eine Vorhand schlug, hatte ich das Gefühl, dass ich einen Schritt zurückweichen musste. Seine Vorhand ist für mich die beste, gegen die ich je gespielt habe», hält Nadal fest.

Federer hatte gegen Karriereende zugelegt

Es sei wie ein kleines Schachspiel gewesen, wo jeder wisse, was passieren werde und es keine Geheimnisse gebe, beschreibt Nadal die Ausgangslage gegen den Schweizer. 

Rafael Nadal musste Rivale Roger Federer mehrfach trösten – und umgekehrt.
Rafael Nadal musste Rivale Roger Federer mehrfach trösten – und umgekehrt.
Keystone

So habe jeweils derjenige gewonnen, der besser gespielt habe. Natürlich sei ihm Sand entgegengekommen, während es für ihn zu Beginn auf Hartplätzen schwieriger gewesen sei, führt der 38-Jährige aus.

Doch Federer habe sein Niveau im Laufe seiner Karriere hochschrauben können, meint Nadal. Federer habe etwa am Anfang noch «ein paar kleine Fehler» drin gehabt. «Er hat versucht, mit der Rückhand Top-Spin zu spielen. Damit hat er mir die Chance gegeben, mit der Vorhand gegen seine Rückhand zu spielen», verrät Nadal die taktischen Mängel. 

«Am Ende seiner Karriere hat er einen Schritt nach vorne gemacht – er hat viel aggressiver auf der Rückhandseite gespielt. Am Ende seiner Karriere hat er angefangen, mehr Risiko einzugehen. 2017 zeigte er eine Zeit lang das beste Niveau seiner Karriere –  man fühlte, dass er die Kontrolle hatte.» Zudem sei auch der Aufschlag des Schweizers «so schwer zu lesen» gewesen, gesteht Nadal.

Bei den Australian Open 2017 schlug Federer nach sechs Monaten Pause wegen einer Knieoperation als Weltnummer 17 der Welt in einem epischen Final gegen Nadal in fünf Sätzen und holte damit seinen ersten Grand-Slam-Titel nach viereinhalb Jahren ohne Major-Triumphe.

Keine fixe Strategie gegen Djokovic

Bei Partien gegen Djokovic habe man zwar eine Strategie haben können, doch man habe sich letztlich eh anpassen und über lange Zeit sehr gutes Tennis zeigen müssen, erläutert Nadal.  

Hohe Bälle habe der Serbe etwa einfach früher genommen, also habe er den Slice mehr eingesetzt oder auch mal durch die Mitte gespielt, um Djokovic nicht mehr Winkel anzubieten, so Nadal.

«Wenn du gegen Novak den Platz öffnen konntest, musstest du viel Schaden anrichten. Falls das nicht gelang, konnte er dich im Gegenzug mehr öffnen», resümiert Nadal und führt aus: «Was die Ballkontrolle angeht, war er der Beste, gegen den ich je gespielt habe.»

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