Osaka: «Ich sage: ‹Hi, wie geht es dir?› Dann schalte ich ab»

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16.1.2020 - 18:54

Naomi Osaka: «Lektion Nr. 1: Ich rede nicht mit Leuten»

Naomi Osaka: «Lektion Nr. 1: Ich rede nicht mit Leuten»

Das etwas seltsame Interview mit Australian-Open-Titelträgerin Naomi Osaka anlässlich der Auslosung (englisch).

16.01.2020

Tennisspielerin Naomi Osaka gilt als zurückhaltend, um nicht zu sagen schüchtern. Die Japanerin macht diesem Ruf anlässlich der Auslosung in Melbourne wieder einmal alle Ehre.

Als amtierende Titelhalterin steigt Naomi Osaka in das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres, das ab Montag in Melbourne über die Bühne gehen wird. Traditionsgemäss begleiten der Titelverteidiger und die Titelverteidigerin die Auslosung jeweils vor Ort. Am Donnerstagabend Lokalzeit war zunächst die Reihe an Novak Djokovic, bevor das Moderatoren-Trio die 22-jährige Osaka im Melbourne Park begrüsste.



Osaka, die als grösste Erfolge zwei Grand-Slam-Siege ihr Eigen nennen kann (US Open 2018 und Australian Open 2019), trifft zum Auftakt in der ersten Runde auf die Weltnummer 57 aus Tschechien, Marie Bouzkova. Ein machbares Los. Auch in der zweiten Runde ist sie Favoritin, ob es nun gegen die Chinesin Saisai Zheng oder eine Qualifikantin geht.

Spätestens dann muss Osaka den Motor hochfahren, will sie nach diversen Enttäuschungen an den letzten Major-Turnieren wieder in die zweite Woche kommen: In der dritten Runde wartet womöglich Wunderkind Coco Gauff – oder Venus Williams. Im Viertelfinal könnte es dann zum Wiedersehen mit Serena Williams kommen. Es wäre die vierte Begegnung zwischen den Vertreterinnen zweier Tennisgenerationen (Head-2-Head 2:1 für Williams).

«Ich spreche nicht mit Leuten»

Vor allen Dingen der US-Open-Final 2018 dürfte vielen Tennisfans in Erinnerung geblieben sein. Williams konnte ihren Zorn mehrfach nicht mehr im Zaum halten, attackierte den Schiedsrichter verbal, nannte ihn einen «Dieb» und einen «Sexisten» und verlangte eine Entschuldigung, nachdem dieser eine Verwarnung ausgesprochen hatte. Auch bei der Siegerehrung hatten sich die Gemüter – auch bei den Fans – nicht beruhigt. Naomi Osaka nahm das Geschehen verdattert zur Kenntnis und konnte sich kaum über ihren ersten Grand-Slam-Sieg freuen.

Später entschuldigte sich Williams bei Osaka und seither verbindet die beiden eine, sagen wir, respektvolle Mutter-Tochter-ähnliche Beziehung. Allzu viel kommuniziert wird dabei aber nicht, wie Osaka nun offenbart. «Ich muss euch kurz erklären, wie ich als Mensch funktioniere», führt die Japanerin auf ein Foto angesprochen aus, das sie mit Serena im Training zeigt. «Ich spreche nicht mit Leuten, ich starre sie einfach aus der Distanz an. Das ist Lektion Nummer eins. Lektion Nummer zwei ist, dass wenn ich mit Serena sprechen würde, dann spricht sie mit mir und ich bin überrascht, dass sie mit mir spricht. Ich gebe dann auch keine Antwort.»

Der Moderator fragt nach: «Also hast du ihr noch nie eine Frage gestellt?» Osaka: «Nicht wirklich. Ich sage: ‹Hi, wie geht es dir?› Und dann schalte ich ab.» Es ist tatsächlich erstaunlich, wie Osaka in einem Tennisspiel den Hebel umlegen und die ganze Schüchternheit, die sie im Alltag zu begleiten scheint, ablegen kann.


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